Fresenius sichert sich bis zu 37 Biosimilar-Kandidaten von WuXi Biologics
Der Dax-Konzern baut sein Biopharma-Geschäft aus und erhält exklusiven Zugang zu bis zu 37 Biosimilar-Kandidaten.

Der Gesundheitskonzern Fresenius weitet sein Geschäft mit Nachahmer-Biotechmedikamenten deutlich aus. Wie das im Dax notierte Unternehmen aus Bad Homburg mitteilte, hat es eine Entwicklungsvereinbarung mit dem chinesischen Auftragsforscher WuXi Biologics geschlossen. Sie sichert Fresenius exklusiven Zugang zu bis zu 37 Biosimilar-Kandidaten.
Damit wächst das Biosimilar-Portfolio des Konzerns von heute 29 vermarkteten und in der Pipeline befindlichen Molekülen auf bis zu 66 Moleküle im kommenden Jahrzehnt. Nach eigenen Angaben handelt es sich um den größten Branchenvertrag dieser Art. Die Börse reagierte positiv: Die Fresenius-Aktie legte am Vormittag rund drei Prozent zu und erreichte mit 49,23 Euro den höchsten Stand seit Anfang März. Seit dem Jahreswechsel steht ein kleines Kursplus zu Buche.
Biosimilars sind Nachahmerpräparate biotechnologischer Arzneimittel, die nach dem Ablauf von Patenten auf den Markt kommen dürfen. Sie gelten als Mittel, um Gesundheitskosten zu senken. Für Fresenius zählen sie zu den Wachstumstreibern.
Fresenius behält die weltweiten Vermarktungsrechte an allen Kandidaten
Das Modell unterscheidet sich von einer klassischen Einlizenzierung. Fresenius zahlt keine hohe Vorabsumme, sondern vergütet WuXi Biologics für die Entwicklung. Die Zahlungen richten sich nach dem Fortschritt der einzelnen Entwicklungsprogramme. Zudem entscheidet Fresenius selbst, welche und wie viele Biosimilar-Kandidaten entwickelt werden. Die weltweiten Vermarktungsrechte bleiben beim Konzern.
"Mit der heute geschlossenen Vereinbarung stärken wir unser Engagement im Biopharma-Geschäft und sichern uns Entwicklungskapazitäten in einem Markt, in dem Geschwindigkeit und Größe entscheidend sind", sagte Unternehmenschef Michael Sen. In einer Onlinekonferenz mit Journalisten erläuterte er das Zahlungsmodell. Nach seinen Worten entscheidet Fresenius selbst, welche und wie viele Biosimilar-Kandidaten entwickelt werden.
Die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen werden durch die Vereinbarung steigen und die Profitabilität in der Entwicklungsphase belasten. Erste vermarktbare Moleküle erwartet Fresenius erst Anfang der 30er Jahre. Die Vereinbarung ergänzt die eigene Forschung, bestehende Kooperationen und Einlizenzierungen.
Ziel des Ausbaus ist es, die Abhängigkeit von Dialyse- und Klinikgeschäft zu verringern. Der Markt für Biosimilars gilt als umkämpft; entscheidend ist, wie schnell ein Anbieter Zulassungen erhält.
Fresenius hatte im August seine Gewinnprognose deutlich angehoben
Bereits am 05.08.2026 berichtete aktien.news, dass Fresenius nach einem überraschend starken zweiten Quartal seine Gewinnprognose deutlich angehoben hat. Die Aktie legte damals um knapp sechs Prozent zu und führte die Dax-Rangliste an. Das währungsbereinigte Kern-Ergebnis je Aktie sollte im Jahr 2026 um zehn bis 15 Prozent zulegen, nachdem der Vorstand zuvor lediglich ein Plus von fünf bis zehn Prozent in Aussicht gestellt hatte. Das Umsatzziel ließ der Vorstand unverändert bei einem organischen Wachstum von vier bis sieben Prozent.
