DoorDash will Instacart übernehmen und rechnet mit langem Regulierungsweg
Die geplante Übernahme von Instacart durch DoorDash könnte sich bis 2028 hinziehen. Analysten zweifeln an schneller Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden.

DoorDash hat am Donnerstag offiziell angekündigt, Instacart übernehmen zu wollen. Für die Wall Street kommt dieser Schritt nicht völlig überraschend: Ein kürzlich veröffentlichter Bericht hatte bereits darauf hingewiesen, dass sich diese Transaktion ihrem Abschluss nähert. Die eigentliche Überraschung liegt für die Beobachter jedoch im Zeitplan, den das Unternehmen für die Abwicklung nennt.
Denn DoorDash rechnet damit, die Übernahme erst Ende 2027 oder im ersten Halbjahr 2028 abzuschließen. Das ist ein ungewöhnlich langer Horizont für eine bereits öffentlich angekündigte Transaktion. Der Analyst Scott Devitt von Rosenblatt Securities sieht darin ein klares Signal: Der späte Abschlusstermin deute auf einen „langen regulatorischen Weg" hin, den die beiden Unternehmen bei der Beantragung der Genehmigung für ihre Zusammenführung vor sich hätten.
Die beiden Unternehmen versprechen, dass ihre geplante Fusion kleineren Lebensmittelhändlern helfen wird, zu konkurrieren. Analysten bezweifeln jedoch, ob die Aufsichtsbehörden eine „verlängerte Prüfung" der wettbewerbsrechtlichen Risiken vornehmen werden. Genau diese Skepsis steht im Zentrum der aktuellen Debatte an den Märkten. Die Informationen stammen aus einem Bericht von MarketWatch, der am 29. Oktober 2026 veröffentlicht wurde.
Die Details
Die offizielle Ankündigung erfolgte an einem Donnerstag. Vorausgegangen war ein kürzlich veröffentlichter Bericht, der bereits auf eine bevorstehende Einigung hingedeutet hatte. Dass DoorDash und Instacart nun offiziell zusammenrücken wollen, war an der Wall Street daher nicht völlig überraschend.
Überraschend ist dagegen der angepeilte Zeitpunkt des Abschlusses: DoorDash erwartet, die Transaktion erst Ende 2027 oder im ersten Halbjahr 2028 abzuschließen. In der Zwischenzeit müssen beide Unternehmen die Genehmigung für ihre Zusammenführung beantragen.
Scott Devitt, Analyst bei Rosenblatt Securities, interpretiert diesen Zeitrahmen als Hinweis auf einen „langen regulatorischen Weg". Seine Einschätzung macht deutlich, dass die Prüfung durch die Wettbewerbsbehörden als der entscheidende Unsicherheitsfaktor gilt.
Als Begründung für den Zusammenschluss führen die Unternehmen an, dass die Fusion kleineren Lebensmittelhändlern helfen werde, zu konkurrieren. Ob die Aufsichtsbehörden diese Argumentation akzeptieren, ist offen. Analysten bezweifeln, dass eine „verlängerte Prüfung" der wettbewerbsrechtlichen Risiken ausbleibt – der lange Zeithorizont wird vielmehr als Indiz für eine gründliche Untersuchung gewertet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 23.05.2026 berichtete aktien.news, dass Uber und DoorDash Sondierungsgespräche mit Investoren des deutschen Essenslieferdienstes Delivery Hero über ein mögliches Übernahmeangebot geführt hatten. Grundlage war ein Bericht der Financial Times, die sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berief. Mehrere Investoren hätten signalisiert, dass sie für den deutschen Konzern einen Preis von über 40 Euro pro Aktie anstreben würden, hieß es damals.
