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EZB gibt grünes Licht: UniCredit darf Commerzbank-Anteil aufstocken

Die Europäische Zentralbank erlaubt UniCredit, die Beteiligung an der Commerzbank ohne feste Obergrenze auszubauen.

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EZB gibt grünes Licht: UniCredit darf Commerzbank-Anteil aufstocken

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat UniCredit grünes Licht gegeben, den Anteil an der Commerzbank weiter aufzustocken. Wie aus den Fakten hervorgeht, darf die italienische Großbank zusätzliche Aktien erwerben – und zwar ohne feste Obergrenze. Bislang hält UniCredit knapp 30 Prozent an dem Frankfurter DAX-Konzern. Die Bank selbst bezeichnete die Entscheidung der Aufsicht als Meilenstein ihrer Übernahme.

Die 30-Prozent-Marke gilt an der Börse als kritische Schwelle, weil sie mit weitreichenden Rechten verbunden ist. UniCredit will bis zum Jahresende rund 50 Prozent der Stimmrechte halten. Die vollständige Kontrolle über die Commerzbank wäre allerdings erst möglich, wenn die laufenden Aufsichtsverfahren abgeschlossen sind. Offen ist zudem die Entscheidung der EU-Kommission, die als Wettbewerbsbehörde prüft. Die EZB selbst wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern, befürwortet grenzüberschreitende Fusionen aber grundsätzlich.

Ein neuer europäischer Bankenriese

Sollte die Übernahme vollendet werden, entstünde ein Geldhaus mit einer kombinierten Bilanzsumme von 1,3 Billionen Euro. Die Commerzbank blickt auf eine 156-jährige Geschichte zurück und zählt zu den traditionsreichsten Instituten der deutschen Finanzwelt. UniCredit sicherte sich die Aktien über Finanzgeschäfte und ein Übernahmeangebot. Geplant ist unter anderem, die Commerzbank mit der HypoVereinsbank zusammenzulegen, die bereits zum UniCredit-Konzern gehört. Zudem plant die italienische Bank Milliardeneinsparungen bei der Commerzbank.

Der Bund hält noch gut 13 Prozent der Commerzbank-Aktien. Er hatte das Institut in der Finanzkrise gerettet und verfügt damit über erhebliches Gewicht. Nach Einschätzung von Florian Heider vom Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE kann der Bund eine komplette Verschmelzung verhindern und nutzt diese Verhandlungsmacht. Heider verweist zugleich auf die strukturellen Gründe der Fusion: Banken hierzulande wachsen auf einem zersplitterten EU-Markt langsamer, während international tätige Unternehmen von europäischer Reichweite profitieren. "Grenzüberschreitende Fusionen sind ein Weg, das zu ändern", so Heider.

Widerstand aus Berlin und Sorgen der Beschäftigten

Die Bundesregierung hatte das feindliche Vorgehen der Italiener zunächst abgelehnt. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sprach zuletzt jedoch von keinen verhärteten Fronten und konstruktiven Gesprächen. Der Bund stellt klare Forderungen: Der Mittelstand müsse wichtig bleiben, der Hauptsitz in Frankfurt liegen und betriebsbedingte Kündigungen müssten ausgeschlossen werden. Zudem darf der Bund zwei Aufsichtsratskandidaten stellen und will diese Regel behalten.

Die Gewerkschaft ver.di warnt vor einem massiven Stellenabbau. Sie fürchtet den Wegfall von bis zu 15.000 Arbeitsplätzen, während die Commerzbank weltweit rund 40.000 Vollzeitkräfte beschäftigt. "Die Beschäftigten beider Häuser brauchen endlich Klarheit über ihre Zukunft und verbindliche Zusagen zur Sicherung ihrer Standorte und Arbeitsplätze", fordert Jan Duscheck von ver.di. Beide Häuser verhandeln derzeit über ihre gemeinsame Zukunft. Die Führungsspitze der Commerzbank dürfte sich nach Einschätzung von Beobachtern nicht halten; Medienberichten zufolge ist im kommenden Jahr eine außerordentliche Hauptversammlung möglich.

Was Anleger jetzt beachten sollten

Für Privatanleger ist die Nachricht in mehrfacher Hinsicht relevant. Zum einen könnte der steigende Einfluss von UniCredit den Kurs der Commerzbank-Aktie bewegen, da eine vollständige Übernahme langfristig wahrscheinlich erscheint. Volker Brühl vom Center for Financial Studies der Goethe-Universität Frankfurt bringt es auf den Punkt: "Die Übernahme ist nicht mehr aufzuhalten." Zum anderen droht dem Finanzplatz Frankfurt ein Rückschlag, sollte die Zentrale an Bedeutung verlieren. Auch die Deutsche Bank hofft bereits auf verunsicherte Unternehmenskunden, die sich nach einem Eigentümerwechsel neu orientieren könnten. Zudem könnten Auslandsstandorte der Commerzbank reduziert werden.

Anleger sollten die weiteren Entscheidungen der EU-Kommission sowie die Verhandlungen zwischen Bund, UniCredit und Commerzbank aufmerksam verfolgen. Diese Signale dürften maßgeblich bestimmen, wie sich die Aktien beider Häuser in den kommenden Monaten entwickeln.

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