EXIM-Bank plant sieben Milliarden Dollar für Argentiniens Rohstoffprojekte
Die US-Export-Importbank will kritische Mineralien- und Energieprojekte in Argentinien mit bis zu sieben Milliarden Dollar finanzieren.

Die US-Export-Importbank (EXIM) plant, kritische Mineralien- und Energieprojekte in Argentinien mit bis zu 7 Milliarden Dollar zu finanzieren. Der entsprechende Vorschlag liegt der Nachrichtenagentur Reuters vor und soll voraussichtlich am Mittwoch in New York im Rahmen der Generalversammlung der Vereinten Nationen bekannt gegeben werden. Offiziell bestätigt ist das Paket allerdings noch nicht – die EXIM-Bank hat es bislang nicht öffentlich gemacht.
Unternehmen, die in Argentinien tätig sind, könnten die Finanzierung über die nächsten zwei Jahre nutzen – unter anderem zum Kauf von Ausrüstungen von US-Herstellern. Damit verknüpft Washington die Sicherung von Rohstoffen mit Absatzchancen für die eigene Industrie. Im Zentrum stehen Lithium, Kupfer und Seltene Erden, die für die Energie-, Verteidigungs- und Hochtechnologiebranche gebraucht werden.
Die Versorgungssicherheit bei Mineralien ist neben ihrer Rolle im Energiewandel zu einer Priorität der Energiesicherheit geworden. Schätzungen zufolge hat die US-Regierung seit Januar 2025 mehr als 1 Milliarde Dollar in Investitionen und Finanzierungen für kritische Mineralien in Lateinamerika gesteckt. Der neue Vorschlag wäre damit ein deutlicher Sprung gegenüber den bisherigen Engagements in der Region.
Die Details
Die Finanzierung soll über die US-Export-Importbank laufen, eine staatliche Einrichtung zur Absicherung und Förderung US-amerikanischer Exporte. Nach Angaben aus dem Reuters vorliegenden Vorschlag könnten argentinische Projektträger die Mittel innerhalb von zwei Jahren abrufen. Vorgesehen ist ausdrücklich der Einkauf bei US-Herstellern von Ausrüstung – ein klassisches Instrument der Exportförderung, das zugleich die heimische Industrie stützt.
Flankiert wird das Vorhaben von einem im Februar angekündigten Abkommen über kritische Mineralien zwischen den USA und Argentinien. Dieses Abkommen ist bislang jedoch nicht vom argentinischen Kongress ratifiziert worden. Die Initiative fällt in eine Phase, in der sich Argentinien bemüht, mit groß angelegten Anreizen internationale Investoren ins Land zu holen.
Zentrales Instrument dafür ist das Anreizsystem für Großinvestitionen (RIGI). Das im Juli 2024 eingeführte Programm bietet steuerliche, zollrechtliche und währungsstabile Rahmenbedingungen für qualifizierte Investitionen ab einem Volumen von 200 Millionen Dollar. Das Rincón-Lithiumprojekt von Rio Tinto (ASX: RIO) im Wert von 2,5 Milliarden Dollar war das erste Bergbauvorhaben, das im Rahmen dieses Systems genehmigt wurde. Im März kündigte IDB Invest, Teil der Gruppe der Interamerikanischen Entwicklungsbank, einen Kredit von bis zu 100 Millionen Dollar für Rincón innerhalb eines umfassenderen Finanzierungspakets über 1,175 Milliarden Dollar an.
Auch andere Konzerne sind aktiv: BHP (ASX: BHP) treibt die Entwicklung von Kupferprojekten in Argentinien voran, während Chevron im Bereich der Schieferöl- und Gaskonzessionen des Landes engagiert ist. Der argentinische Bergbauminister Luis Lucero sagte gegenüber Reuters Anfang dieses Jahres, Argentinien könne bis 2036 jährlich 580.000 Tonnen Lithium und 1,64 Millionen Tonnen Kupfer exportieren. Diese Zahl unterstreicht, welches Potenzial das Land der eigenen Regierung zufolge in den kommenden Jahren heben will.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 05.02.2026 berichtete aktien.news, dass Argentinien und die Vereinigten Staaten ein weitreichendes Abkommen über kritische Mineralien unterzeichnet haben. Das sogenannte Rahmeninstrument zielt darauf ab, die Lieferketten beider Länder zu stärken und zu diversifizieren. Das argentinische Außenministerium erwartete durch die Vereinbarung erhebliche wirtschaftliche Impulse für das südamerikanische Land.
