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EU beschränkt chinesische Wechselrichter: Europäische Hersteller wittern Chancen

Ab 1. November dürfen in EU-geförderten Solarprojekten keine chinesischen Wechselrichter mehr eingesetzt werden. Europäische Anbieter könnten profitieren.

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EU beschränkt chinesische Wechselrichter: Europäische Hersteller wittern Chancen

Ab dem 1. November sind Wechselrichter chinesischer Hersteller in Solarprojekten, die mit EU-Mitteln finanziert werden, nicht mehr zugelassen. Für weit fortgeschrittene Vorhaben gilt bereits seit Mai eine Übergangsfrist. Die Regelung trifft einen Markt, der zuletzt fest in chinesischer Hand war – und sie könnte europäischen Anbietern zusätzliches Geschäft bescheren.

Wechselrichter sind das Herzstück jeder Solaranlage. Sie wandeln den erzeugten Gleichstrom in netzfähigen Wechselstrom um und steuern, wie viel Strom ins Netz eingespeist wird. Genau diese Steuerungsfunktion macht sie sicherheitsrelevant. Denn der dänische Branchenverband Green Power Denmark fand heraus, dass die Hersteller einen Fernzugriff auf ihre Geräte behalten. Wird dieser missbraucht, drohen Blackouts und Schäden an den Stromnetzen.

Entdeckt wurden die versteckten Kommunikationskanäle in chinesischen Solar-Bauelementen im Frühjahr 2025 in Dänemark. Die EU-Kommission stufte Wechselrichter Ende 2025 als kritische Technologie ein. Der Markt wird bislang klar dominiert: In Deutschland halten Sungrow und Huawei – letzterer mit seiner Marke FusionSolar – einen Marktanteil von bis zu 45 Prozent, global kommen beide zusammen auf 55 Prozent.

Was die neue Regel konkret bedeutet

Rechtsgrundlage ist Artikel 136 der EU-Haushaltsordnung, der dem Schutz der Sicherheit und der öffentlichen Ordnung dient. Die Umsetzung erfolgt über Finanzierungsvereinbarungen mit Finanzinstituten wie der Europäischen Investitionsbank (EIB). EU-Mittel können damit für Projekte ausgeschlossen werden, in denen bestimmte Wechselrichter verbaut sind.

Die Reichweite bleibt vorerst begrenzt. Nach Berechnungen von Wood Mackenzie betrifft die Regel 14 bis 18 Prozent der bis 2030 geplanten Einkäufe, insgesamt stehen in den kommenden vier Jahren vier bis fünf Gigawatt an Wechselrichter-Beschaffungen an. Weil EU-geförderte Großprojekte oft eine mehrjährige Anlaufphase haben, dürfte die Wirkung erst verzögert sichtbar werden. Eine konkrete Liste mit Hochrisikoanbietern fehlt bislang.

Auch einen Abstrahleffekt halten Beobachter für möglich: Betreiber anderer Solarparks könnten dem EU-Kurs folgen, selbst wenn ihre Projekte nicht gefördert sind. Parallel wird der Cyber-Security-Act 2 (CSA2) überarbeitet, in dem die Energiebranche als eigener Sektor identifiziert wurde. Wechselrichter für Wohnhäuser könnten dort ebenfalls betroffen sein. Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber ordnet die Lage nüchtern ein: "Das CSA2 ist ein scharfes Schwert, aber kein Importstopp." Und weiter: "In einer immer stärker vernetzten Welt müssen wir aufpassen, unseren geopolitischen Widersachern nicht neue Einfallstore zu öffnen."

Nationale Alleingänge und europäische Antworten

Einzelne Mitgliedstaaten sind bereits vorangegangen. Litauen verabschiedete Ende 2024 ein Gesetz gegen Fernzugriffe aus China; seit Mitte 2025 greift die Regel für Anlagen mit mehr als 100 Kilowatt, seit Jahresbeginn gelten zudem Sicherheitsbedingungen für Bestandsanlagen. Österreich führte im Juni 2025 einen Made-in-Europe-Bonus von zusätzlich zehn Prozent ein, Polen gewährt einen Bonus für in der EU hergestellte Wechselrichter.

Wer profitiert – und worauf Anleger achten sollten

Als Gewinner gelten SMA Solar, Ingeteam und Power Electronics. SMA erwartet, rund zehn Prozent Marktanteil hinzuzugewinnen, und weihte eine neue Produktionsanlage in Niestetal bei Kassel ein, die bei Vollauslastung 60 Gigawatt pro Jahr fertigen kann. Im Großanlagengeschäft setzte das Unternehmen 2025 rund 20 Gigawatt ab. Zwei bis vier Prozent der Bauteile in der SMA-Lieferkette stammen noch aus China.

Nicht alle europäischen Anbieter dürften gleichermaßen profitieren. Fronius rechnet kaum mit Veränderungen, weil das Unternehmen vor allem Dachanlagen beliefert. Bereits im Sommer hatte es Warnungen vor Lieferengpässen gegeben, denen europäische Anbieter widersprachen. Für Anleger bleibt entscheidend, wie schnell sich die Vorgaben in konkrete Aufträge übersetzen und ob eine offizielle Risikoliste Klarheit schafft. Der Ausbau der Solarkapazität in Europa dürfte jedenfalls weitergehen – die Frage ist, mit wessen Technik.

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