Europäische KI-Aktien legen rasant zu, Anlegervertrauen kehrt zurück
Anthropic-Vertrag über 11,6 Milliarden Dollar befeuert europäische KI- und Halbleiterwerte, Stoxx 600 steigt um 0,7 Prozent.

Europäische Aktien mit Bezug zum Ausbau der künstlichen Intelligenz (KI) sind am Mittwoch deutlich gestiegen. Grund ist die wachsende Begeisterung der Anleger für das Zukunftsthema. Auslöser war ein Rechenkapazitätsvertrag des KI-Spezialisten Anthropic im Wert von mindestens 11,6 Milliarden Dollar. Dieser Deal verleiht den KI-verbundenen Unternehmen neuen Aufschwung, während der Infrastrukturausbau in diesem Technologiesektor weiter voranschreitet.
Der breite Markt profitierte ebenfalls. Der Stoxx 600 eröffnete im Plus und legte um 0,7 Prozent zu. Ein Korb europäischer Tech-Aktien stieg um 1,3 Prozent. Getragen wurde die Rally von einer breiten Basis aus Halbleiterherstellern, Rechenzentrumsausrüstern und Bankwerten.
Halbleiterwerte im Fokus
Besonders gefragt waren die Aktien der Chipbranche. Der niederländische Anlagenbauer ASML sprang um 2,3 Prozent nach oben. Die Konkurrenten ASM International und BE Semiconductor legten um 2,0 Prozent beziehungsweise 1,4 Prozent zu. Im weiteren Handelsverlauf wurden für ASM International 1,6 Prozent und für BE Semiconductor 0,50 Prozent gemeldet.
Bei den europäischen Chip-Herstellern zeigte sich ein gemischtes Bild. Infineon gab um 0,25 Prozent nach. STMicroelectronics hingegen stieg deutlich und legte zunächst um 3,1 Prozent zu, später wurden Zuwächse von 1,7 bis 2,4 Prozent verzeichnet. Der halbleiterlastige AEX-Index in Amsterdam gewann 0,6 Prozent.
Rechenzentren und Banken stützen
Der Aufschwung erfasste auch Unternehmen, die mit dem Ausbau von Rechenzentren verbunden sind. Siemens Energy, Anbieter von Energie für Rechenzentren, stieg um 2,1 bis rund 3 Prozent. Das Elektrifizierungsunternehmen Prysmian legte ebenfalls um rund 3 Prozent zu.
In Paris gewann der CAC 40 um 0,4 Prozent, gestützt durch den Sprung von STMicroelectronics. Auch die Bank Societe Generale zählte mit einem Plus von 2,4 Prozent zu den Gewinnern. In Deutschland stieg der DAX um 0,7 Prozent, wobei die Deutsche Bank um 2,2 Prozent zulegte.
Breite Erholung in ganz Europa
Die positive Stimmung zog sich durch die gesamte europäische Börsenlandschaft. In London trieben Metallerzbergwerke den FTSE 100 um 0,5 Prozent nach oben. Banken stützten auch die südeuropäischen Indizes: Der italienische FTSE MIB gewann 1,1 Prozent, der spanische Ibex 35 legte um 0,8 Prozent zu.
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung bemerkenswert, weil sie zeigt, wie stark der KI-Infrastrukturzyklus inzwischen die europäischen Märkte prägt. Nicht nur reine Technologiekonzerne, sondern auch Zulieferer für Energie, Elektrifizierung und Halbleiterfertigung profitieren von der wachsenden Nachfrage nach Rechenkapazität. Der milliardenschwere Vertrag von Anthropic unterstreicht, dass die Investitionen in KI-Infrastruktur weiter an Fahrt gewinnen.
Die Kursgewinne bei Banken und Bergbauwerten deuten zugleich auf eine breitere Risikobereitschaft der Anleger hin. Der Markt setzt offenbar darauf, dass die KI-Investitionen nicht nur die Technologiebranche, sondern die gesamte Wirtschaft stützen. Ob diese Dynamik nachhaltig ist, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell weitere Großaufträge und Infrastrukturprojekte folgen.