Ebenfalls am 05.02.2026 meldete aktien.news Einzelheiten zu diesem strategischen Abkommen zur Sicherung von Lieferketten kritischer Mineralien. Das argentinische Außenministerium gab die Vereinbarung an einem Mittwoch bekannt und betonte das erhebliche Wachstumspotenzial für die argentinische Wirtschaft. Kritische Mineralien wie Lithium, Kupfer und Seltene Erden sind dem Bericht zufolge für moderne Technologien unverzichtbar; sie werden unter anderem in Batterien, Halbleitern und erneuerbaren Energien eingesetzt. Argentinien verfügt demnach über bedeutende Vorkommen dieser Rohstoffe, insbesondere im sogenannten Lithium-Dreieck an der Grenze zu Chile und Bolivien.
Am 16.05.2026 berichtete aktien.news, dass die argentinische Regierung unter Präsident Javier Milei eine Erweiterung der Cauchari-Olaroz-Lithiummine von Lithium Argentina (TSX, NYSE: LAR) im Wert von 1,24 Milliarden US-Dollar genehmigt hat. Das Projekt gehörte zu zwei Bergbauvorhaben, die Buenos Aires im Rahmen des nationalen Großinvestitionsanreizprogramms RIGI offiziell bewilligt hat. Die Mine zählt zu den bedeutenden Lithiumprojekten in der Lithiumdreieck-Region.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist das geplante EXIM-Paket vor allem ein Signal für die Richtung der US-Rohstoffpolitik. Wenn staatliche Finanzierung in Milliardenhöhe in argentinische Projekte fließt, verbessert das tendenziell die Rahmenbedingungen für Unternehmen, die dort bereits aktiv sind – von Rio Tinto und BHP über Lithium Argentina bis zu Chevron. Allerdings handelt es sich bei dem Reuters vorliegenden Vorschlag bislang nur um einen Plan, der noch nicht offiziell bekannt gegeben wurde.
Zu beachten ist die politische Komponente: Das Abkommen über kritische Mineralien aus dem Februar ist noch nicht vom argentinischen Kongress ratifiziert. Die Anreize des RIGI-Programms und die daraus entstehenden Zahlungsströme hängen damit auch von der künftigen politischen Entwicklung in Buenos Aires ab. Anleger sollten diese Faktoren bei Engagements in argentinischen Rohstoffwerten einpreisen, ohne die Chancen der Region zu unterschätzen.
Ausblick
Die offizielle Bekanntgabe des EXIM-Pakets wird für Mittwoch in New York am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen erwartet – sofern der Plan wie skizziert bestätigt wird. Zudem bleibt die Ratifizierung des Mineralienabkommens durch den argentinischen Kongress abzuwarten. Der argentinische Bergbauminister Lucero hat für die Jahre bis 2036 eine jährliche Exportmenge von 580.000 Tonnen Lithium und 1,64 Millionen Tonnen Kupfer in Aussicht gestellt.
Kurz erklärt
- EXIM-Bank: Staatliche US-Einrichtung, die Exporte amerikanischer Unternehmen finanziert und absichert.
- RIGI: Argentinisches Anreizprogramm, das großen Investitionsprojekten steuerliche und währungsstabile Rahmenbedingungen bietet.
- Kritische Mineralien: Rohstoffe, die als unverzichtbar für Energiewende und moderne Technologien gelten und deren Versorgung als sicherheitsrelevant eingestuft wird.
- Seltene Erden: Gruppe von Metallen, die unter anderem in Hochtechnologie- und Verteidigungsanwendungen benötigt werden.