Am selben Tag meldete aktien.news weitere Details zum Quartal. Der Konzernumsatz wuchs organisch um sechs Prozent auf 5,864 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) vor Sondereinflüssen legte währungsbereinigt um zehn Prozent auf 719 Millionen Euro zu. Die EBIT-Marge verbesserte sich um 60 Basispunkte auf 12,3 Prozent.
Auch im Umfeld der Branche gab es zuletzt Bewegung. Am 17.08.2026 berichtete aktien.news über eine strategische Zusammenarbeit zwischen Shanghai Henlius Biotech und Sandoz, einem der weltweit führenden Generika-Hersteller. Sandoz erhielt Exklusivrechte für die Zulassung und Vermarktung von bis zu zehn Partner-Assets außerhalb Chinas, in bedeutenden Krankheitsbereichen wie Onkologie, Autoimmunerkrankungen und Augenkrankheiten.
Bereits am 16.05.2026 hatte aktien.news über eine Partnerschaft von Bristol Myers Squibb mit dem chinesischen Arzneimittelhersteller Hengrui Pharma berichtet. Beide Unternehmen wollten rund ein Dutzend Medikamente gemeinsam entwickeln, darunter vier von Bristol entdeckte Wirkstoffe für klinische Frühphasenstudien in China. Auffällig war der gegenseitige Charakter dieses Deals.
Die Vereinbarung kostet zunächst Geld und liefert erst später Erträge
Für Privatanleger ist wichtig, dass die Vereinbarung kurzfristig keine Erträge bringt, sondern zunächst Kosten verursacht. Die F&E-Aufwendungen steigen und belasten die Profitabilität in der Entwicklungsphase. Erste vermarktbare Moleküle werden erst Anfang der 30er Jahre erwartet. Der Erfolg hängt davon ab, wie schnell Fresenius Zulassungen erhält, denn der Markt ist umkämpft.
Positiv ist, dass Fresenius keine hohe Vorabzahlung leistet und die Zahlungen an den Fortschritt der Programme gekoppelt sind. Das begrenzt das finanzielle Risiko in der Frühphase. Zudem behält der Konzern die weltweiten Vermarktungsrechte und entscheidet selbst über Zahl und Auswahl der Kandidaten.
Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment, ordnet die Bedeutung ein: "Fresenius verstärkt damit seine Biosimilar-Pipeline und positioniert sich ab 2030 neben Sandoz als einer der führenden Biosimilar-Anbieter."
Als Basis für das Biopharma-Wachstum gilt die vollständige Übernahme von mAbxience. Fresenius zahlt dafür bis zu 750 Millionen Euro für die restlichen 45 Prozent. Die Zielvorgabe für Biopharma hatte der Konzern im Dezember ausgegeben: Der Umsatz soll 2030 doppelt so hoch liegen wie 2025, die Ebit-Marge rund 20 Prozent erreichen.
Fresenius will das Biopharma-Wachstum weit über 2030 hinaus fortsetzen
Die ersten vermarktbaren Moleküle aus der neuen Vereinbarung werden Anfang der 30er Jahre erwartet. Investoren rechnen mit einem goldenen Jahrzehnt bei Biosimilars ab 2028, wenn die Patente vieler Biotech-Medikamente auslaufen. Ob Fresenius davon profitiert, hängt maßgeblich von der Zulassungsgeschwindigkeit ab. Der Konzern will das Biopharma-Wachstum weit über 2030 hinaus fortsetzen.
- Biosimilar: Nachahmerpräparat eines biotechnologisch hergestellten Arzneimittels, das nach Ablauf des Patents zugelassen werden kann.
- Einlizenzierung: Erwerb von Nutzungsrechten an einem Wirkstoff oder Produkt eines anderen Unternehmens.
- Ebit-Marge: Verhältnis des operativen Ergebnisses vor Zinsen und Steuern zum Umsatz.
