Fed-Gouverneur Waller signalisiert Zinspause bei Inflationsrückgang
Christopher Waller zeigt sich offen für gleichbleibende Leitzinsen – Datenabhängiger Kurs der US-Notenbank.

Der Gouverneur der US-Notenbank Federal Reserve, Christopher Waller, hat sich offen für eine Beibehaltung des aktuellen Leitzinsniveaus bei der kommenden Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) am 15. und 16. September gezeigt. Waller betonte im Rahmen einer Veranstaltung der Nachrichtenagentur Reuters, dass er eine Zinspause unterstütze, sofern die kommenden Wirtschaftsdaten eine weitere Abkühlung der Inflation bestätigen. Derzeit liegt der Leitzins in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent.
Wallers Äußerungen markieren einen datenabhängigen Kurs, der im Kontrast zu den jüngsten, eher restriktiven Signalen von Fed-Chef Kevin Warsh steht. Warsh hatte beim Symposium in Jackson Hole Ende August betont, dass die Notenbank bei ausbleibenden Fortschritten bei der Preisstabilität handeln müsse. Dies ließ die Markterwartungen für eine Zinserhöhung kurzzeitig auf bis zu 66 Prozent ansteigen. Nach Wallers jüngsten Kommentaren korrigierten die Märkte diese Wahrscheinlichkeit auf etwa 50 Prozent nach unten. Auch die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen gaben infolge der Aussagen nach.
Waller hält Zinserhöhung weiterhin für möglich
Waller stellte jedoch klar, dass eine Zinserhöhung keineswegs vom Tisch sei. Sollten die Inflationsdaten für August „heiß“ ausfallen, sei er bereit, für eine Straffung der Geldpolitik zu stimmen. Er begründete dies damit, dass die aktuelle Geldpolitik die Gesamtnachfrage nur geringfügig einschränke und eine Beschleunigung der Inflation ausreichen könnte, um ihn zu einem restriktiveren Kurs zu bewegen. Der entscheidende Indikator für seine Stimmabgabe werde der am 11. September erwartete Verbraucherpreisindex (CPI) sein.
In seiner Analyse der Preisentwicklung hob Waller hervor, dass die zugrunde liegende Inflation besser aussehe, als es die Kernzahlen vermuten ließen. Er verwies auf eine bevorstehende methodische Anpassung des Handelsministeriums bei der Berechnung von Finanzdienstleistungsgebühren, die den PCE-Preisindex (den bevorzugten Inflationsmaßstab der Fed) um einige Zehntelprozentpunkte senken könnte. Zudem seien die jüngsten Anstiege bei den Kern-PCE-Daten teilweise auf schwer zu erfassende, nicht marktbasierte Dienstleistungspreise zurückzuführen.
Während Waller Faktoren wie Energiepreise und Zölle derzeit nicht als Haupttreiber für anhaltenden Inflationsdruck sieht, warnte er dennoch vor Aufwärtsrisiken. Dazu zählen die anhaltend hohen Energiepreise, der Preisdruck bei Technologiegütern durch den Ausbau der Künstlichen Intelligenz sowie das Potenzial für weitere Zollerhöhungen.
Märkte reagieren gespalten – Analysten uneins
Die Finanzwelt reagiert gespalten auf die Aussichten: Während Analysten von HSBC aufgrund einer „hauchdünnen“ Entscheidungslage eine Zinserhöhung für möglich halten, bleibt Goldman Sachs bei der Prognose einer Zinspause. Marktbeobachter warnen zudem, dass eine Zinserhöhung im September den sogenannten „September-Effekt“ verstärken und die Aktienmärkte, insbesondere den S&P 500, kurzfristig unter Druck setzen könnte.
Die nächste wichtige Etappe vor der Zinsentscheidung sind die am 4. September erwarteten Arbeitsmarktdaten. Waller selbst erwartet dabei keine größeren Abweichungen vom aktuellen Trend. Für Anleger bleibt die Lage angespannt: Der Ausgang der FOMC-Sitzung Mitte September hängt maßgeblich von den kommenden Inflations- und Arbeitsmarktdaten ab. Die Unsicherheit an den Märkten dürfte bis dahin hoch bleiben.
