Fed-Gouverneur Miran: Powells Verbleib soll nur Übergangslösung sein
Fed-Gouverneur Stephen Miran fordert klare Verhältnisse bei der US-Notenbank und warnt vor geteilten Loyalitäten nach Powells Amtsende.

Fed-Gouverneur Stephen Miran hat sich am Freitag in einem TV-Interview klar positioniert: Der Verbleib von Jerome Powell als Gouverneur der US-Notenbank nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender solle lediglich eine kurze Übergangsphase darstellen. Miran äußerte sich in der Sendung „Mornings with Maria" des Senders Fox Business Network und betonte die Bedeutung eines geordneten Führungswechsels an der Spitze der Federal Reserve.
„Übergänge sind wichtig", sagte Miran in dem Interview. Gleichzeitig machte er deutlich: „Ich halte es für wichtig sicherzustellen, dass es sich um eine Übergangsphase handelt und dass keine unlauteren Absichten dahinterstecken." Seine Aussagen beziehen sich auf die Ankündigung Powells, nach dem Ende seiner Amtszeit als Fed-Vorsitzender am 15. Mai zunächst in seiner bis 2028 laufenden Funktion als Gouverneur im Amt zu bleiben.
Hintergrund: Powell bleibt als Gouverneur – Warsh soll Nachfolger werden
Powell hatte diese Entscheidung vergangene Woche im Anschluss an die jüngste Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) bekanntgegeben. Als Begründung nannte er, er wolle abwarten, ob die juristischen Angriffe der Trump-Administration auf die Zentralbank ein Ende finden. Diese Angriffe werden von Beobachtern weithin als politisch motiviert kritisiert.
Als designierter Nachfolger an der Spitze der Fed gilt Kevin Warsh – vorausgesetzt, der US-Senat stimmt seiner Ernennung zu. Warsh gilt als Reformer, und Powells verlängerte Präsenz im Gouverneursrat könnte theoretisch ein Gegengewicht gegenüber möglichen Reformplänen bilden. Powell selbst hatte jedoch betont: „Ich habe nicht vor, ein profilierter Dissident oder ähnliches zu sein."
Miran unterstrich in dem Interview die Notwendigkeit klarer Führungsstrukturen innerhalb der Notenbank. „Es ist wichtig sicherzustellen, dass es eine Übergangsphase ist und dass es keine geteilten Loyalitäten innerhalb der Fed gibt", sagte er. Zudem dürfe „keine Unsicherheit darüber bestehen, wer die Leitung innehat."
Stabilität und Klarheit als oberste Priorität
Der Fed-Gouverneur schloss seine Ausführungen mit einem klaren Appell: „Deshalb halte ich es für wichtig, dass wir sicherstellen, dass es eine Übergangszeit bleibt, auch wenn sie für den Wechsel hilfreich sein könnte." Damit signalisiert Miran, dass er Powells vorübergehenden Verbleib zwar toleriert, aber eine rasche und eindeutige Übergabe der Führung an den neuen Vorsitzenden erwartet.
Für deutsche Anleger und Beobachter der internationalen Geldpolitik ist die Entwicklung an der Fed-Spitze von erheblicher Bedeutung. Die US-Notenbank beeinflusst mit ihren Zinsentscheidungen nicht nur die amerikanische Wirtschaft, sondern auch globale Kapitalflüsse, Wechselkurse und die Geldpolitik anderer Zentralbanken weltweit. Unsicherheiten über die künftige Ausrichtung der Fed können daher auch an den europäischen Märkten spürbare Auswirkungen haben.
Die Frage, wie unabhängig die Federal Reserve unter einem neuen Vorsitzenden agieren wird, bleibt damit eines der meistbeachteten Themen an den internationalen Finanzmärkten. Der genaue Zeitplan für den Führungswechsel sowie die Bestätigung von Kevin Warsh durch den Senat werden in den kommenden Wochen mit Spannung erwartet.
