Figma-Aktie fällt 7 Prozent trotz starker Quartalszahlen und KI-Fokus
Der Designsoftware-Anbieter übertrifft die Erwartungen und hebt die Jahresprognose an – doch die Aktie gibt nachbörslich nach.

Die Aktie des Designsoftware-Anbieters Figma ist im erweiterten Handel um 7 Prozent gefallen. Auslöser war die Veröffentlichung der Ergebnisse und der Guidance für das dritte Quartal, die beide über den Erwartungen der Wall Street lagen. Der Markt reagierte damit anders, als es die reinen Zahlen nahelegen würden: Das Unternehmen übertraf die Konsensschätzungen, die Aktie gab dennoch nach.
Der Umsatz von Figma stieg im Quartal um etwa 43 Prozent im Jahresvergleich, wie das Unternehmen in einer Erklärung mitteilte. Der Nettoverlust schrumpfte auf 81,3 Millionen Dollar beziehungsweise 15 Cent je Aktie. Im Vorjahreszeitraum hatte der Verlust noch 1,10 Milliarden Dollar oder 2,72 Dollar je Aktie betragen.
Die bereinigte operative Marge des Unternehmens lag bei 12 Prozent und damit deutlich über dem Konsens von 6,1 Prozent, den die von StreetAccount befragten Analysten erwartet hatten. Die Führungskräfte hoben zugleich die Prognose für das Gesamtjahr an.
Figma hebt die Jahresprognose für Umsatz und operative Marge an
Für das Gesamtjahr erwartet Figma nun eine operative Marge von 11 Prozent, nach 9 Prozent im August. Beim Umsatz rechnet das Unternehmen mit Erlösen zwischen 1,497 Milliarden und 1,499 Milliarden Dollar. Zuvor hatte die Prognose bei 1,463 Milliarden bis 1,467 Milliarden Dollar gelegen. Die von LSEG befragten Analysten hatten für 2026 einen Umsatz von 1,471 Milliarden Dollar erwartet.
Für das vierte Quartal stellt Figma eine Verlangsamung des Wachstums in Aussicht. Das Unternehmen rechnet damit, dass das Umsatzwachstum auf etwa 33 Prozent zurückgeht. Die von LSEG befragten Analysten hatten lediglich ein Wachstum von 28 Prozent prognostiziert. Die Prognose liegt damit auch für das Schlussquartal über den Markterwartungen.
Die Aktie hat im Jahr 2026 rund 41 Prozent verloren
Die Zahlen fielen in eine Phase, in der die Aktie bereits erheblich unter Druck stand. Im Jahr 2026 ist der Kurs bisher um etwa 41 Prozent gefallen, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum um 12 Prozent zulegen konnte. Die Ankündigung von Figma erfolgte zudem nur einen Tag, nachdem das hoch bewertete Design-Software-Startup Canva mitgeteilt hatte, 22 Prozent seiner Mitarbeiter zu entlassen.
Zu Beginn des Jahres hatten Investoren befürchtet, dass Modelle der künstlichen Intelligenz ein Wettbewerbsrisiko für Figma darstellen könnten. In weiten Teilen der Softwarebranche hat die KI-Panik jedoch weitgehend nachgelassen, da etablierte Anbieter weiterhin beständiges Wachstum verzeichnen.
Figma will von der steigenden Akzeptanz von KI profitieren
Figma will die wachsende Verbreitung von KI nutzen, um Websites und Apps zu erstellen. Im Laufe des Quartals begann das Unternehmen, Kunden mehr KI-Guthaben zu gewähren, während die Preise unverändert blieben. Die Zahl der wöchentlichen Nutzer, die in Organisationen arbeiten, die mehr als 10.000 Dollar für Figma ausgeben und KI-Guthaben nutzen, ist im Quartal um fast 50 Prozent gestiegen.
Der Anteil der Arbeiten, die vom eigenen KI-Modell des Unternehmens ausgeführt werden, hat sich verdoppelt. Gleichzeitig ist die Rate der Rückgängig-Machungen von KI-generierten Arbeiten gesunken. Beide Angaben deuten nach Darstellung des Unternehmens darauf hin, dass die eigenen KI-Funktionen zunehmend zuverlässiger arbeiten.
Figma richtet seinen Fokus verstärkt auf Cybersicherheit
Ein wachsender Schwerpunkt liegt auf der Cybersicherheit, wie Dylan Field, Mitgründer und CEO von Figma, sagte. In den letzten Monaten seien KI-Agenten in Systeme bei Hugging Face und anderen Unternehmen eingedrungen. Kunden verlangen laut Field nicht, dass Figma zu einem Sicherheitsanbieter wird. Das Unternehmen müsse jedoch „die Sicherheit aller unserer Lieferanten genau unter die Lupe nehmen“, so der CEO.
