Fed kämpft gegen Inflation: Neue Schocks gefährden Zinssenkungen
Die US-Notenbank steht im fünften Jahr in Folge vor unerwarteten Störfeuern auf dem Weg zum Inflationsziel.

Die Federal Reserve kämpft seit Jahren darum, die Inflation auf ihr Ziel von 2 Prozent zu drücken – doch immer wieder durchkreuzen neue Schocks diesen Plan. Nach den Nachwirkungen der Pandemie und Russlands Krieg gegen die Ukraine sorgt nun ein umfassendes Zollprogramm für Gegenwind. Zuletzt hat Amerikas militärisches Engagement im Nahen Osten eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt destabilisiert.
Die Unterbrechung globaler Handelsrouten könnte Energie- und Rohstoffpreise erneut in die Höhe treiben und den Fortschritt bei der Inflationsbekämpfung weiter verzögern. Dabei zeigten die jüngsten Daten bereits vor dieser Eskalation, dass die Disinflation ins Stocken geraten war. Für die Notenbanker, die diese Woche tagen, verschärft sich damit das Dilemma erheblich.
Zinssenkungen: Kein klares Signal mehr möglich
Noch vor wenigen Monaten war die Frage nicht ob, sondern wann die Fed die Zinsen senken würde. Heute stellt sich den Notenbankern eine grundlegendere Frage: Können sie den Märkten überhaupt noch glaubwürdig eine Zinssenkung in Aussicht stellen? Der Konsens, die Zinsen vorerst unverändert zu lassen, dürfte durch die jüngsten geopolitischen Entwicklungen weiter gefestigt werden.
Besonders aufmerksam beobachten Analysten die geldpolitische Erklärung der Fed. Bereits im Januar drängte eine Minderheit der Notenbanker erfolglos darauf, Formulierungen zu streichen, die auf eine baldige Zinssenkung als nächsten Schritt hindeuten. Würde die Fed diese Sprache nun tatsächlich tilgen, wäre das das erste explizite Eingeständnis, dass der Lockerungszyklus möglicherweise beendet ist.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung bei der Fed von direkter Relevanz: Die US-Geldpolitik beeinflusst den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar, die Kapitalflüsse in globale Märkte und mittelbar auch den Kurs der Europäischen Zentralbank. Ein länger anhaltend hohes Zinsniveau in den USA könnte den Dollar stützen und Druck auf exportorientierte deutsche Unternehmen ausüben.
Drei Punkte stehen beim Fed-Treffen im Fokus: erstens die geldpolitische Erklärung und mögliche Änderungen in der Signalsprache, zweitens die Einschätzung der Notenbanker zur Inflationsentwicklung angesichts geopolitischer Risiken und drittens der Ausblick auf die kommenden Monate. Die Märkte werden jedes Wort auf der Suche nach Hinweisen zur künftigen Zinspolitik analysieren.
