Gebrauchte E-Autos gefragt: Warum der Tankrabatt kaum hilft
Der September war der teuerste Tankmonat seit Aufzeichnungsbeginn – doch auf dem Gebrauchtwagenmarkt gewinnen Stromer weiter an Boden.

Der September geht als teuerster Tankmonat seit Beginn der Aufzeichnungen in die Statistik ein. Nach einer Auswertung von ADAC-Daten durch die dpa lagen die Preise für E10 bei rund 2,27 Euro je Liter, für Diesel bei etwa 2,38 bis 2,39 Euro. Die bisherigen Bestmarken des Automobilclubs datieren aus dem August und dem April und betrugen 2,145 Euro für E10 sowie 2,263 Euro für Diesel. Selbst am Monatsletzten, als an manchen Stationen Sprit verschenkt wurde, blieb der Rekord bestehen.
Trotz dieser Belastung für die Autofahrer kommen auf deutschen Straßen mehr Fahrzeuge hinzu. Im August wurden über 212.000 Pkw neu zugelassen, ein Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr summierten sich die Neuzulassungen auf über 1,48 Millionen Fahrzeuge – fast 6 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2025.
Stromer treiben das Wachstum
Den kräftigsten Antrieb liefern dabei die reinen Stromer. Im August wurden fast 69.000 batterieelektrische Pkw neu zugelassen, ein Zuwachs von 75,1 Prozent. Dieser Trend erreicht zunehmend auch den Gebrauchtwagenmarkt. In der ersten Jahreshälfte 2026 wurden 4,27 Millionen Pkw umgeschrieben, nach über 4,3 Millionen im Vergleichszeitraum 2025. Auffällig ist die Verschiebung im Antriebsmix: Die Zahl der gebrauchten Stromer stieg von gut 144.000 auf gut 230.000, während die Hybride im Vorjahr mit gut 480.000 Besitzumschreibungen noch deutlich vor den reinen E-Autos lagen.
Für Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung hat sich dieser Markt grundlegend gewandelt. Der Gebrauchtwagenmarkt für Stromer habe sich "vom Nischensegment zu einem etablierten Markt mit wachsendem Angebot, transparenten Preisen und verlässlichen Qualitätsstandards entwickelt", so der Experte. Damit rückt das Elektroauto für Käufer aus der Nische in den breiten Alltag.
Restwerte und Standzeiten sprechen für Stromer
Auch die wirtschaftlichen Kennzahlen stützen diese Entwicklung. Zwischen Mai und August legten die Restwerte dreijähriger Stromer um 1,4 Prozentpunkte zu. Benziner verloren dagegen 0,4 Punkte, Diesel 1,1 Punkte. Noch deutlicher zeigt sich die Verschiebung bei den Standzeiten beim Händler: Diesel stehen im Schnitt 92 Tage, Benziner 84 Tage, Stromer nur 74 Tage.
"Mittlerweile sind die Standzeiten beim E-Auto am geringsten", sagt Burkhard Weller von der Weller-Gruppe. Der Unternehmer erwartet, dass sich der Trend fortsetzt und weiter anzieht. Als nächste Käufergruppe dürften aus seiner Sicht die Hybrid-Fahrer zum reinen Elektroauto wechseln.
Warum der Tankrabatt kaum bremst
Ab Oktober entlastet ein neuer Tankrabatt die Autofahrer um 16,7 Cent je Liter. Eine Pflicht, diese Senkung an der Zapfsäule vollständig weiterzugeben, gibt es allerdings nicht – Bund und Länder haben sich auf diesen Rahmen verständigt. Weller rechnet nicht damit, dass der Rabatt die Nachfrage nach Stromern dämpfen wird. Da die Weitergabe nicht verpflichtend ist, bleibt der Effekt auf den Wettbewerb zwischen den Antriebsarten ohnehin begrenzt.
Für Käufer und Beobachter des Marktes dürften deshalb strukturelle Faktoren entscheidend bleiben: die Ladeinfrastruktur, die Ladezeiten und die Fahrzeugmodelle selbst. Sie prägen die Nachfrage langfristig stärker als kurzfristige Ausschläge an der Zapfsäule.
Wer sich für einen gebrauchten Stromer interessiert, sollte den Angaben zufolge vor allem auf das wachsende Angebot, transparente Preise und verlässliche Qualitätsstandards achten. Genau diese Punkte gelten laut Plötz als Merkmale des inzwischen etablierten Marktes. Die Kombination aus stabilen bis steigenden Restwerten und kurzen Standzeiten macht gebrauchte Elektroautos für Händler derzeit attraktiver als viele Verbrenner.
