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EZB-Zinssenkung: Nagel warnt vor schnellen Erwartungen

Unsicherheit über Wirtschaft und Inflation bleibt groß, weitere Schritte datenabhängig.

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EZB-Zinssenkung: Nagel warnt vor schnellen Erwartungen

Bundesbankchef Joachim Nagel warnt nach der Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) vor überhöhten Erwartungen an eine schnelle Absenkung der Zinsen. Die EZB hatte am vergangenen Donnerstag die erste Zinssenkung seit 2019 beschlossen. In einer Rede in Leipzig betonte Nagel, dass trotz der Entscheidung der EZB, den Leitzins zu senken, Vorsicht geboten sei. Die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft und der Preise sei nach wie vor unsicher, erklärte das EZB-Ratsmitglied.

Nagel veranschaulichte die aktuelle Lage der Geldpolitik mit einem Bild: „Ich sehe uns nicht auf einem Berggipfel, von dem es zwangsläufig nach unten geht“, sagte er. Stattdessen befinde man sich eher auf einem Bergrücken. Es gelte, den richtigen Zeitpunkt für den weiteren Abstieg zu finden. Der EZB-Rat habe daher erneut betont, datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung zu entscheiden, fügte der Bundesbankchef hinzu.

Ein zentrales Ziel der Geldpolitik sei es, die immer noch zu hohe Inflation auf den angestrebten Wert von zwei Prozent zurückzuführen. Im Mai lag die Inflationsrate im Euro-Raum bei 2,6 Prozent und damit leicht höher als im April, aber deutlich niedriger als im Herbst 2022. „Damals betrug die Inflation im Euro-Raum noch etwa 11 Prozent. Allerdings ist die Rückkehr zum Zielwert von 2 Prozent kein Selbstläufer“, erläuterte Nagel.

Am 6. Juni hatte die EZB die lang erwartete Zinssenkung beschlossen und den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 4,25 Prozent gesenkt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde äußerte sich jedoch zurückhaltend über den weiteren Kurs der Zentralbank. Auch Isabel Schnabel, deutsches Direktoriumsmitglied der EZB, betonte die Unsicherheiten in Bezug auf die Preisentwicklung im Euro-Raum und signalisierte keine unmittelbaren weiteren Zinsschritte.

Gediminas Simkus, der Notenbankchef von Litauen, äußerte hingegen die Möglichkeit, dass es in diesem Jahr noch Spielraum für weitere Zinssenkungen geben könnte. Die Diskussionen im EZB-Rat spiegeln somit unterschiedliche Einschätzungen und Unsicherheiten wider, wie der geldpolitische Kurs fortgesetzt werden sollte.

Nagels Aussagen unterstreichen die komplexe Herausforderung, vor der die EZB steht. Die Entscheidung über weitere Zinsschritte wird stark von den wirtschaftlichen Daten abhängen und erfordert eine sorgfältige Abwägung der Risiken und Chancen, um die wirtschaftliche Stabilität im Euro-Raum zu gewährleisten.

EZB

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