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Eterno Health fordert CompuGroup Medical mit KI-Software heraus

Ein Startup will den Markt für Praxissoftware umkrempeln – und die etablierte Konkurrenz schwächelt.

4 Min
Eterno Health fordert CompuGroup Medical mit KI-Software heraus

Der Markt für Praxisverwaltungssoftware in Deutschland steht vor einem Umbruch. Während der Branchenpionier CompuGroup Medical (CGM) seit Jahrzehnten den Markt dominiert, drängt ein junges Unternehmen mit ehrgeizigen Plänen nach vorne: Eterno Health. Die Gründer Maximilian Waldmann und Frederic Haitz wollen bis 2030 rund 50.000 Ärztinnen und Ärzte mit ihrer cloudbasierten Software versorgen – das wäre etwa ein Siebtel aller aktiven Mediziner in Deutschland. Bislang sind die Systeme von Eterno erst bei einigen Tausend Ärzten im Einsatz.

Das Besondere an der Herausforderung: Eterno profitiert von einer wachsenden Unzufriedenheit bei den Bestandskunden der etablierten Anbieter. Nach Daten des Zentralinstituts für kassenärztliche Versorgung (Zi) sind viele Nutzer mit dem Service und der Fehleranfälligkeit der etablierten Systeme unzufrieden. Insbesondere CGM schneidet dabei relativ schlecht ab. "70 Prozent unserer Kunden kommen von den Marktführern CGM und Medatixx", sagt Waldmann. Die Wechselbereitschaft sei derzeit stark ausgeprägt.

Die Details

Eterno Health wurde 2019 gegründet. Ursprünglich planten Waldmann und Haitz eine Art Co-Working-Space für Ärzte, orientierten sich aber neu, weil es ähnliche Konzepte bereits gab. Seither entwickelt das Unternehmen Software, die den Praxisalltag durch automatisierte Terminbuchung, Dokumentation und Abrechnung erleichtert. Zu den Investoren zählt unter anderem der Fußball-Weltmeister Mario Götze.

Erst vor wenigen Monaten kündigte der internationale Wachstumsinvestor Verdane an, Geld in Eterno zu stecken – angeblich mehr als 100 Millionen Dollar. Am 22. September 2026 gab Eterno zudem die Übernahme des Berliner IT-Unternehmens Doc Cirrus bekannt, dessen Software bereits in 8000 Arztpraxen läuft. Eterno selbst versorgt bislang etwa 2000 Praxen. Die Übernahme ist nach Angaben von Waldmann nur ein erster Schritt: "Insgesamt gibt es derzeit 150 Anbieter von Praxisverwaltungs-Software in Deutschland. Davon werden in einigen Jahren nur noch wenige übrig sein." Weitere Zukäufe sollen folgen.

Im reinen Größenvergleich mit CGM kann Eterno nicht mithalten. Das Koblenzer Unternehmen setzt mehr als eine Milliarde Euro um und ist profitabel. Allein in Forschung und Softwareentwicklung beschäftigt CGM 2700 Mitarbeiter. Bei Eterno sind es insgesamt 240 Beschäftigte. Frank Gotthardt, der Gründer von CGM und Finanzier des rechtspopulistischen Mediums Nius, gilt als Pionier der Branche.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits im Januar 2026 berichtete aktien.news über das KI-Startup OpenEvidence, das als "ChatGPT für Ärzte" gilt und in einer Finanzierungsrunde 250 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 12 Milliarden Dollar einsammelte. Das zeigt: International fließt massiv Kapital in KI-gestützte Gesundheitslösungen.

Ebenfalls im Januar 2026 berichtete aktien.news über eine drohende Disruption der gesamten Softwarebranche durch Künstliche Intelligenz. Der WisdomTree Cloud Computing Fund war damals um mehr als acht Prozent gefallen, während Branchengrößen wie Salesforce und Adobe Kursverluste von über 14 Prozent verzeichneten. Die Sorge der Investoren: KI könnte zentrale Komponenten der Unternehmens-IT verdrängen.

Im Februar 2026 berichtete aktien.news zudem über Stephen Hemsley, den Vorstandsvorsitzenden des US-Gesundheitsriesen UnitedHealth Group, der über Jahre hinweg private Investitionen in Gesundheits-Startups getätigt hatte – darunter Unternehmen, die mit UnitedHealth konkurrieren oder Geschäftsbeziehungen unterhalten.

Was das für Anleger bedeutet

Für Anleger ist die Entwicklung zweischneidig. Einerseits zeigt der Markteintritt von Eterno Health, dass die etablierten Anbieter wie CGM angreifbar sind. Die Unzufriedenheit der Kunden mit Service und Fehleranfälligkeit ist dokumentiert. Andererseits verfügt CGM über enorme finanzielle Ressourcen: mehr als eine Milliarde Euro Umsatz, Profitabilität und 2700 Mitarbeiter allein in der Softwareentwicklung. CGM selbst betont auf Anfrage, dass die Zi-Erhebung aus dem Frühsommer 2025 stamme und seither erfolgte Verbesserungen nicht berücksichtigt seien. Inzwischen habe sich die technische Benutzerfreundlichkeit bei allen untersuchten CGM-Produkten gesteigert, die Wechselbereitschaft sei gesunken. Zudem integriere CGM "KI-basierte Add-ons" wie den CGM TelefonAssistenten oder den CGM DokuAssistenten.

Die Übernahme von Doc Cirrus durch Eterno ist strategisch klug: Mit einem Schlag gewinnt das Startup Zugang zu 8000 weiteren Praxen. Ob die ehrgeizigen Ziele bis 2030 erreicht werden können, bleibt abzuwarten. Der Wettbewerb im Markt für Praxissoftware wird sich in den kommenden Jahren deutlich verschärfen.

Ausblick

Eterno Health plant weitere Zukäufe von anderen Anbietern. CEO Waldmann rechnet mit einer Konsolidierung des Marktes: Von derzeit 150 Anbietern von Praxisverwaltungs-Software in Deutschland sollen in einigen Jahren nur noch wenige übrig sein. Eterno will dazugehören und bis 2030 50.000 Ärztinnen und Ärzte als Kunden gewinnen. Der Zeitgewinn in den Arztpraxen betrage nach der Installation der Eterno-Systeme 30 Prozent und mehr, so Waldmann.

Kurz erklärt

  • Praxisverwaltungssoftware: Ein digitales System, das Arztpraxen bei der Terminplanung, Patientendokumentation und Abrechnung unterstützt.
  • Cloudbasiertes System: Eine Software, die nicht auf einem lokalen Server in der Praxis läuft, sondern über das Internet von verschiedenen Geräten aus genutzt werden kann.
  • KI-Assistenten: Programme, die mithilfe Künstlicher Intelligenz Aufgaben wie die Dokumentation von Arzt-Patienten-Gesprächen oder die Terminbuchung automatisieren.
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