Gina Rineharts Bergbauimperium: Lithium, Seltene Erden und mehr
Über Hancock Prospecting hält Australiens reichste Frau Beteiligungen an den strategisch wichtigsten Rohstoffen der Welt.

Gina Rinehart ist nicht nur Australiens reichste Person – sie ist auch eine der einflussreichsten Investorinnen im globalen Bergbausektor. Mit einem geschätzten Nettovermögen von AU$35,6 Milliarden hält sie über ihr Unternehmen Hancock Prospecting Beteiligungen an Lithium, Seltenen Erden, Kupfer, Kaliumsalz und Erdgas. Was als Eisenerzfirma begann, hat sich unter ihrer Führung zu einem breit diversifizierten Rohstoffimperium entwickelt.
Rinehart übernahm 1992 das Ruder von Hancock Prospecting, das ihr Vater Lang Hancock gegründet hatte. Seitdem verfolgt sie eine Strategie, die auf strategischen Partnerschaften und konsequenter Diversifizierung basiert. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete Hancock Prospecting einen Gewinn von AU$3,08 Milliarden – nach AU$5,6 Milliarden im Vorjahr. Das Unternehmen gilt als zweitgrößtes privates Unternehmen Australiens nach Umsatz im Jahr 2025 mit einem geschätzten Wert von AU$15,8 Milliarden.
Die Details
Das Fundament von Rineharts Reichtum ist das Eisenerzgeschäft. Hancock Prospecting erwarb 1993 die Roy Hill Tenements und profitierte stark vom Eisenerzmarkt-Boom der frühen 2000er Jahre. Heute ist Roy Hill Australiens größtes Eisenerzbergwerk mit einer Produktion von 61,6 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Strategische Partner wie Marubeni (15 Prozent), POSCO Holdings (12,5 Prozent) und China Steel (2,5 Prozent) kaufen jährlich insgesamt 28,75 Millionen Tonnen aus der Produktion.
Der Hope Downs-Eisenerzkomplex, ein 50/50-Joint-Venture mit Rio Tinto, verfügt über vier Tagebaue und eine jährliche Produktionskapazität von 47 Millionen Tonnen. Im Juni 2025 kündigten die Partner eine kombinierte Investition von US$1,6 Milliarden an, um das Hope Downs 2-Projekt zu entwickeln. Die Lagerstätten Hope Downs 2 und Bedded Hilltop sollen zusammen eine jährliche Produktionskapazität von 31 Millionen Tonnen erreichen. Hinzu kommt das neue McPhee Creek-Eisenerzbergwerk, das im Juni 2026 die erste Produktion erreichte und rund 8 Millionen Tonnen pro Jahr über eine geschätzte Lebensdauer von 15 Jahren produzieren soll.
Ab dem 1. Juli 2025 konsolidierte Hancock Prospecting Roy Hill und Atlas Iron unter dem neuen Namen Hancock Iron Ore. Die neue Einheit repräsentiert kombinierte Eisenerzexporte von etwa 74 Millionen Tonnen pro Jahr. Atlas Iron hatte Hancock 2018 für AU$427 Millionen erworben – ein Kauf, der sich als äußerst günstig erwies, da das Unternehmen allein in den folgenden drei Jahren Einnahmen von AU$1,5 Milliarden generierte.
Bei den Lithiuminvestitionen machte Rinehart besonders im Jahr 2023 von sich reden. Im September 2023 erwarb sie eine Position in Liontown Resources und erhöhte diese rasch auf 19,9 Prozent – was es Hancock als größtem Aktionär ermöglichte, die akzeptierte Übernahme durch Albemarle effektiv zu blockieren. Das Kathleen Valley Lithiumprojekt von Liontown ging Ende Juli 2024 in den Tagebaubetrieb und soll jährlich etwa 500.000 Tonnen Spodumenkonzentrat produzieren. Im April 2025 wurde die Anlage Australiens erstes unterirdisches Lithiumbergwerk.
Ebenfalls im Oktober 2023 erwarb Rinehart einen 18-prozentigen Anteil an Azure Minerals, nachdem SQM eine vollständige Übernahme angekündigt hatte. Statt zu blockieren, schloss sich Hancock Prospecting SQM in einem Deal im Wert von AU$1,7 Milliarden an, um Miteigentümer des Andover-Lithiumprojekts in der Westpilbara-Region zu werden. Der Deal wurde im Mai 2024 abgeschlossen. Im Jahr 2026 reichte das Joint Venture einen Plan ein, einen Tagebau zu entwickeln, der eine jährliche Produktion von 1,1 Millionen Tonnen Lithiumkonzentrat anstrebt.
