Fresenius sichert sich Zugriff auf bis zu 37 Biosimilar-Kandidaten
Der Gesundheitskonzern schließt die nach eigenen Angaben größte Entwicklungsvereinbarung der Biosimilars-Branche mit WuXi Biologics ab.

Der Gesundheitskonzern Fresenius SE & Co. KGaA hat am Montag eine exklusive Entwicklungsvereinbarung mit WuXi Biologics abgeschlossen. Die Vereinbarung gewährt Fresenius exklusive Optionsrechte auf bis zu 37 potenzielle Biosimilar-Kandidaten im Laufe der nächsten zehn Jahre. Mit dem Deal will der Konzern aus Bad Homburg seine Pipeline für Biosimilars deutlich erweitern.
Das Portfolio von Fresenius umfasst derzeit 29 vermarktete und in der Entwicklung befindliche Moleküle. Durch die Vereinbarung soll diese Zahl auf bis zu 66 Moleküle ausgeweitet werden. Nach Angaben des Unternehmens deckt das damit abgedeckte Portfolio Originator-Verkäufe in Höhe von mehr als 370 Milliarden Euro ab.
Fresenius bezeichnet die Vereinbarung als die größte Entwicklungsvereinbarung, die bisher in der Biosimilars-Branche angekündigt wurde. Der Konzern hatte erst im August 2026 seine Gewinnprognose für das laufende Jahr deutlich angehoben, die Aktie legte damals kräftig zu. Nun folgt der nächste strategische Schritt im Biopharma-Geschäft.
Fresenius vergütet WuXi Biologics auf Fee-for-Service-Basis
Gemäß den Konditionen der Vereinbarung vergütet Fresenius WuXi Biologics für jeden Biosimilar-Kandidaten, der zur Entwicklung ausgewählt wird, auf einer Fee-for-Service-Basis. Fresenius wird die exklusiven globalen Vertriebsrechte halten, einschließlich der Marktzulassungen. Zudem behält das Unternehmen die volle wirtschaftliche Beteiligung an jedem vermarkteten Produkt.
Die Vereinbarung wird aus dem operativen Cashflow finanziert und erfordert keine neuen Finanzierungen. Damit bleibt der Konzern nach eigener Darstellung unabhängig von zusätzlicher Fremdfinanzierung. Fresenius betonte, dass die Vereinbarung additiv sei und Wachstumschancen über das Jahr 2030 hinaus verlängere.
Das neue Portfolio umfasst 13 therapeutische Bereiche
Das Portfolio der nächsten Generation wird 13 therapeutische Bereiche umfassen. Dazu zählen Neurologie, Nephrologie, kardiopulmonale Erkrankungen, Onkologie, Immunologie und Gastroenterologie. Das Portfolio wird mehrere biologische Technologien abdecken, darunter monoklonale und bispezifische Antikörper, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) sowie Fusionsproteine.
Die initiale Entwicklung wird sich voraussichtlich auf zwei Kandidaten konzentrieren. Zum einen auf Polatuzumab Vedotin, ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat zur Behandlung des diffus großen B-Zell-Lymphoms. Zum anderen auf Teprotumumab, einen monoklonalen Antikörper zur Behandlung der Thyroid Eye Disease.
Fresenius wird die langfristige Produktionsstrategie für jeden Kandidaten festlegen. Dabei besteht die Option, das mAbxience-Netzwerk zu nutzen, das im Oktober 2026 vollständig übernommen wurde. Damit behält der Konzern die Entscheidung über die Fertigung in eigener Hand.
Michael Sen sieht einen disziplinierten Weg zur Portfolioverdreifachung
Michael Sen, Chief Executive Officer von Fresenius, erklärte, die Vereinbarung biete „einen disziplinierten, skalierbaren Weg, unser Portfolio potenziell zu verdreifachen, während wir die wirtschaftliche ownership, strategische Kontrolle und die Flexibilität behalten, Kapital den attraktivsten Chancen zuzuordnen." Das Zitat macht deutlich, dass Fresenius bewusst auf eigene Vertriebsrechte und wirtschaftliche Beteiligung setzt, statt Kandidaten vollständig zu erwerben.
Fresenius bestätigt seine Biopharma-Ziele für 2030
Fresenius hat seine Volljahresprognose für 2026 beibehalten. Zugleich bestätigte das Unternehmen seine im Dezember 2025 bekannt gegebene Biopharma-Zielsetzung für 2030. Danach sollen sich die Biopharma-Umsätze im Vergleich zu 2025 etwa verdoppeln, bei einer EBIT-Marge von rund 20 Prozent.
