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Europäische Gaspreise steigen nach US-Militärschlag im Iran sprunghaft an

Der TTF-Benchmark legt um 4 Prozent zu, nachdem US-Angriffe auf die Insel Qeschm die Sorge vor Lieferausfällen schüren.

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Europäische Gaspreise steigen nach US-Militärschlag im Iran sprunghaft an

Die europäischen Erdgaspreise haben am Dienstag eine deutliche Erholung verzeichnet und damit die starken Verluste des Vortages weitgehend wettgemacht. Auslöser für den Preisanstieg waren US-Militärschläge auf die iranische Insel Qeschm sowie das Scheitern diplomatischer Bemühungen. Damit kehrten die Sorgen vor Versorgungsunterbrechungen durch die Straße von Hormus an die Märkte zurück.

Der niederländische TTF-Benchmark-Kontrakt, der als richtungsweisend für den europäischen Gasmarkt gilt, stieg um 4 % auf 98,60 Euro pro Megawattstunde (MWh). Die britischen NBP-Futures legten um 4,5 % auf 245,60 Pence pro Therm zu. Für deutsche Verbraucher und Industrieunternehmen sind diese Notierungen relevant, weil sie die Großhandelspreise für Erdgas auf dem gesamten Kontinent beeinflussen.

US-Angriff auf Qeschm verschärft die geopolitische Lage

Die geopolitische Lage verschärfte sich, nachdem ein US-Beamter bestätigte, dass Washington Ziele auf der Insel Qeschm angegriffen habe. Die USA bezeichneten den Einsatz als defensiv, um Angriffe auf Handelsschiffe zu verhindern. Zuvor hatten Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung durch Gespräche zwischen iranischen und katarischen Vertretern kurzzeitig für Gewinnmitnahmen an den Energiemärkten gesorgt.

Ein hochrangiger iranischer Vertreter erklärte gegenüber Reuters jedoch, dass die Verhandlungen weit von einer Lösung entfernt seien und Teheran die Forderungen Washingtons ablehne. In der Folge stiegen auch die Ölpreise: Brent-Rohöl legte um 1,76 % auf 106,61 US-Dollar zu, WTI um 1,66 % auf 98,06 US-Dollar.

Goldman Sachs hebt seine Prognosen deutlich an

Vor diesem Hintergrund hat Goldman Sachs seine Preisprognosen für europäisches Erdgas angehoben. Die Analysten unter der Leitung von Samantha Dart hoben die TTF-Prognose für das erste Quartal 2027 von 44 Euro auf 74 Euro pro MWh an. Die durchschnittliche Prognose für das Gesamtjahr 2027 wurde von 32 Euro auf 51 Euro korrigiert.

Diese Anpassung reflektiert eine subjektive Wahrscheinlichkeit von 45 % für ein Szenario mit geringem LNG-Angebot aus dem Nahen Osten sowie eine Risikoprämie für kaltes Winterwetter. Goldman Sachs warnt vor einer extremen Bandbreite an möglichen Entwicklungen.

Sollten die LNG-Exporte aus dem Persischen Golf auf 25 % bis 30 % des Normalniveaus begrenzt bleiben und die Temperaturen in Nordwesteuropa deutlich unter den Durchschnitt fallen, könnte der TTF-Preis laut Goldman auf nahezu 150 Euro pro MWh steigen. Derzeit preist der Markt für das erste Quartal bereits eine Wahrscheinlichkeit von 47 % für ein solches „Engpass-Szenario" ein. Im Basisszenario der Bank hingegen wird davon ausgegangen, dass die Exporte bis Februar schrittweise auf 83 % des Normalniveaus steigen.

Europas Gasspeicher bleiben unter dem Saisonniveau

Die Versorgungslage bleibt angespannt: Die europäischen Gasspeicher sind derzeit nur zu etwa 74 % gefüllt, was unter den historischen Saisonnormen liegt. Da die Umleitung von Tankern um das Kap der Guten Hoffnung die LNG-Lieferungen bereits reduziert hat, bleibt Europa in hohem Maße von norwegischem Pipelinegas und einer stabilen LNG-Zufuhr abhängig.

Während Goldman Sachs kurzfristig zu Absicherungsstrategien rät, deuten die längerfristigen LNG-Bilanzen aufgrund neuer Exportkapazitäten auf eine Entspannung hin. Für Anleger ergibt sich damit eine Mischung aus kurzfristigem Risiko und einer mittelfristigen Entlastungsperspektive.

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