Bereits im Februar hatte Figma seine Umsatzprognose deutlich angehoben
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Reihe von Meldungen zu Figma. Bereits am 19.02.2026 berichtete aktien.news, dass der Design-Software-Anbieter seine Umsatzprognose für 2026 deutlich angehoben hatte. Das Unternehmen rechnete damals mit Erlösen zwischen 1,36 und 1,37 Milliarden Dollar, während Experten lediglich 1,29 Milliarden Dollar erwartet hatten. Der Optimismus basierte auf der erfolgreichen Integration künstlicher Intelligenz in die Plattform.
Am 28.05.2026 meldete aktien.news, dass die Figma-Aktie im Vormittagshandel um 5,4 Prozent zulegte. Auslöser war ein öffentlicher Brief des aktivistischen Hedgefonds Findell Capital Management an den CEO und den Vorstand, in dem tiefgreifende operative und strukturelle Veränderungen gefordert wurden. Der Fonds bezeichnete Figma als ein „Unternehmen einer Generation“, das vom Markt missverstanden werde.
Am 02.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Figma-Aktie um 4,5 Prozent zulegte. Hintergrund war eine überraschende Hochstufung des Konkurrenten Adobe durch die Großbank HSBC. Das Signal aus der Analystengemeinschaft lautete, dass die Angst vor einer massiven Verdrängung klassischer Designsoftware durch KI deutlich übertrieben sein könnte. Figma, das seit seinem Börsengang im Jahr 2025 unter erheblichem Kursdruck stand, profitierte unmittelbar von der neuen Einschätzung.
Am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass Figma bereit ist, seine Bruttomargen zugunsten einer schnelleren Verbreitung von KI-Funktionen zu opfern. Finanzchef Praveer Melwani machte dies im Rahmen des Reuters Global Markets Forum am Rande der unternehmenseigenen Config-Nutzerkonferenz in Bengaluru, Indien, deutlich. Melwani ließ offen, ob Figma jemals wieder die historisch hohen Margenniveaus erreichen wird.
Für Anleger steht die Balance zwischen Wachstum und Profitabilität im Fokus
Für deutsche Privatanleger ist die Diskrepanz zwischen den vorgelegten Zahlen und der Kursreaktion bemerkenswert. Figma übertraf beim Umsatzwachstum, beim Nettoverlust und bei der bereinigten operativen Marge die Erwartungen und hob die Jahresprognose an. Gleichzeitig signalisiert die Prognose für das vierte Quartal mit einem erwarteten Wachstum von etwa 33 Prozent eine deutliche Verlangsamung gegenüber den rund 43 Prozent des dritten Quartals.
Die Aktie bleibt dabei von einer Mischung aus KI-Fantasie und KI-Skepsis geprägt. Einerseits verweisen die steigenden Nutzerzahlen in Organisationen mit hohen Ausgaben und die zunehmende Nutzung der eigenen KI-Modelle auf eine funktionierende Monetarisierung. Andererseits hat der Kurs im laufenden Jahr rund 41 Prozent verloren, während der breite Markt zugelegt hat. Die Bewertung spiegelt damit weiterhin erhebliche Unsicherheit über die langfristige Wettbewerbsposition von Figma.
Ein weiterer Faktor ist die Konkurrenzsituation. Die Entlassung von 22 Prozent der Mitarbeiter bei Canva zeigt, dass auch andere Anbieter von Designsoftware unter Anpassungsdruck stehen. Zugleich hat sich die Stimmung im Software-Sektor gegenüber dem Jahresbeginn beruhigt, als KI-Modelle noch als unmittelbare Bedrohung für etablierte Anbieter galten.
Das Unternehmen erwartet für das Schlussquartal ein Wachstum von etwa 33 Prozent
Für das vierte Quartal hat Figma ein Umsatzwachstum von etwa 33 Prozent in Aussicht gestellt. Die von LSEG befragten Analysten hatten 28 Prozent prognostiziert. Für das Gesamtjahr liegt die Umsatzprognose zwischen 1,497 Milliarden und 1,499 Milliarden Dollar, die operative Marge soll 11 Prozent erreichen.
Darüber hinaus will Figma die Akzeptanz von KI für die Erstellung von Websites und Apps weiter ausbauen. Im Quartal wurden Kunden mehr KI-Guthaben gewährt, ohne die Preise zu erhöhen. Der Fokus auf Cybersicherheit soll nach den Worten von CEO Dylan Field ebenfalls ausgebaut werden, nachdem KI-Agenten in Systeme bei Hugging Face und anderen Unternehmen eingedrungen sind.
Diese drei Fachbegriffe helfen bei der Einordnung der Figma-Zahlen
- Bereinigte operative Marge: Kennzahl, die das operative Ergebnis ins Verhältnis zum Umsatz setzt und Sondereffekte ausklammert.
- Guidance: Die offizielle Prognose eines Unternehmens für die künftige Umsatz- und Gewinnentwicklung.
- KI-Guthaben: Ein Kontingent, das Kunden für die Nutzung von KI-Funktionen eines Anbieters erhalten.
