Eurozone im Aufwind: Industrie wächst, Inflation und EZB-Zinsdruck steigen
Industriewachstum auf Höchststand, Inflationsrate steigt auf 3,3 % – EZB vor Zinsentscheidung.

Die wirtschaftliche Lage in der Eurozone zeigt sich derzeit ambivalent: Während der verarbeitende Sektor ein deutliches Wachstum verzeichnet, bereiten steigende Inflationsraten der Europäischen Zentralbank (EZB) Sorgen. Parallel dazu liefern neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Kriminalitätsstatistiken aus den USA wichtige Impulse für die Debatte um Cannabis.
Industriewachstum erreicht Höchststand
Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone stieg im August auf 52,7 Punkte, den höchsten Stand seit Mai 2022. Laut S&P Global deutet dies darauf hin, dass die Industrie die Belastungen durch Energiepreisschocks und Lieferkettenprobleme infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten zunehmend überwindet. Besonders Deutschland verzeichnete das stärkste Wachstum seit über vier Jahren.
Dennoch bleibt die Lage heterogen: Während Frankreich zum Wachstum beitrug, verzeichneten Italien und Spanien Rückgänge. Die Beschäftigungslage stabilisierte sich nach drei Jahren des Rückgangs. Für die deutsche Industrie, die besonders stark unter den hohen Energiepreisen gelitten hat, sind die aktuellen PMI-Daten ein positives Signal.
Inflation steigt – EZB vor Zinserhöhung
Die Inflationsrate in der Eurozone stieg im August auf 3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli. Haupttreiber sind explodierende Energiepreise. Analysten und Marktteilnehmer gehen daher mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 99 Prozent davon aus, dass die EZB am 10. September den Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent anheben wird.
Während die Kerninflation leicht auf 2,4 Prozent sank, warnen Experten wie Joe Nellis (MHA), dass kurzfristige Preissteigerungen strukturell werden könnten, falls sie auf Löhne und Dienstleistungen übergreifen. Die EZB steht somit vor der Herausforderung, die Zinsen restriktiv zu halten, ohne das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum abzuwürgen. Für deutsche Sparer und Anleger bedeutet dies: Die Phase hoher Zinsen dürfte noch länger anhalten.
Cannabis-Forschung: Neue Erkenntnisse aus den USA
In einem völlig anderen Bereich zeigen neue Studien der Johns Hopkins University, dass hohe Dosen von THC (25 mg) bei Probanden Wirkungen hervorrufen können, die denen von Psilocybin ähneln. Die Forscher schlagen vor, THC als „aktive Kontrollsubstanz“ in klinischen Studien zu Psychedelika einzusetzen, um das Problem der „Entblindung“ zu lösen, da Teilnehmer oft erkennen, ob sie ein Placebo erhalten haben. Diese Erkenntnisse könnten die klinische Forschung zu psychedelischen Substanzen grundlegend verändern.
US-Cannabis-Politik: 200.000 Festnahmen trotz Legalisierungstrend
Unterdessen verdeutlicht ein aktueller FBI-Bericht die Diskrepanz in der US-Drogenpolitik: Trotz eines allgemeinen Trends zur Legalisierung wurden 2025 über 200.000 Menschen wegen Cannabis-Delikten festgenommen. Zehn Bundesstaaten, darunter Texas und North Carolina, sind für 60 Prozent dieser Verhaftungen verantwortlich.
NORML-Direktor Paul Armentano kritisiert, dass die Gefahr einer Verhaftung heute primär von der geografischen Lage abhänge, während in vielen anderen Staaten die Strafverfolgung für den Besitz geringer Mengen faktisch eingestellt wurde. Die FBI-Daten selbst stehen jedoch aufgrund methodischer Inkonsistenzen in der Berichterstattung unter Kritik von Forschern und politischen Entscheidungsträgern. Für die internationale Debatte um Cannabis-Legalisierung liefern diese Zahlen neuen Zündstoff.
