Ford-Aktie unter 15 Dollar: Warum Anleger die Bremsen ziehen sollten
Ford-Aktien notieren günstig, doch eine 6-Prozent-Rendite über fünf Jahre und eine Milliardenbelastung im EV-Geschäft sprechen gegen einen Einstieg.

Die Aktie von Ford Motor Company steht unter 15 US-Dollar und wirkt auf den ersten Blick wie ein Schnäppchen. Doch die Bilanz der vergangenen Jahre fällt ernüchternd aus: Über die vergangenen fünf Jahre hat das Papier eine Gesamtrendite von lediglich 6 Prozent erwirtschaftet. Für Anleger, die auf Kursgewinne und Dividenden setzen, ist das eine magere Ausbeute.
Der US-Autobauer kämpft mit den Folgen einer kostspieligen Elektroauto-Strategie. Im vergangenen Dezember kündigte das Unternehmen eine EV-bezogene Restrukturierungsbelastung in Höhe von 19,5 Milliarden Dollar an. Dieser Betrag entspricht 40 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung von Ford – eine gewaltige Last für ein Unternehmen, dessen Aktie ohnehin seit Jahren kaum vom Fleck kommt.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der erwarteten Gewinne liegt bei 7. Ein solch niedriger Wert gilt an der Börse traditionell als Signal für eine unterbewertete Aktie. Doch wie die US-Finanzseite The Motley Fool betont, bedeutet ein niedriges KGV nicht automatisch, dass Ford ein attraktiver Wertpapierwert ist.
Die Details
Die zentrale Zahl ist die Restrukturierungsbelastung von 19,5 Milliarden Dollar, die Ford im vergangenen Dezember angekündigt hat. Sie betrifft das Elektroauto-Geschäft und entspricht 40 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung. Zum Vergleich: Die gesamte Gesamtrendite der Aktie über fünf Jahre summiert sich auf nur 6 Prozent.
Hinzu kommt die Struktur der Branche. Der Massenmarkt für Automobile ist hart umkämpft. Das zwingt Ford zu erheblichen laufenden Kapitalausgaben, die kein nennenswertes Gewinnwachstum generieren. Mit anderen Worten: Das Unternehmen muss viel Geld investieren, ohne dass dabei entsprechend mehr Gewinn herausspringt.
Trotz dieser Belastungen notiert die Aktie mit einem KGV von 7 auf Basis der erwarteten Gewinne. The Motley Fool zieht daraus den Schluss, dass Anleger die Bremsen ziehen sollten – der niedrige Bewertungsmultiplikator allein mache Ford noch nicht zu einem attraktiven Investment.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Zahlen stehen am Ende eines schwierigen Jahres für Ford. Bereits am 30.01.2026 berichtete aktien.news, dass Ford im vierten Quartal 2025 Vorsteuerbelastungen in Höhe von 600 Millionen US-Dollar verkraften musste. Der Grund waren Anpassungen der Pensionspläne und anderer Leistungen nach der Pensionierung. Nach Steuern minderte dies den Nettogewinn um etwa 500 Millionen Dollar. Ford betonte damals, dass die Anpassungen keine Auswirkungen auf die bereinigten Ergebnisse oder die Liquidität haben würden und die Altersversorgungspläne vollständig gedeckt blieben.
Am 11.02.2026 folgte dann die Bilanz des vierten Quartals 2025. Wie aktien.news an diesem Tag berichtete, verbuchte Ford einen Nettoverlust von 11,1 Milliarden Dollar. Hauptursache waren erhebliche Abschreibungen auf die Elektrofahrzeug-Sparte, die das Unternehmen bereits im Vorfeld angekündigt hatte. Der Umsatz sank zeitgleich um fünf Prozent auf 45,9 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal hatte Ford noch 1,8 Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaftet.
Ebenfalls am 11.02.2026 meldete aktien.news, dass der bereinigte Gewinn pro Aktie bei lediglich 13 Cent lag und damit die Erwartungen der Wall-Street-Analysten von 19 Cent deutlich verfehlte. Im regulären Handel hatte die Ford-Aktie bei 13,57 US-Dollar geschlossen, was einem leichten Tagesverlust von 0,15 Prozent entsprach. Bemerkenswert: Trotz des Milliardenverlusts notierte die Aktie im nachbörslichen Handel nahezu unverändert.
Ein weiterer Bericht vom 11.02.2026 ordnete das Ergebnis als höchsten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte ein. Neben der Abschreibung belastete eine unerwartete Zollbelastung von 900 Millionen Dollar das Ergebnis. Die US-Behörden hatten Ford im Dezember mitgeteilt, dass ein im Oktober angekündigtes Zollentlastungsprogramm lediglich rückwirkend bis November gelten würde. Das Unternehmen hatte jedoch mit einer Gültigkeit bis Mai gerechnet – diese Entscheidung verdoppelte die erwarteten Zollzahlungen. Zusätzlich belasteten ein Brand bei einem wichtigen Aluminium-Zulieferer sowie die von US-Präsident Donald Trump verhängten Importzölle das Quartalsergebnis.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die über ein Depot in US-Aktien nachdenken, liefert Ford ein lehrreiches Beispiel dafür, warum ein niedriges KGV kein Kaufargument sein muss. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7 klingt günstig, doch es basiert auf erwarteten Gewinnen – und diese Erwartungen können sich schnell ändern, wie die jüngsten Quartalszahlen zeigen.
Entscheidend ist die Kombination aus schwacher Rendite und hohem Kapitalbedarf. Eine Gesamtrendite von 6 Prozent über fünf Jahre bedeutet, dass Anleger über einen langen Zeitraum kaum etwas verdient haben. Gleichzeitig zwingt der harte Wettbewerb im Massenmarkt Ford zu laufenden Investitionen, die kein nennenswertes Gewinnwachstum erzeugen. Das Geld fließt also in das Geschäft, ohne dass es sich in steigenden Erträgen niederschlägt.
Hinzu kommen Sonderbelastungen, die das Ergebnis verzerren: die 19,5 Milliarden Dollar schwere EV-Restrukturierung, Pensionskosten, Zölle und ein Zuliefererbrand. Solche Einmaleffekte erschweren es, die tatsächliche Ertragskraft des Unternehmens einzuschätzen. Anleger sollten daher genau prüfen, ob der niedrige Bewertungsmultiplikator die strukturellen Risiken ausgleicht. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Konkrete Termine oder Prognosen für die kommenden Quartale nennt der Quelltext nicht. Klar ist jedoch, dass die im vergangenen Dezember angekündigte Restrukturierungsbelastung von 19,5 Milliarden Dollar das Unternehmen weiterhin beschäftigen wird. Ebenso bleibt der harte Wettbewerb im Massenmarkt bestehen, der Ford zu erheblichen laufenden Kapitalausgaben zwingt. Ob und wann diese Investitionen in nennenswertes Gewinnwachstum münden, ist offen.
Kurz erklärt
- Gesamtrendite: Die gesamte Wertentwicklung einer Aktie einschließlich Kursgewinnen und Dividenden über einen bestimmten Zeitraum.
- KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis): Kennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt und so die Bewertung eines Unternehmens anzeigt.
- Restrukturierungsbelastung: Einmalige Kosten, die durch den Umbau oder die Neuausrichtung eines Geschäftsbereichs entstehen.
