Ferrari hebt Prognose für 2026 nach starkem drittem Quartal an
Der italienische Sportwagenhersteller übertrifft die Wall-Street-Erwartungen leicht und korrigiert Umsatz-, Gewinn- und Cashflow-Ziele nach oben.

Ferrari hat am Dienstag seine Prognose für das Jahr 2026 angehoben. Der italienische Sportwagenhersteller übertraf mit seinen Ergebnissen im dritten Quartal die durchschnittlichen Schätzungen der Wall Street leicht. Es ist bereits die zweite Anhebung der Jahresziele in Folge.
Konkret erhöhte das Unternehmen seine Umsatzprognose auf 7,65 Milliarden Euro, nachdem zuvor 7,6 Milliarden Euro erwartet worden waren. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) wurde auf 3 Milliarden Euro nach oben korrigiert, zuvor lag die Erwartung bei 2,97 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) soll nun mindestens 9,85 Euro betragen, nach zuvor mindestens 9,68 Euro.
Auch beim operativen Free Cash Flow hob Ferrari die Erwartungen an: Der Wert soll bis zu 1,65 Milliarden Euro erreichen, gegenüber den vorherigen Erwartungen von mindestens 1,55 Milliarden Euro. Damit korrigiert der Hersteller gleich mehrere zentrale Kennzahlen seiner Jahresplanung nach oben – und das, obwohl das laufende Geschäftsjahr noch nicht abgeschlossen ist.
Die Auslieferungen sinken, die Prognose steigt dennoch
Bemerkenswert ist der Zusammenhang zwischen Auslieferungen und Prognose. In den ersten neun Monaten des Jahres lieferte Ferrari mit 10.170 Fahrzeugen 318 Einheiten weniger aus als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang geht vor allem auf geringere Lieferungen in die Amerikas sowie nach China, Hongkong und Taiwan zurück. In diesen Märkten verkaufte der Hersteller also weniger Fahrzeuge als ein Jahr zuvor.
Trotz dieses Rückgangs verbesserte das Unternehmen seine Ziele. Ferrari erklärte am Dienstag, die Verbesserungen der Prognose seien auf eine stärker als erwartete Nachfrage nach Kundenpersonalisierungen, niedrigere als erwartete Währungsgegensätze und einen zweiten Platz in der Formel-1-Weltmeisterschaft zurückzuführen. Der Hersteller nennt damit drei konkrete Treiber, die den Effekt der niedrigeren Stückzahlen überkompensieren.
Analyst sieht Ergebnisse im Einklang mit den Erwartungen
Tom Narayan, Analyst bei RBC Capital Markets, sagte am Dienstag, dass Ferraris Ergebnisse weitgehend im Einklang mit den Erwartungen von Wall Street lagen. Er fügte jedoch hinzu, dass die Aktien „unter leichtem Druck stehen könnten, da einige eine stärkere Anhebung der Prognose erhofft hatten, aber erwarten, dass sich dies bessert, sobald die Marktteilnehmer erkennen, dass diese Ergebnisse gesund sind“.
Die US-Aktie von Ferrari fiel zunächst infolge der Ergebnisse, wandte sich dann jedoch ins Positive und schloss am Dienstag bei 414,77 US-Dollar pro Aktie, einem Plus von 2,9 Prozent. Der anfängliche Kursrückgang und die anschließende Erholung zeigen, wie unterschiedlich der Markt die vorgelegten Zahlen zunächst bewertete.
Bereits am 30.07.2026 berichtete aktien.news über eine Anhebung nach starkem Q2
Der Schritt ist kein Einzelfall. Bereits am 30.07.2026 berichtete aktien.news, dass Ferrari seine Jahresprognose für 2026 angehoben hatte, nachdem der italienische Luxussportwagenhersteller die Erwartungen der Wall Street im zweiten Quartal deutlich übertroffen hatte. Damals erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,94 Milliarden Euro – gegenüber den von LSEG prognostizierten 1,88 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 2,62 Euro und übertraf damit die Konsensschätzung von 2,50 Euro. CEO Benedetto Vigna führte die starken Quartalszahlen auf einen „anhaltenden Trend zu Personalisierungen“ sowie eine robuste Nachfrage nach Ferraris Fahrzeugen zurück. Die Auftragsbücher des Unternehmens seien demnach bereits bis ins Jahr 2027 gefüllt.
