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Evonik lehnt BASF-Übernahme ab und baut deutsche Standorte um

Der Spezialchemiekonzern bleibt eigenständig und richtet sechs große Produktionsstandorte in Deutschland neu aus.

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Evonik lehnt BASF-Übernahme ab und baut deutsche Standorte um

Evonik bleibt eigenständig. Der Spezialchemiekonzern hat ein zweites Übernahmeangebot von BASF abgelehnt und will nach eigener Darstellung weiter als unabhängiges Unternehmen arbeiten. BASF hatte 24 Euro je Aktie geboten, insgesamt rund elf Milliarden Euro. Damit ist der Versuch einer der größten Übernahmen in der deutschen Chemiebranche vorerst gescheitert.

BASF-Vorstandschef Markus Kamieth bezeichnete das Vorhaben laut Quelle als "logischen und sinnvollen Schritt zum richtigen Zeitpunkt". Der Ludwigshafener Konzern bedauerte zugleich die fehlende Verhandlungsbereitschaft der Essener. Evonik erklärte in einer Adhoc-Meldung: "Der Vorstand konzentriert sich weiterhin auf die strategische Ausrichtung und die Weiterentwicklung von Evonik als unabhängiges Unternehmen". Zu einem rein informativen und vertraulichen Austausch sei man allerdings bereit.

Für Anleger ist die Absage ein klares Signal: Evonik setzt auf Eigenständigkeit statt auf eine schnelle Prämie durch einen Verkauf. Wer auf ein Übernahmeangebot spekuliert hatte, muss seine Erwartungen nun neu justieren. Der Kurs dürfte künftig stärker von der operativen Entwicklung abhängen als von Fusionsfantasien.

Umbau mit klaren Profilen

Parallel treibt Evonik den Umbau des Chemiestandorts Deutschland voran. Sechs große Produktionsstandorte erhalten neue Profile. Sie sollen künftig entweder als Wachstumstreiber oder als Cash-Generator fungieren. Das Zieljahr des Umbaus ist 2045. Grundlage ist eine VCI-Studie zum Chemiestandort Deutschland.

Die Pläne im Überblick:

  • Essen wird Zentrum für digitale Formulierungsentwicklung
  • Marl wird Demonstrationshub für grüne Industrie
  • Rheinfelden wird zum Siliziumzentrum ausgebaut
  • Hanau erhält einen Elektrochemie-Hub mit Start-ups
  • Darmstadt und Wesseling werden Innovationszentren für Spezialchemikalien

Ralph Marquardt, Vize-Transformations-Chef bei Evonik, bringt die Stoßrichtung auf den Punkt: "Wir müssen die Chemiestandorte neu definieren". Vorbild sind die Life-Science-Cluster in Boston und Cambridge. Angestrebt wird eine Verknüpfung von Universitäten, Start-ups und großen Unternehmen. Bislang fand Forschung bei Evonik vor allem in eigenen Einrichtungen statt.

Stellenabbau und Kostensenkung

Der Umbau geht mit einem deutlichen Stellenabbau einher. Bis 2029 streicht Evonik rund zehn Prozent der Belegschaft. In Deutschland fallen 2150 Stellen in Verwaltung und Produktion weg. Die Verwaltung wird seit Oktober 2023 umgebaut. Eine erste Sparrunde betraf rund 2000 Arbeitsplätze in der Verwaltung sowie weitere 800 Stellen in der Produktion. Die erste Umbauphase läuft bis Ende 2026 und soll etwa 400 Millionen Euro Kosten senken. Bis Ende 2029 sollen insgesamt rund 6000 Stellen entfallen.

Für Privatanleger bedeutet das: Der Konzern arbeitet an seiner Kostenbasis, was die Margen stützen kann. Zugleich belasten Umbau und Abfindungen kurzfristig die Bilanz. Entscheidend ist, ob die Einsparungen schneller greifen als die Erlöse wegbrechen.

Weniger Abhängigkeit von Europa

Evonik will die Abhängigkeit vom europäischen Markt verringern. Der Umsatzanteil Europas liegt derzeit bei 48 Prozent. Künftig soll der Umsatz je zu einem Drittel aus Europa, Asien und Amerika kommen. Wachstumschancen sieht das Unternehmen vor allem außerhalb Europas. Weltweit trennt sich Evonik von Geschäften ohne Perspektive.

Begleitet wird der Umbau von personellen Veränderungen an der Spitze. Interimschef Claus Rettig vertritt den erkrankten Christian Kullmann. Die bisherigen Sparrunden haben Hierarchien abgeflacht und Managementposten gestrichen. Ob der eingeschlagene Weg aufgeht, hängt davon ab, wie schnell Evonik vom Produktionsstandort zum Innovationshub wird — und ob das Kapital für junge Chemie-Startups in Deutschland künftig leichter fließt. Bislang erhalten diese wegen langer Entwicklungszyklen kaum Wagniskapital.

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