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Französische Anleiherisiken belasten Europa: Was Anleger jetzt wissen müssen

OAT-Bund-Spreads auf höchstem Stand seit 2011 – Bank of America stuft französische Aktien dennoch auf „Overweight" hoch.

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Französische Anleiherisiken belasten Europa: Was Anleger jetzt wissen müssen

Die Renditeaufschläge französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen haben ein alarmierendes Niveau erreicht. Mit einem Anstieg auf 140 Basispunkte notieren die sogenannten OAT-Bund-Spreads auf dem höchsten Stand seit der Euro-Schuldenkrise 2011/12. Hinter dieser Entwicklung stecken sowohl die politische Unsicherheit in Frankreich als auch der globale Anstieg der Anleiherenditen.

Für deutsche Privatanleger ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen relevant: Steigende Spreads signalisieren, dass die Märkte Frankreich als riskanter einschätzen als Deutschland. Je höher der Aufschlag, desto teurer wird es für den französischen Staat, sich zu refinanzieren – mit potenziellen Folgen für die gesamte Eurozone.

Bank of America: Differenzierter Blick auf Europa

Die Bank of America (BofA) bewertet die Lage differenziert. Für den breiteren europäischen Aktienmarkt bleibt die US-Großbank bärisch eingestellt und prognostiziert für den STOXX 600 bis zum zweiten Quartal 2027 einen Rückgang auf 580 Punkte. Gleichzeitig hat die BofA ihre Einschätzung für französische Aktien von „Marketweight" auf „Overweight" angehoben – eine auf den ersten Blick überraschende Entscheidung.

Die Begründung der Analysten: Die fiskalischen Risiken Frankreichs seien bereits weitgehend in den aktuellen Bewertungen eingepreist. Die BofA erwartet, dass der OAT-Bund-Spread in einer Spanne zwischen 100 und 150 Basispunkten verharren wird. Sollte der Aufschlag jedoch das obere Ende dieser Bandbreite erreichen, könnten politische Sicherheitsnetze notwendig werden – konkret nennt die Bank mögliche Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Trotz der skeptischen Grundhaltung gegenüber dem KI-getriebenen Investitionsboom hat die BofA ihre Gesamteinschätzung für europäische Aktien im Vergleich zu globalen Werten von „Underweight" auf „neutral" angehoben. Das kurzfristige Abwärtspotenzial erscheine begrenzt. Software-Aktien wurden hingegen aufgrund ihrer starken Outperformance seit dem Sommer auf „Marketweight" herabgestuft.

EZB-Geldpolitik im Fokus

Ein zentrales Thema in der aktuellen Debatte ist die Frage, ob der Stress bei französischen Staatsanleihen die Geldpolitik der EZB beeinflussen könnte. Die Einschätzung lautet: Der anhaltende Druck auf die Staatsfinanzen könnte die EZB daran hindern, so aggressiv zu agieren, wie es die Märkte derzeit einpreisen. In diesem Umfeld wird eine Strategie favorisiert, die auf eine weniger restriktive Zinspolitik der EZB setzt – kombiniert mit einer Short-Positionierung beim Euro gegenüber einem Korb von G10-Währungen.

Die Resilienz europäischer Aktien gegenüber den französischen Fiskalsorgen erklärt die BofA primär mit der Entwicklung der US-Realzinsen. Diese seien hauptverantwortlich für den jüngsten Rückgang des STOXX 600 um rund 5 Prozent – nicht die Lage in Frankreich allein.

Belgien und Schwellenländer im Blick

Neben Frankreich identifiziert die BofA Belgien als weiteres potenziell anfälliges Land innerhalb der Eurozone. Die Risiken werden insgesamt jedoch als geringer eingestuft als während der vorangegangenen Schuldenkrise – ein wichtiger Unterschied zur Situation von 2011/12.

Während die Unsicherheit rund um die französischen Wahlen anhält, richten Marktteilnehmer ihren Blick auch auf saisonale Faktoren. Für US-Aktien wird in den Monaten November und Dezember eine unterstützende Phase erwartet, weshalb Long-Positionen in den USA beibehalten werden. Darüber hinaus gewinnen Schwellenländer an Attraktivität: Brasilianische Aktien und Staatsanleihen (NTNF 2031) wurden aufgrund eines als bullisch bewerteten Wahlausgangs und der Aussicht auf sinkende Zinsen in das Portfolio aufgenommen.

Für Anleger ergibt sich damit ein komplexes Bild: Europäische Risiken bestehen fort, doch selektive Chancen – sowohl in Frankreich als auch in Schwellenländern – rücken in den Vordergrund.

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