Am 02.08.2026 berichtete aktien.news zugleich von einer differenzierteren Einschätzung: Ferrari habe mit seinen Ergebnissen für das zweite Quartal die hohen Erwartungen der Analysten nicht ganz erfüllt. Der Umsatz stieg zwar um 8 Prozent auf knapp 1,94 Milliarden Euro, lag damit aber unter der Konsensschätzung von 2,15 Milliarden Euro. Der Nettogewinn kletterte um 9 Prozent auf 463 Millionen Euro, was einem bereinigten Ergebnis je Aktie von 2,62 Euro entspricht; Analysten hatten hier 2,85 Euro je Aktie erwartet. Der Aktienkurs gab daraufhin nach, der Rückgang hielt sich jedoch in Grenzen.
Schon am 10.02.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Ferrari überraschend starke Quartalszahlen vorgelegt und einen optimistischen Ausblick für 2026 gegeben hatte. Damals rechnete der Hersteller mit einem Anstieg des bereinigten EBITDA um mindestens 6 Prozent auf über 2,93 Milliarden Euro. Die Mailänder Aktie schoss daraufhin um bis zu 10 Prozent nach oben und notierte am Mittag noch mit einem Plus von 8,4 Prozent. CEO Benedetto Vigna zeigte sich zuversichtlich: „Unsere Nachfrage bleibt sehr solide“, betonte er und verwies auf einen Auftragsbestand, der bis Ende 2027 reicht.
Ferrari steigert die Erlöse zunehmend über margenstarke Personalisierungen
Für Anleger in Deutschland ist der Blick auf die wiederholten Prognoseanhebungen aufschlussreich. Ferrari hebt seine Ziele für 2026 nun zum zweiten Mal in Folge an, obwohl die Auslieferungszahlen rückläufig sind. Das deutet darauf hin, dass das Unternehmen seine Erlöse weniger über die reine Stückzahl als über margenstarke Zusatzleistungen wie Kundenpersonalisierungen steigert. Genau diesen Trend hatte CEO Vigna bereits im Zusammenhang mit dem zweiten Quartal hervorgehoben.
Ein weiterer Aspekt ist die regionale Entwicklung. Der Rückgang der Lieferungen in die Amerikas sowie nach China, Hongkong und Taiwan zeigt, dass die Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten nicht überall gleich verläuft. Gleichzeitig nennt Ferrari niedrigere als erwartete Währungsgegensätze als einen Treiber der verbesserten Prognose – ein Faktor, der für exportorientierte Unternehmen erheblich ins Gewicht fällt.
Bereits am 04.06.2026 berichtete aktien.news, dass Barclays einen negativen Ausblick für europäische Automobilhersteller beibehielt und gleichzeitig Ferrari als die herausragende Anlagechance im Sektor identifizierte. Die Investmentbank sah den Luxussportwagenhersteller als beste Möglichkeit, den strukturellen Belastungen zu entgehen, die Massenmarkt-OEMs zunehmend unter Druck setzen. Zu den genannten Belastungsfaktoren zählten ein Gewinnverfall in China, Marktanteilsverluste gegenüber chinesischen Wettbewerbern in Europa, Wettbewerbs- und Preisdruck in der Europäischen Union sowie potenzielle US-Zölle. Vor diesem Hintergrund ordnen Marktbeobachter die wiederholten Prognoseanhebungen als Signal für die Widerstandsfähigkeit des Luxussegments ein.
Die nächsten Schritte bleiben an die Marktbeobachtung geknüpft
Konkrete neue Termine nennt der aktuelle Bericht nicht. Klar ist jedoch, dass Ferrari seine Ziele für 2026 nach oben korrigiert hat und Analyst Narayan davon ausgeht, dass sich die anfängliche Zurückhaltung des Marktes legt, sobald die Marktteilnehmer die Ergebnisse als gesund einordnen. Die Aktie schloss am Dienstag mit einem Plus von 2,9 Prozent bei 414,77 US-Dollar. Für die kommenden Monate bleibt damit vor allem die Frage im Blick, ob sich die Nachfrage nach Kundenpersonalisierungen und die Währungsentwicklung weiterhin stützend auf die Geschäftsentwicklung auswirken.
Drei Fachbegriffe ordnen die Ferrari-Zahlen ein
- Bereinigtes EBITDA: Kennzahl für den operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation, bereinigt um Sondereffekte.
- Free Cash Flow: Der Zahlungsmittelüberschuss, der einem Unternehmen nach Abzug der Investitionen aus dem operativen Geschäft verbleibt.
- Kundenpersonalisierung: Individuelle Ausstattungswünsche von Käufern, die bei Luxusherstellern einen erheblichen Teil des Umsatzes ausmachen.
