Ecuador: Garnelenexporte überholen Öl mit 8,4 Milliarden Dollar Rekordwert
Südamerikanisches Land profitiert von US-Zöllen gegen Indien und kontinuierlichen Investitionen im Aquakultursektor.

Die ecuadorianischen Garnelenexporte sind 2025 um 20 Prozent auf den Rekordwert von 8,4 Milliarden Dollar gestiegen. Damit haben die Krustentiere erstmals Erdöl als wichtigstes Exportgut des südamerikanischen Landes abgelöst. Im Vorjahr beliefen sich die Garnelenverkäufe noch auf rund 7 Milliarden Dollar.
Jose Antonio Camposano, Präsident der ecuadorianischen Aquakulturkammer, führt den Erfolg auf zwei Faktoren zurück: kontinuierliche Investitionen in den Sektor sowie einen temporären Aufschwung durch US-Zölle gegen Indien. "Es war ein marginaler Effekt, da er nur die Vereinigten Staaten betraf", erklärt Camposano. Ecuador profitierte von niedrigeren Zollsätzen als der größte US-Garnelenlieferant Indien.
Der Branchenvertreter zeigt sich jedoch vorsichtig für die kommenden Monate. "Wir müssen abwarten, was in diesem Jahr mit den neu verhängten Zöllen passiert", sagt er. US-Präsident Trump kündigte Anfang Februar ein Handelsabkommen mit Indien an, das die Zölle auf indische Waren drastisch senkt. Im Gegenzug lockert Neu-Delhi Handelsbarrieren und stellt den Kauf von russischem Öl ein.
China bleibt wichtigster Abnehmer
Trotz der Bedeutung des US-Marktes bleibt China mit 48 Prozent der Hauptabnehmer ecuadorianischer Garnelen. Die Vereinigten Staaten haben ihren Anteil in den letzten Jahren auf 22 bis 23 Prozent gesteigert. "Das liegt daran, dass der Sektor in die Herstellung von Produkten mit höherer Wertschöpfung investiert hat", betont Camposano. Zusätzlich expandiert die Branche nach Japan und sichert Absatzmärkte in der Europäischen Union.
Für 2026 strebt die Industrie ein moderates Wachstum von etwa 5 Prozent an. "Das Marktverhalten hängt von mehreren Faktoren ab: unseren Wettbewerbern, die sehr aggressiv agieren, und der anhaltenden Zollproblematik unter Präsident Trump", erklärt der Verbandschef. Die Branche agiert angesichts externer Unsicherheiten vorsichtig.
Strukturwandel in Ecuadors Wirtschaft
Der Aufstieg der Garnelenindustrie kontrastiert mit dem Niedergang des traditionell dominierenden Ölsektors. Die ecuadorianischen Erdölexporte sanken zwischen Januar und November 2024 um 19 Prozent auf 7,18 Milliarden Dollar. Mangelnde Investitionen und externe Faktoren belasten die Produktion.
Die Nicht-Öl-Exporte wachsen hingegen seit 2023 kontinuierlich. Im vergangenen Jahr erreichten sie nach Regierungsangaben 29,4 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 18,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ecuador vollzieht damit einen bedeutenden wirtschaftlichen Strukturwandel weg von der Rohölabhängigkeit hin zu diversifizierten Exportgütern.
