EY-Expertin: Ohne Mitarbeiterschulung kein KI-Erfolg
Künstliche Intelligenz allein bringt keine Produktivitätssteigerung – Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter intensiv schulen und Arbeitsprozesse neu gestalten. Das betont Julie Teigland, globale stellvertretende Vorsitzende von EY, beim Weltwirtschaftsforum

Unternehmen, die auf schnelle Produktivitätsgewinne durch Künstliche Intelligenz hoffen, werden enttäuscht werden – zumindest wenn sie nicht bereit sind, massiv in ihre Belegschaft zu investieren. Diese klare Botschaft sendet Julie Teigland, globale stellvertretende Vorsitzende der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, vom Weltwirtschaftsforum in Davos.
81 Stunden Training für 14 Prozent mehr Produktivität
"Es gibt keinen ROI [Return on Investment], wenn Sie nicht bereit sind, die Stellenbeschreibungen zu ändern", erklärte Teigland gegenüber Reuters. Eine aktuelle EY-Studie zeigt konkrete Zahlen: Rund 81 Stunden Training pro Mitarbeiter, kombiniert mit einer Neugestaltung der Arbeitsrolle, können zu wöchentlichen Produktivitätssteigerungen von etwa 14 Prozent führen. Entscheidend sei dabei, dass Unternehmen ihre Prozesse grundlegend anpassen, um die Vorteile der KI tatsächlich zu nutzen.
Vom Ausführen zum Überwachen
Die Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt werden "generationenübergreifend" sein, so Teigland. Besonders betroffen sind Einstiegspositionen und routinemäßige Angestelltentätigkeiten. Mitarbeiter müssten künftig "von der Ausführung der Aufgabe zur Überwachung der Aufgabe" übergehen und somit "über der Schleife" agieren – also kontrollieren und steuern statt selbst ausführen.
Von Pilotprojekten zur Skalierung
Die Stimmung unter Führungskräften in Davos hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich gewandelt. "Die Gespräche waren definitiv realistischer, da die KI vom Hype zur Skalierung übergegangen ist", beobachtet Teigland. Unternehmen hätten erkannt, dass KI nicht sofort einsatzbereit ist und der ROI organisatorische Neugestaltung und Schulung erfordert – nicht nur die bloße Bereitstellung von Tools.
Die Pilot-Falle vermeiden
Viele Unternehmen haben die Anfangsphase der Einführung von KI-Tools wie Copilot bereits hinter sich gelassen. Nun stehen sie vor der Herausforderung, von einzelnen Pilotprojekten und Machbarkeitsnachweisen zu einer breiteren Anwendung überzugehen. Wer zu lange in zu vielen Pilotprojekten feststecke, riskiere eine "Todesfalle", warnt die EY-Expertin. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der konsequenten Skalierung – verbunden mit der Bereitschaft, in die Weiterbildung der Belegschaft zu investieren.
