Fed vor schwieriger Entscheidung wegen Bankenturbulenzen
Zinspause der US-Notenbank könnte schwerwiegende Folgen für die Märkte haben

Die US-Notenbank, Federal Reserve, steht vor einer schwierigen Entscheidung, nachdem die jüngsten Bankenturbulenzen die Märkte erschüttert haben. Die Frage ist, ob die Zinsen weiter erhöht oder pausiert werden sollen. Ein kleiner Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten wird von 85 Prozent der Marktteilnehmer erwartet, was den Leitzins auf 5,0 Prozent anheben würde. Eine Zinspause hätte jedoch schwerwiegende Folgen.
Laut Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest ist eine Zinspause ein fatales Signal, das die Märkte in Turbulenzen stürzen würde. Investoren würden befürchten, dass die Lage bei den US-Banken schlimmer ist als erwartet. Eine Zinspause würde auch die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank beschädigen und ein Krisensignal aussenden. Anleger könnten eine Zinspause als Zeichen dafür werten, dass die Notenbanken größere Verwerfungen im Finanzsystem erwarten.
Die Bankenkrise in den USA hat die geldpolitischen Perspektiven unsicherer denn je gemacht. Die Fed startete vor einem Jahr ihren aktuellen Zinserhöhungszyklus, der den Leitzins von null auf zuletzt 4,75 Prozent erhöhte. Es könnte sein, dass der Zinserhöhungszyklus heute seinen Abschluss findet. Die Erwartung einer scharfen Zinsreduktion auf 3,75 Prozent bis Mitte 2024 kündigt eine Rezession an.
Die Zinsstrukturkurve ist so invers wie seit den 1970er Jahren nicht mehr. Eine inverse Zinskurve gilt als valide Vorbotin einer Rezession. Laut einer Studie der Federal Reserve Bank von San Francisco ging jedem wirtschaftlichen Abschwung in den USA seit 1955 bis auf eine Ausnahme eine inverse Renditekurve voraus.
Die Probleme bei den US-Regionalbanken können die Rezessionsgefahren weiter anfachen. Wenn weniger Kredite vergeben werden, fällt die wirtschaftliche Aktivität. Eine gestärkte Regionalbankenbranche durch Einlagen der Großbanken oder eine Ausweitung der Einlagensicherung ist daher notwendig, um eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale zu vermeiden.
Franck Dixmier, Anleihenchef Allianz Global Investors, sieht die Fed in der Pflicht, ihre Zinsen anzuheben. Mit einer Kerninflationsrate von zuletzt 5,5 Prozent könne sich die US-Notenbank nicht zufrieden geben. Ein kleiner Zinsschritt plus klare Hinweise darauf, dass die Fed bereitsteht, im Falle einer Vertiefung der Bankenkrise die adäquaten Mittel zu ergreifen, wäre laut Rethfeld ein guter Kompromiss für die Märkte.
Die Entscheidung der Fed wird weitreichende Konsequenzen haben, nicht nur für die USA, sondern auch für den Rest der Welt. Der Ausgang wird zeigen, ob die Fed bereit ist, die Inflation und die wirtschaftliche Aktivität in Einklang zu bringen, ohne dabei eine Krise auszulösen.
