Geopolitische Spannungen treiben Ölpreise und belasten Kanadischen Dollar
Eskalation am Persischen Golf lässt Brent über 90 Dollar steigen, Loonie erholt sich nur leicht.

Die eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben die globalen Energiemärkte in Aufruhr versetzt und gleichzeitig Auswirkungen auf den Devisenmarkt. Während die Ölpreise aufgrund von Sicherheitsbedenken am Persischen Golf deutlich anzogen, kämpft der kanadische Dollar trotz einer leichten Erholung mit erheblichem Gegenwind.
Die Sorge vor einer Beschädigung der Energieinfrastruktur hat sich verschärft, nachdem US-Präsident Donald Trump in sozialen Medien ein KI-generiertes Video verbreitete, das die Zerstörung des iranischen Ölterminals auf der Insel Kharg suggerierte. US-Beamte bestätigten jedoch, dass Kharg Island nicht angegriffen wurde und sich militärische Aktionen auf Raketenwerfer auf der Insel Larak konzentrierten. Die Lage bleibt hochgradig volatil.
Bedeutung der Insel Kharg für den Iran
Die Insel Kharg ist für den Iran von zentraler Bedeutung, da dort vor Kriegsbeginn 90 Prozent der Rohölexporte abgewickelt wurden. Trotz der Drohungen betont Hamid Bovard, Chef der National Iranian Oil Company, den laufenden Betrieb. Allerdings belegen Daten von Kpler einen Rückgang der Ölbestände auf der Insel im August. Die Sicherheitsrisiken für den globalen Öltransport haben sich durch Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus manifestiert. Die Anzahl der Schiffe, die die Meerenge passieren, liegt deutlich unter dem Durchschnitt.
Die US-Lagerbestände in der strategischen Erdölreserve sind auf 286,6 Millionen Barrel gesunken. Gleichzeitig steigt die saisonale Nachfrage, insbesondere aus China. Experten rechnen damit, dass die Ölpreise – Brent stieg zuletzt um über drei Prozent auf über 90 US-Dollar – auch im Jahr 2026 über der 80-Dollar-Marke bleiben könnten. Auch das Gasfeld South Pars, das ein Drittel der weltweiten Reserven enthält, steht durch wiederholte Angriffe unter Druck. Die Produktion deckt aufgrund von Sanktionen primär den Inlandsbedarf.
Kanadischer Dollar unter Druck
Der kanadische Dollar, auch „Loonie“ genannt, konnte sich zwar von seinem niedrigsten Stand seit Mitte August (1,3911 gegenüber dem US-Dollar) auf zuletzt 1,389 erholen. Gestützt wird diese Entwicklung durch steigende Ölpreise und Hedging-Aktivitäten zum Monatsende. Dennoch bleibt das Aufwärtspotenzial begrenzt. Die kanadische Wirtschaft steht unter dem Druck neuer US-Zölle in Höhe von 50 Prozent auf Importe im Wert von 20 Milliarden US-Dollar. Das annualisierte Wachstum im zweiten Quartal lag bei soliden 3,3 Prozent.
Zusätzlich stützt die Erwartung einer weiteren Zinsstraffung durch die US-Notenbank (Fed) den US-Dollar. Fed-Vertreter wie Kevin Warsh fordern eine restriktive Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung. Investoren blicken nun gespannt auf die anstehende Zinsentscheidung der Bank of Canada sowie auf kommende US-Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten, die den weiteren geldpolitischen Kurs maßgeblich beeinflussen werden.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung von besonderem Interesse, da steigende Ölpreise direkte Auswirkungen auf die Energieimportkosten und die Inflation in Europa haben. Zudem sind viele deutsche Unternehmen im Nahen Osten engagiert und könnten von einer weiteren Eskalation negativ betroffen sein. Die Kombination aus geopolitischen Risiken und geldpolitischen Unsicherheiten dürfte die Märkte in den kommenden Wochen in Atem halten.