Am 16.07.2026 folgte die nächste Wendung im Konsolidierungspoker: Uber Technologies Inc. gab eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme der deutschen Delivery Hero AG bekannt. Die Transaktion bewertete den Berliner Essenslieferdienst mit 14,8 Milliarden US-Dollar und sollte vollständig in bar abgewickelt werden. Uber bot den Aktionären von Delivery Hero 41,50 Euro je Aktie, ein Aufschlag von 8,7 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs vor der Ankündigung.
Am 30.07.2026 berichtete aktien.news über eine Entwicklung, die DoorDash-Anleger verunsicherte: Travis Kalanick, der umstrittene Uber-Gründer, sorgte mit seiner Holdinggesellschaft Atoms für Aufsehen, die eine Finanzierungsrunde über 1,7 Milliarden US-Dollar abschloss – ausgerechnet mit Uber als Eigenkapitalpartner. Zu diesem Zeitpunkt notierte die DoorDash-Aktie bei 193,53 US-Dollar bei einer Marktkapitalisierung von 84,3 Milliarden Dollar. Seit Jahresbeginn hatte die Aktie 15,76 Prozent verloren, im Vorjahr sogar 21,96 Prozent.
Am 01.10.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass DoorDash sein Geschäft deutlich über die Essenslieferung hinaus ausweitete. Die App kündigte an, ihr Sortiment um weitere Kleidung, Schuhe und andere Artikel zu erweitern. Zu den neuen Partnern zählten Timberland und Vans sowie Anthropologie, Macy's und The North Face. Die Aktie von DoorDash reagierte auf diese Nachricht mit einem Minus von 1,90 Prozent, auch Macy's verlor 2,15 Prozent.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die geplante Übernahme vor allem ein Timing-Thema. Der angepeilte Abschluss erst Ende 2027 oder im ersten Halbjahr 2028 bedeutet, dass die regulatorische Unsicherheit über einen langen Zeitraum bestehen bleibt. Analyst Devitt verweist ausdrücklich auf einen „langen regulatorischen Weg" – ein Signal, das Anleger bei der Bewertung des Vorhabens berücksichtigen dürften.
Hinzu kommt, dass DoorDash in einem Umfeld agiert, das von Konsolidierung geprägt ist. Die Übernahme von Delivery Hero durch Uber im Juli 2026 zeigt, wie stark sich der Markt für Lieferdienste in Bewegung befindet. Der jüngste Ausbau des Sortiments um Kleidung und Accessoires deutet zudem darauf hin, dass DoorDash sein Geschäftsmodell breiter aufstellen will.
Ob die Fusion mit Instacart kleineren Lebensmittelhändlern tatsächlich hilft, wie die Unternehmen behaupten, wird sich erst im Genehmigungsverfahren zeigen. Analysten bezweifeln, dass die Behörden auf eine „verlängerte Prüfung" verzichten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der entscheidende Termin ergibt sich aus dem Zeitplan des Unternehmens selbst: DoorDash und Instacart wollen die Genehmigung für ihre Zusammenführung beantragen und rechnen mit einem Abschluss Ende 2027 oder im ersten Halbjahr 2028. Bis dahin müssen sie die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Aufsichtsbehörden ausräumen.
Ob dies gelingt, ist offen. Der von Rosenblatt-Analyst Devitt beschriebene „lange regulatorische Weg" ist bislang die einzige konkrete Einschätzung, die zum erwarteten Prüfverfahren vorliegt. Ob die US-Regierung dem Zusammenschluss letztlich in den Weg tritt, bleibt damit vorerst ungeklärt.
Kurz erklärt
- Fusionskontrolle: Staatliche Prüfung, ob ein Zusammenschluss von Unternehmen den Wettbewerb unzulässig einschränkt.
- Wettbewerbsrecht: Rechtsgebiet, das fairen Wettbewerb sichern und marktbeherrschende Stellungen verhindern soll.
- Übernahme: Der Erwerb eines Unternehmens durch einen Käufer, häufig verbunden mit einer Genehmigungspflicht durch Aufsichtsbehörden.