Bereits am 05.08.2026 berichtete aktien.news über eine deutliche Anhebung der Gewinnprognose
Bereits am 05.08.2026 berichtete aktien.news, dass Fresenius nach einem überraschend starken zweiten Quartal seine Gewinnprognose deutlich angehoben hat. Das währungsbereinigte Kern-Ergebnis je Aktie sollte im Jahr 2026 nun um zehn bis 15 Prozent zulegen, bislang hatte das Unternehmen lediglich ein Plus von fünf bis zehn Prozent in Aussicht gestellt. Das Umsatzziel ließ der Vorstand unverändert bei einem organischen Wachstum von vier bis sieben Prozent, im zweiten Quartal wuchs der Konzernumsatz organisch um sechs Prozent. Die Aktie legte am Mittwoch um knapp sechs Prozent zu und führte damit die Dax-Rangliste an.
Auch andere Kooperationen der Branche sorgten zuletzt für Aufmerksamkeit. Am 30.05.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien von Innovent Biologics nach einer weitreichenden Kooperationsvereinbarung mit dem US-Pharmariesen Pfizer zur gemeinsamen Entwicklung von Krebsmedikamenten um rund zehn Prozent zulegten. Das Abkommen umfasste Lizenzierungs-, Co-Entwicklungs- und Co-Vermarktungsmöglichkeiten für ein breit aufgestelltes Portfolio an Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten. Am 17.08.2026 meldete aktien.news, dass die Aktie von Shanghai Henlius Biotech nach der Bekanntgabe einer strategischen Zusammenarbeit mit Sandoz um 1,2 Prozent auf 68,10 Hongkong-Dollar zulegte; Sandoz erhielt dabei Exklusivrechte für die Zulassung und Vermarktung von bis zu zehn Partner-Assets außerhalb Chinas. Am 01.10.2026 berichtete aktien.news, dass Sanofi seine Partnerschaft mit Regeneron ausbaut und eine Milliarde US-Dollar im Voraus sowie bis zu sieben Milliarden Dollar in zusätzlichen Zahlungen für vier neue langwirksame Medikamente gegen entzündliche Erkrankungen zahlt.
Die Vereinbarung stärkt die Pipeline, ohne die Bilanz zu belasten
Für deutsche Privatanleger ist vor allem die Kombination aus Wachstumsfantasie und finanzieller Disziplin relevant. Fresenius erweitert sein Biosimilars-Portfolio potenziell von 29 auf bis zu 66 Moleküle, ohne dafür neue Finanzierungen aufnehmen zu müssen. Die Vergütung von WuXi Biologics erfolgt erst dann, wenn ein Kandidat tatsächlich zur Entwicklung ausgewählt wird, was das finanzielle Risiko auf der Ebene der Vorleistungen begrenzt.
Zugleich bleibt Fresenius Eigentümer der Vertriebsrechte und der Marktzulassungen. Das Unternehmen partizipiert damit voll an den Erlösen vermarkteter Produkte, statt lediglich als Lizenznehmer aufzutreten. Ob sich die Erwartungen erfüllen, hängt davon ab, wie viele der bis zu 37 Kandidaten tatsächlich entwickelt und zugelassen werden. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Die nächsten Schritte reichen bis über das Jahr 2030 hinaus
Die Optionsrechte von Fresenius erstrecken sich über die nächsten zehn Jahre. Die initiale Entwicklung konzentriert sich auf Polatuzumab Vedotin und Teprotumumab. Das Unternehmen hat seine Volljahresprognose für 2026 beibehalten und die Biopharma-Zielsetzung für 2030 bestätigt, wonach sich die Biopharma-Umsätze gegenüber 2025 etwa verdoppeln sollen. Fresenius betont, dass die Vereinbarung additiv wirkt und Wachstumschancen über das Jahr 2030 hinaus verlängert.
Drei Fachbegriffe erleichtern das Verständnis der Vereinbarung
- Biosimilar: ein biologisches Nachfolgeprodukt, das einem bereits zugelassenen biologischen Arzneimittel nach Ablauf von Schutzrechten nachfolgt.
- Antikörper-Wirkstoff-Konjugat: ein Wirkstoff, bei dem ein Antikörper zielgerichtet eine zytotoxische Substanz an kranke Zellen transportiert.
- Fee-for-Service: ein Vergütungsmodell, bei dem ein Dienstleister für jede erbrachte Leistung einzeln bezahlt wird.
