EZB-Blog warnt vor drohender Korrektur bei KI-Aktien
Überbewertete US-Technologieaktien könnten bald korrigieren – mit weitreichenden Folgen für Europa, warnt ein EZB-Blogbeitrag.

Die Europäische Zentralbank schlägt Alarm: Ein am Montag veröffentlichter Blogbeitrag auf der EZB-Website warnt vor einer wahrscheinlichen Marktkorrektur bei US-Technologieaktien. Der Überschwang rund um Künstliche Intelligenz habe die Bewertungen führender Technologieunternehmen weit über den historischen Durchschnitt getrieben. Die Autoren betonen dabei ausdrücklich, dass der Beitrag nicht notwendigerweise die offizielle Meinung der EZB widerspiegelt.
Investoren haben in den vergangenen Jahren massiv in Technologieaktien investiert, getrieben von der Erwartung, dass KI die Weltwirtschaft grundlegend verändern wird. „Wirtschaftsforschungen zu vergangenen technologischen Revolutionen deuten auf eine besorgniserregende Schlussfolgerung hin: Eine Korrektur der aktuellen Börsenbewertungen ist wahrscheinlich", heißt es in dem Beitrag. Selbst wenn die Technologie erfolgreich sei und die Unternehmensgewinne tatsächlich stiegen, könnten die Aktienkurse dennoch fallen – weil es kaum möglich sei, die übermäßig optimistischen Erwartungen des Marktes zu erfüllen.
Überoptimismus als Verstärker möglicher Kursverluste
Der Blog verweist auch auf psychologische Mechanismen, die eine Korrektur begünstigen könnten. Überoptimistische Anleger neigten dazu, Preise weit über die fundamentalen Werte hinaus zu treiben. Wenn der Optimismus dann nachlasse, fielen die Kurse tendenziell noch stärker als in einem rationalen Marktumfeld – ein klassisches Boom-Bust-Muster, das sich laut den Autoren allerdings erst im Nachhinein eindeutig identifizieren lasse. Der genaue Zeitpunkt einer möglichen Korrektur sei „im Voraus nicht absehbar".
Für europäische Anleger und Institutionen ist das Thema besonders relevant. Private Haushalte in Europa halten demnach ein Engagement von 440 Milliarden Euro in den sogenannten „Magnificent Seven" – also <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet, Amazon, Apple, Meta Platforms, Microsoft, Nvidia und Tesla. Das Engagement von Pensionskassen und Versicherungsunternehmen ist in etwa gleich hoch, was die systemische Bedeutung dieser Aktien für die europäische Finanzstabilität unterstreicht.
Begrenzte politische Puffer verschärfen das Risiko
Besonders besorgniserregend ist laut dem EZB-Blog die eingeschränkte Handlungsfähigkeit der Politik im Falle einer Korrektur. „Das schwerwiegendere Szenario ist nicht die Aktienkorrektur an sich, sondern eine Korrektur, die mit einer breiteren Marktinstabilität einhergeht, welche die Politik nicht so leicht beruhigen kann", heißt es in dem Beitrag. Im Gegensatz zur Dotcom-Ära Anfang der 2000er-Jahre lasse die heutige Ausgangslage deutlich weniger Spielraum für Zinssenkungen oder den Einsatz der Fiskalpolitik, um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern.
Zwar erscheinen die Bewertungen europäischer Aktien laut dem Blog rationaler als jene ihrer amerikanischen Pendants. Dennoch korrelieren die Marktbewegungen diesseits und jenseits des Atlantiks eng miteinander – ein Kurseinbruch in den USA würde also auch europäische Titel in Mitleidenschaft ziehen. Für deutsche Privatanleger, die über Fonds, ETFs oder direkte Investments in US-Technologiewerte investiert sind, ist das ein wichtiger Hinweis auf mögliche Klumpenrisiken im eigenen Portfolio.
