Deutsche Firmen zieht es in die USA
Deutsche Unternehmen folgen den US-Subventionen - Sorgen um Wettbewerbsnachteile in Europa

Unbezahlbarer Strom, die höchsten Steuern weltweit und Gesetze, die praktisch keine Handlungsfreiheit mehr bieten: Kein Wunder, dass es immer mehr deutsche Unternehmen zum Investieren in den USA zieht, zumal dort der "Inflation Reduction Act" von US-Präsident Joe Biden Milliardenhilfen für klimafreundliche Technologien vorsieht.
Großzügige Subventionen locken vor allem Unternehmen, die in den Bereichen Elektroautos, Wasserstoffproduktion oder Metallrecycling tätig sind. Der Energietechnik-Hersteller Siemens Energy plant beispielsweise Anlagen für die Wasserstoffwirtschaft in den USA anzusiedeln und der Autohersteller BMW erweitert und modernisiert sein Werk Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina. Auch der Autozulieferer Schaeffler sendet ähnliche Signale aus, indem er ankündigt, zukünftige Werke eher in Amerika zu bauen.
Die Liste deutscher Unternehmen, die große Investitionen in den USA planen oder bestehende Standorte ausbauen, wird immer länger. Der europäische Standortnachteil wird durch die hohen Energiepreise verschärft, wodurch die Investitionsmittel der USA für europäische Unternehmen zu einem Problem werden können. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht das ähnlich und plant mit Beihilfen und eigenen Investitionsprogrammen dagegenzusteuern, um im Wettbewerb bei "grünen" Technologien bestehen zu können. Detaillierte Beschlüsse sollen auf dem nächsten EU-Gipfel im März fallen.
Allerdings dauert es in Europa länger als in den USA, um die Entscheidungen umzusetzen. Der Branchenverband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) beobachtet einen deutlichen Unterschied in der Umsetzungsgeschwindigkeit und -überzeugung zwischen den USA und Europa. Der Chemiekonzern Evonik beispielsweise hat nach der Ankündigung der US-Regierung, zwei Drittel einer neuen Produktionsanlage subventionieren zu wollen, schnell entschieden, in den USA eine neue Anlage zur Produktion von pharmazeutischen Lipiden zu bauen.
Die Subventionen von Biden haben zu einem Subventionswettlauf geführt, bei dem auch Unternehmen mitpokern. US-Chiphersteller Intel fordert beispielsweise für den geplanten Bau einer Fabrik in Magdeburg weitere Fördergelder. Das Münchner ifo-Institut sieht die Entwicklung kritisch und fragt, ob es sinnvoll ist, in ein Projekt wie in Magdeburg, in eine einzelne Chipfabrik, sieben Milliarden an Subventionen zu stecken oder ob es besser wäre, mit dem Geld breit Forschung und Entwicklung zu fördern.
Indes geben deutsche Medien nicht auf: Sie schreiben, dass die Sorgen wegen eines Subventionswettlaufs und möglicher Wettbewerbsnachteile für die Produktion in Europa der wahrscheinliche Grund des Besuch von Kanzler Olaf Scholz in Washington sei und beim Treffen von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und US-Präsident Biden besprochen werden könnten. Immerhin hätten diese Woche bereits US-Finanzministerin Janet Yellen und Vize-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis darüber beraten, heißt es.
