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easyJet lehnt viertes Übernahmeangebot von Castlelake ab

Der Vorstand der Billigfluggesellschaft hält 650 Pence pro Aktie für eine erhebliche Unterbewertung des Unternehmens.

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easyJet lehnt viertes Übernahmeangebot von Castlelake ab

easyJet hat ein viertes Übernahmeangebot des Investors Castlelake abgelehnt. Das Angebot belief sich auf 650 Pence pro Aktie – ein Aufschlag von 4% gegenüber dem vorherigen Vorschlag von 625 Pence und 21% über dem Schlusskurs vom 24. Juni. Der Vorstand begründete die Ablehnung damit, dass die Bedingungen das Unternehmen erheblich unterbewerten.

Trotz der Ablehnung zeigt sich easyJet nun gesprächsbereit. Castlelake hat um Zugang zu begrenzten kommerziellen Informationen gebeten, was potenziell den Weg für ein attraktiveres Angebot ebnen könnte. Der Vorstand hat daraufhin eine Verlängerung der gesetzlichen Angebotsfrist beantragt, die nun auf den 5. Juli verschoben wurde. Die Aktien reagierten positiv und stiegen im frühen Handel um 5,3%.

Hintergrund: Bewertungsdruck durch geopolitische Spannungen

Die Bewertung von easyJet steht in diesem Jahr unter Druck – ausgelöst durch den US-Iran-Konflikt, der das Interesse von Castlelake an der Fluggesellschaft geweckt hat. Bisher haben das Management alle Übernahmeangebote mit der Begründung abgelehnt, dass sie das Unternehmen und seine Aussichten nicht angemessen widerspiegeln. Die Bereitschaft, nun begrenzte Geschäftsinformationen bereitzustellen, gilt als bedeutsames Signal.

Operativ hat easyJet zuletzt einige Stärken gezeigt. Die Billigfluggesellschaft modernisiert ihre Flotte mit neueren, effizienteren Flugzeugen und baut neue strategische Drehkreuze an beliebten Standorten wie Mailand und Rom auf. Gleichzeitig konnte die durchschnittliche Auslastung der verfügbaren Sitzplätze gesteigert werden.

Ein weiterer Wachstumstreiber sind die sogenannten Ancillary Revenues – also Zusatzerlöse aus Leistungen wie zusätzlichem Gepäck, mehr Beinfreiheit und Verpflegung an Bord. Dieses Segment gilt als besonders lukrativ, und das jüngste Wachstum war laut Analysebericht beeindruckend. Auch die Pauschalreise-Sparte liefert starke Ergebnisse: Der Umsatz wuchs mit hohen zweistelligen Raten, und die Vorsteuergewinne erreichten ihre Ziele früher als geplant – im vergangenen Jahr machte dieser Bereich mehr als ein Drittel des Gesamtergebnisses der Gruppe aus.

Treibstoffkosten und Schuldenentwicklung bleiben Belastungsfaktoren

Trotz dieser operativen Fortschritte steht easyJet vor erheblichen Herausforderungen. Das Unternehmen arbeitet mit einstelligen Margen und gibt historisch gesehen rund 25% seines Umsatzes für Treibstoff aus – damit gehört es zu den europäischen Fluggesellschaften, die besonders empfindlich auf Treibstoffpreisschwankungen reagieren. Die hohen Treibstoffpreise belasten sowohl die Kosten als auch die Nachfrage, was easyJet dazu veranlasst hat, einige Flugfrequenzen zu reduzieren und die Mindestticketpreise zu erhöhen.

Hinzu kommt die laufende Flottenmodernisierung, die erhebliche Investitionen erfordert. Da für die kommenden Jahre ein negativer freier Cashflow prognostiziert wird, dürften die Schulden steigen. Dividenden und Aktienrückkäufe könnten infolgedessen gekürzt werden. Die Bilanz gilt zwar derzeit als eine der stärksten in der Branche, doch die Rentabilität steht unter Druck.

Im Bereich ESG bewertet Sustainalytics das Risikomanagement von easyJet als stark ausgeprägt. Die Umweltrichtlinien sind fundiert, und die Vergütung der Führungskräfte ist explizit an Nachhaltigkeitsziele gekoppelt. Allerdings entspricht die allgemeine ESG-Berichterstattung des Unternehmens nicht den Best-Practice-Standards. Die Transportbranche insgesamt weist ein mittleres ESG-Risiko auf, wobei europäische Unternehmen dieses besser managen als andere.

Aus Bewertungssicht liegt das erwartete Kurs-Buchwert-Verhältnis für die nächsten zwölf Monate bei 1,08 – deutlich unter dem Zehnjahresdurchschnitt von 1,41. Die voraussichtliche Dividendenrendite beträgt 1,6%, verglichen mit einem Zehnjahresdurchschnitt von 3,0%. Kurzfristig dürfte die Übernahmeaktivität rund um Castlelake der entscheidende Treiber für die Marktstimmung bei der easyJet-Aktie bleiben.

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