EZB hält an hohen Zinsen fest
Chefvolkswirt Philip Lane betont Notwendigkeit zur Inflationsbekämpfung

Im Zuge des beständigen wirtschaftlichen Drucks und der daraus resultierenden Inflationsbefürchtungen signalisiert Philip Lane, der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), dass die derzeit hohen Zinsniveaus im Euroraum wahrscheinlich noch für eine Weile bestehen bleiben werden. Die geldpolitische Stellungnahme, die zu Beginn dieser Woche durch ein Interview in der niederländischen Zeitung "Het Financieele Dagblad" bekannt gegeben wurde, verdeutlicht die EZB's Entschlossenheit, die Inflation zu bekämpfen, selbst wenn dies hohe Zinsen erfordert.
Lane äußerte, dass er erwartet, dass der Euroraum bis 2025 die Inflationszielmarke von zwei Prozent wieder erreicht. Dennoch warnte er, dass die aktuelle geldpolitische Normalisierung nur dann in Betracht gezogen wird, wenn es eine ausreichende Sicherheit gibt, dieses Ziel tatsächlich zu erreichen. Die Inflationsrate für den Euroraum lag im September bei 4,3 Prozent, was weit über dem Ziel der Notenbank liegt. In Reaktion darauf betonte er, dass die EZB bereit sei, bei Bedarf weitere Maßnahmen zu ergreifen und die Zinssätze so lange hoch zu halten, wie es erforderlich sei.
Interessant ist, dass Lanes Ansichten konträr zu denen von Patrick Harker stehen, einem Währungshüter der US-Notenbank Fed. Harker ist der Ansicht, dass weitere Zinserhöhungen derzeit nicht in Erwägung gezogen werden sollten und betonte, dass jeglicher zusätzlicher Druck auf die Wirtschaft durch Erhöhung der Kreditaufnahmekosten vermieden werden sollte.
Eine zusätzliche Unsicherheit besteht in Bezug auf die Lohnentwicklungen für 2024. Lane betonte, dass er weitere Informationen über die Lohnabschlüsse benötigt und dass es bis zum Frühjahr dauern wird, bis die meisten Länder diese Daten veröffentlichen. Trotz der derzeitigen Herausforderungen und Unsicherheiten betonte er die Notwendigkeit, wachsam zu bleiben, insbesondere angesichts der anhaltenden Lohnsteigerungen und Preiserhöhungen in bestimmten Wirtschaftsbereichen.
Die EZB hat seit dem Sommer 2022 die Schlüsselzinsen um insgesamt 4,50 Prozentpunkte erhöht. Dies war die zehnte Anhebung in Folge. Der derzeitige Einlagensatz, den Finanzinstitute für das Parken überschüssiger Gelder bei der Notenbank erhalten, liegt derzeit bei 4,00 Prozent. Trotz der konsistenten Zinserhöhungen gibt es Spekulationen am Finanzmarkt, dass einige Investoren bereits im Frühjahr 2024 erste Zinssenkungen erwarten.
