EU-Kapitalmarktunion unter Druck: Zwei-Geschwindigkeiten-Europa droht bis Juni
Frankreich und Deutschland drängen auf rasche Fortschritte – sonst droht Spaltung der Union

Die Europäische Union steht vor einer wegweisenden Entscheidung: Bis Juni müssen ausreichende Fortschritte bei der Kapitalmarktunion (CMU) erzielt werden, andernfalls könnte eine Gruppe von mindestens neun Mitgliedstaaten im Alleingang voranschreiten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen haben diese Frist gesetzt, um die EU investitionsfähiger zu machen – vergleichbar mit den USA.
Das Konzept der "verstärkten Zusammenarbeit" würde es willigen Staaten ermöglichen, Reformen umzusetzen, während andere zurückbleiben. Bereits im vergangenen Monat diskutierten die sechs führenden Volkswirtschaften – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und die Niederlande – dieses Zwei-Geschwindigkeiten-Modell. Der Druck wächst, nachdem der EU-Handelsüberschuss im Dezember weiter geschrumpft ist, bedingt durch Zölle und zunehmende chinesische Importe.
Diplomaten kleinerer Mitgliedstaaten zeigen sich alarmiert über eine mögliche Spaltung der Union. Ökonomen warnen zudem, dass historisch nicht mangelnde Vision, sondern schwache Umsetzung das Haupthindernis für EU-Fortschritte darstellte.
Siemens Energy treibt DAX – SAP belastet
An den deutschen Börsen zeigt sich ein gespaltenes Bild: Siemens Energy entwickelt sich zur Erfolgsgeschichte des Jahres. Die Aktie kletterte von Tiefstständen nahe 7 Euro in 2023 auf aktuell 161 Euro. Gelöste Probleme bei der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa und die explodierende Nachfrage nach Gasturbinen für KI-Infrastruktur trieben den Kurs. Allein Siemens Energy steuerte 3,8 Prozentpunkte zum 7,7-prozentigen DAX-Jahresgewinn bei.
Ganz anders SAP: Der Softwarekonzern verlor 37 Prozent seines Börsenwerts in zwölf Monaten und belastet den Index erheblich. Paradoxerweise läuft das Geschäft gut – SAP wächst im hohen einstelligen Bereich bei 20 Prozent Nettomarge. Doch diffuse Marktängste, dass leistungsstarke KI-Anwendungen teure Unternehmenssoftware ersetzen könnten, drücken auf die Bewertung.
Lufthansa kämpft derweil um die DAX-Rückkehr am 4. März. Deutsche Bank-Analysten sehen die Fluggesellschaft auf Rang 33, was für einen "Fast Entry" ausreichen würde. Allerdings schrumpfte der Puffer durch streikbedingte Kursverluste auf nur noch 60 Millionen Euro über der Schwelle. Bei erfolgreicher Aufnahme würden 130 Millionen Euro aus DAX-ETFs in die Aktie fließen, während Zalando ausscheiden müsste.
Döner-Kette Mangal plant 1.000 Filialen
Im Gastro-Sektor treibt Lukas Podolskis "Mangal Döner" eine aggressive Expansion voran. Die Kette will bis Jahrzehntsende 1.000 Franchise-Standorte erreichen – ausgehend von derzeit rund 50 Lokalen. Geschäftsführer Marco Schepers, ehemals bei Yum! Brands, setzt auf Standardisierung und digitale Bestellsysteme, um mit McDonald's zu konkurrieren.
Mangal Döner erzielt durchschnittlich 1,2 Millionen Euro Umsatz pro Standort – deutlich mehr als die typischen 700.000 Euro unabhängiger Döner-Läden. Die Expansion läuft international in die Niederlande und Polen sowie national über Partnerschaften mit Kaufland, inklusive geplanter Döner-Drive-ins.
Weniger rosig sieht es bei BrewDog aus: Die Craft-Beer-Kette steht zum Verkauf. Das Restrukturierungsverfahren unter Leitung von AlixPartners könnte zur Zerschlagung führen. Die deutschen Brauereianlagen könnten für Carlsberg oder Heineken interessant sein. BrewDog meldete 2024 einen Vorsteuerverlust von 36,7 Millionen Pfund bei stagnierendem Umsatz.
Tesla-Werk: Ermittlungen gegen IG Metall
Am Tesla-Werk Grünheide eskaliert der Konflikt mit der IG Metall. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) ermittelt gegen einen Gewerkschaftsvertreter wegen unerlaubter Aufzeichnung einer Betriebsratssitzung am 10. Februar 2026. Tesla wirft dem Vertreter vor, ein Laptop-Mikrofon versehentlich nicht ausgeschaltet zu haben. Die IG Metall spricht von einer Schmutzkampagne.
Der Vorfall fällt in eine heikle Phase: Anfang März steht die Neuwahl des Betriebsrats an, parallel läuft ein Streit über Tarifverträge. Die Auseinandersetzung verdeutlicht die angespannten Arbeitsbeziehungen am Standort.
Psychische Erkrankungen: Krankheitstage verdoppelt
Die Arbeitswelt kämpft mit steigenden Gesundheitsproblemen. Laut DAK-Umfrage haben sich die Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen seit 2014 verdoppelt. 2025 fehlten Beschäftigte durchschnittlich 19,5 Tage.
Großunternehmen wie TÜV Süd reagieren proaktiv: Projektmanagerin Jana Vogel nutzt ein subventioniertes Employee Assistance Program mit Psychotherapie-App für Schlafprobleme. TÜV Süd hat Mental Health zur Priorität erklärt und bietet umfangreiche Programme an.
Forschung in KMU von Sandra Kus bestätigt: Betriebliche Gesundheitsförderung steigert Jobzufriedenheit und Arbeitgeberattraktivität. Selbst einfache Maßnahmen wie regelmäßige Gesprächsrunden bewirken positive Verhaltensänderungen. Die IG Metall fordert jedoch bessere Gesundheitsqualifikationen für Führungskräfte, da körperliche Arbeit nachweislich häufiger krank macht.
