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Ex-Ilva Stahlwerk Taranto: Kassationsgericht entscheidet über Stilllegung

Italiens höchste Instanz prüft heute den Stopp des Heißbereichs im Stahlwerk Taranto – Tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

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Ex-Ilva Stahlwerk Taranto: Kassationsgericht entscheidet über Stilllegung

Dem traditionsreichen Stahlwerk im süditalienischen Taranto droht die Stilllegung der Produktion. Das Berufungsgericht Mailand hatte Ende Juli angeordnet, die sogenannte "area a caldo" – den Heißbereich – abzuschalten. Dieser Bereich mit Kokerei und Hochöfen gilt als das Herzstück des Werks. Heute befasst sich das Kassationsgericht, die höchste Instanz Italiens, mit dem Fall.

Das Werk wurde in den 1960er-Jahren gebaut und galt lange als Symbol der Hoffnung. Es sollte Arbeitsplätze schaffen und verhindern, dass die Menschen als Gastarbeiter in den Norden abwandern mussten. In den 70er- und 80er-Jahren schien zunächst alles gut zu laufen – die Auswirkungen der Umweltverschmutzung waren damals noch unbekannt. Zehntausende Arbeitsplätze hingen seinerzeit direkt oder indirekt bei Ilva und den Zulieferern am Werk.

Mit den Jahren dokumentierten Untersuchungen jedoch erhebliche gesundheitliche Belastungen. Feinstaub und Schwefeldioxid werden mit einer erhöhten Sterblichkeit in Verbindung gebracht. Untersucht wurden unter anderem Lungen- und Rippenfellkrebs sowie Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen. Bereits 2019 stellte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) fest, dass Italien die Bevölkerung nicht ausreichend vor den Emissionen geschützt hatte.

Gesundheit gegen Arbeitsplätze

Der Konflikt prägt die Region seit Jahrzehnten. Giuseppe Roberto beschreibt die Lage so: "Es heißt immer: Auf der einen Seite stehen diejenigen, die Gesundheit und Sicherheit fordern – auf der anderen diejenigen, die an die Arbeitsplätze denken. Dabei sind beide Forderungen legitim." Taranto sei gespalten, so Roberto, und beide Anliegen hätten ihre Berechtigung.

Für die Beschäftigten geht es um ihre Existenz. Oronzo Spagnolo warnt: "Dieses Werk zu schließen, würde eine ganze Region in den Kollaps treiben: Taranto, die Provinz, Apulien." Zugleich fordert er einen Wandel der Produktion: "Wir wollen nicht länger mit einem Produktionszyklus auf Kohlebasis arbeiten."

Ilva und der Betreiber Acciaierie d'Italia stehen unter Sonderverwaltung. Für bis zu 8.622 Beschäftigte wurde Kurzarbeit beantragt. Versuche des Unternehmens, die gerichtliche Anordnung auszusetzen, scheiterten mehrfach. Das Gericht stellte dabei das Recht auf Gesundheit über wirtschaftliche Interessen.

Proteste und Umbaupläne

Die Beschäftigten blockieren Straßen und fordern Klarheit von der Regierung in Rom. Für Freitag ist eine Demonstration unter dem Motto "Taranto torna a vivere" geplant. Bürgerinitiativen verlangen die Schließung und Sanierung des Geländes. Der Stadtteil Tamburi liegt besonders nah an dem Werk und ist von den Emissionen betroffen.

Beschäftigte und Gewerkschafter fordern einen grundlegenden Umbau der Produktion. Statt Hochöfen und Kohle sollen Elektroöfen und direktreduziertes Eisen zum Einsatz kommen. Die Regierung setzt auf Dekarbonisierung und neue Industrieprojekte, will die Stahlproduktion aber erhalten. Der Umbau ist teuer, und die Suche nach einer langfristigen industriellen Lösung zieht sich hin.

Ein Gegenentwurf sieht Arbeitsplätze in Forschung, Bildung, erneuerbaren Energien, Landwirtschaft und Meereswirtschaft vor. Trotz Skandalen, Verfahren und Eigentümerwechseln lief die Stahlproduktion bislang weiter. Das Werk bleibt wichtig für die wirtschaftliche Zukunft Tausender Familien und für die Stahlversorgung Italiens.

Was bedeutet das für Anleger?

Für Privatanleger ist die Entscheidung des Kassationsgerichts ein wichtiger Signalpunkt. Sie zeigt, wie stark rechtliche und gesundheitliche Vorgaben die industrielle Produktion in Europa beeinflussen können. Sollte der Heißbereich dauerhaft stillgelegt werden, hätte das Folgen für die italienische Stahlversorgung und für Zulieferer. Anleger mit Engagements in der Stahlbranche sollten die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen – insbesondere, ob sich eine tragfähige Umbau- und Finanzierungslösung abzeichnet. Klarheit dürfte erst bringen, wie die höchste Instanz und die Regierung in Rom den Fall behandeln.

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