Bei Vulcan Energy Resources, das sein Flaggschiff-Projekt Phase One Lionheart für Lithiumsole im Oberrheingraben in Deutschland vorantreibt, ist Hancock Prospecting seit Anfang 2021 investiert. Rinehart fungierte damals als Kerninvestorin in einer Finanzierungsrunde im Wert von AU$120 Millionen mit einem Anteil von 6,66 Prozent. Im Juni 2024 erhöhte sie ihren Anteil mit einer Investition von 12,5 Millionen Euro auf 7,5 Prozent. Im Dezember 2025 sicherte Vulcan ein Investitionspaket im Wert von AU$3,9 Milliarden und traf seine finale Investitionsentscheidung, mit dem Ziel der ersten Lithiumproduktion im Jahr 2028.
Bei den Seltenen Erden ist Hancock Prospecting der größte Aktionär von Arafura Rare Earths mit einem Anteil von 17,5 Prozent. Im Mai 2026 investierte Hancock zusätzliche AU$85 Millionen in das Unternehmen. Arafura hatte Mitte 2024 nahezu AU$1,5 Milliarden an Schuldfinanzierung für sein Nolans-Projekt im Northern Territory gesichert. Darüber hinaus hält Rinehart Beteiligungen an MP Materials (USA) und Lynas Rare Earths (Australien) sowie an Explorationsfirmen wie Brazilian Rare Earths, St George Mining und Rare Earths Americas.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 18. September 2026 berichtete aktien.news, dass Rinehart mit einer Serie von neun Investitionen in rund einem Jahr Hancock Prospecting weit über das Eisenerzgeschäft hinausführt und gezielt Seltene Erden, Kupfer, Gallium, Antimon und Edelmetalle ins Portfolio aufnimmt. Die jüngste Transaktion dieser Serie belief sich auf AU$8,77 Millionen. Am 16. September 2026 meldete aktien.news zudem, dass Hancock Prospecting AU$8,7 Millionen in den Kupfer-Explorationsunternehmen White Cliff Minerals investierte und dabei einen Anteil von 13,5 Prozent erwarb. Am 18. Mai 2026 berichtete aktien.news, dass Hancock Prospecting sein US-Portfolio im Rahmen einer Umschichtung von 133 Millionen US-Dollar umstrukturierte und dabei in Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin, Northrop Grumman und RTX investierte – bei einem Gesamtportfoliowert von 3,3 Milliarden US-Dollar.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist Rineharts Strategie aus mehreren Gründen bemerkenswert. Erstens zeigt sie, wie ein großer Rohstoffkonzern gezielt auf die wachsende Nachfrage nach kritischen Mineralien außerhalb Chinas setzt – ein Thema, das auch europäische Lieferketten direkt betrifft. Zweitens ist mit Vulcan Energy Resources ein Unternehmen im Portfolio, das sein Hauptprojekt im deutschen Oberrheingraben betreibt und damit einen direkten Bezug zum europäischen Markt hat.
Die Beteiligungen an Arafura, Lynas und MP Materials zeigen zudem, dass Rinehart auf eine Diversifizierung der globalen Seltenerdversorgung setzt – ein strategisch bedeutsames Ziel angesichts der Dominanz Chinas in diesem Sektor. Anleger sollten jedoch beachten, dass viele dieser Projekte noch in der Entwicklungs- oder Explorationsphase sind und entsprechende Risiken tragen.
Ausblick
Vulcan Energy Resources plant die erste Lithiumproduktion aus dem Projekt Phase One Lionheart im Jahr 2028, mit einer Zielkapazität von 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat sowie 275 Gigawattstunden erneuerbarer Energie und 560 Gigawattstunden Wärme pro Jahr. Für Phase Two (Projekt Ludwig) sind 21.100 Tonnen Lithiumcarbonat und 3.125 Gigawattstunden Co-Wärmeproduktion geplant. Das Andover-Joint-Venture von Hancock und SQM strebt eine jährliche Produktion von 1,1 Millionen Tonnen Lithiumkonzentrat an. Das McPhee Creek-Bergwerk soll über seine geschätzte Lebensdauer von 15 Jahren rund 8 Millionen Tonnen Eisenerz pro Jahr liefern. Für das Grassy Mountain-Stahlkohleprojekt in Kanada wurden im Mai 2025 Explorationslizenzen genehmigt.
Kurz erklärt
- Spodumenkonzentrat: Ein lithiumhaltiges Mineral, das als Ausgangsstoff für die Batterieproduktion verwendet wird.
- Direkte Lithiumextraktion (DLE): Ein Verfahren zur Gewinnung von Lithium direkt aus Sole oder Geothermalwasser ohne klassischen Verdunstungsprozess.
- Earn-in-Vereinbarung: Ein Vertrag, bei dem ein Unternehmen durch das Erfüllen bestimmter Investitions- oder Explorationsmeilensteine schrittweise einen Anteil an einem Projekt erwirbt.
