Deutsche Industrie: Stärkster Auftragseinbruch seit Pandemiebeginn
Konjunkturwarnsignal für deutsche Wirtschaft trotz optimistischer Prognosen

Die deutsche Industrie verzeichnete im März 2023 den größten Auftragseinbruch seit dem Ausbruch der Pandemie im April 2020. Das Neugeschäft fiel um 10,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat und überraschte Ökonomen, die lediglich einen Rückgang von 2,2 Prozent erwartet hatten. Experten sehen dies als konjunkturelles Warnsignal und ein Indiz für eine mögliche Rezession. Besonders betroffen war der "sonstige Fahrzeugbau", zu dem Schiffe, Flugzeuge sowie Militärfahrzeuge zählen. Im Februar hatte es in diesem Bereich noch einen kräftigen Anstieg gegeben.
Der Rückgang der Aufträge betraf hauptsächlich das Inlandsgeschäft, das um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurückging, während die Auslandsnachfrage um 13,3 Prozent einbrach. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht dennoch Signale für eine allmähliche Verbesserung der Lage und verweist auf die starken Schwankungen beim Auftragseingang in den letzten Monaten. Trotz des schwachen Schlussquartals 2022 und des volatilen Auftakts im Jahr 2023 erwartet das Ministerium weiterhin eine konjunkturelle Erholung im Laufe des Jahres. Ohne Großaufträge wäre das Auftragsminus insgesamt mit 7,7 Prozent geringer ausgefallen.
Experten wie LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch sehen in den aktuellen Zahlen ein Rezessionssignal. Auch Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer und Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank äußerten sich pessimistisch zu der Entwicklung. In wichtigen Branchen wie Autos und Kfz-Teilen, Metallerzeugung und Maschinenbau gab es ebenfalls weniger Bestellungen. Einzig bei den Herstellern von pharmazeutischen Erzeugnissen gab es einen Anstieg der Aufträge.
Die deutsche Industrie hatte im Februar noch ein starkes Auftragsplus von 4,5 Prozent verzeichnet. Der plötzliche Einbruch im März ist ein ernstzunehmendes Signal, das die Verletzlichkeit der deutschen Wirtschaft in Zeiten von Unsicherheit und Volatilität zeigt. Der Fortgang der Pandemie und politische Unsicherheiten könnten weiterhin die Auftragseingänge der deutschen Industrie beeinflussen.
