Deutsche Börse startet 24/7-Handel für 40 Dax-Aktien über 360X
Privatanleger können Dax-Werte nun auch nachts und am Wochenende ordern – die Ausführung übernimmt die Plattform 360X.

Die Deutsche Börse ermöglicht seit heute den durchgängigen Handel mit 40 Dax-Aktien – auch außerhalb der regulären Börsenzeiten. Möglich wird das über ein kombiniertes Modell mit der Handelsplattform 360X, an der die Deutsche Börse und die Commerzbank beteiligt sind. Damit können Kunden erstmals rund um die Uhr Order für klassische Blue-Chip-Aktien aufgeben.
Nachts und am Wochenende übernimmt 360X die Orderausführung. In den europäischen Kernhandelszeiten liefert dagegen Xetra die Liquidität. Privatanleger geben ihre Order über ihre Hausbank auf – ein separates Konto bei einer neuen Plattform ist nicht nötig. Das Modell richtet sich ausdrücklich an Anleger, die bislang keinen Zugang zum Nacht- oder Wochenendhandel hatten.
Bisher lief der Haupthandel auf Xetra von 9.00 bis 17.30 Uhr. Seit Dezember 2025 gibt es bereits einen erweiterten Früh- und Späthandel von 8.00 bis 22.00 Uhr. Mit dem heutigen Start geht die Deutsche Börse einen weiteren Schritt und dehnt den Handel auf die Zeit außerhalb dieser Fenster aus.
Die Details
Im Zentrum steht die Zahl 40: So viele Dax-Aktien sind in das neue 24/7-Angebot einbezogen. Die technische Abwicklung läuft über 360X, eine Handelsplattform, die 2021 gegründet wurde und an der neben der Deutschen Börse auch die Commerzbank beteiligt ist. Xetra bleibt nach Angaben der Deutschen Börse die zentrale Handelsplattform des Konzerns.
Das Modell ist zweigeteilt aufgebaut. Tagsüber, in den europäischen Kernhandelszeiten, kommt die Liquidität von Xetra. Außerhalb dieser Zeiten springt 360X ein und übernimmt die Orderausführung – also in den Nachtstunden und am Wochenende. Beide Bausteine greifen ineinander, ohne dass Anleger zwischen verschiedenen Zugängen wählen müssten.
Wichtig für den laufenden Betrieb: Die Kernprozesse von Xetra bleiben unberührt, und die regulären Auktionszyklen werden beibehalten. Die Deutsche Börse betont zudem, dass Schlusskurse auf 360X außerhalb der Handelszeiten weder Einfluss auf die Eröffnungskurse noch auf die Eröffnungsauktionen auf Xetra haben. Anleger, die sich an den Xetra-Kursen orientieren, müssen sich also nicht auf veränderte Referenzwerte einstellen.
Eric Leupold von der Deutschen Börse formuliert das Ziel des Projekts deutlich: "Die Deutsche Börse Group hat das Ziel, die erste europäische Finanzmarktinfrastruktur zu sein, die ein 24/7-Angebot für klassische Blue-Chip-Aktien ermöglicht." Der Konzern selbst spricht von einem "wichtigen Schritt hin zu einer rund um die Uhr verfügbaren europäischen Marktinfrastruktur".
Hintergrund: Was bisher geschah
Der Schritt fällt nicht aus heiterem Himmel. Bereits am 14.03.2026 berichtete aktien.news, dass die Nasdaq eine Partnerschaft mit der Kryptobörse Kraken angekündigt hat, um tokenisierte Aktien anzubieten und Anlegern den Handel mit digitalen Versionen von Aktien rund um die Uhr zu ermöglichen. Kraken sollte dabei als Vertriebspartner fungieren und die Token zunächst Kunden in Europa und weltweit zugänglich machen.
Am 25.04.2026 meldete aktien.news, dass der Chef der Deutschen Börse vor einem unkritischen Schritt in Richtung 24/7-Handel warnte. Hintergrund war der wachsende Druck durch Kryptowährungen und neue Technologien, die bei Privatanlegern weltweit die Erwartung geweckt haben, jederzeit und überall handeln zu können. Klassische Handelsplätze gerieten dadurch zunehmend unter Zugzwang.
Auch in London bewegte sich etwas: Am 21.07.2026 berichtete aktien.news über Pläne der London Stock Exchange, eine eigenständige Plattform für nahezu rund um die Uhr möglichen Handel einzurichten. LSE-Chefin Julia Hoggett begründete den Schritt mit einer gestiegenen Nachfrage, insbesondere von Privatanlegern. Vorgesehen waren Handelszeiten von 17.00 Uhr bis 7.50 Uhr britischer Zeit, zunächst für ETFs auf britische und US-amerikanische Werte.
Und in den USA weitete die Cboe Global Markets die Handelszeiten aus: Am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass Anleger Optionen auf 24 der aktivst gehandelten Unternehmen und fünf börsengehandelte Fonds künftig zwischen 7:30 Uhr und 9:25 Uhr ET sowie von 16:00 Uhr bis 16:15 Uhr ET handeln können. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte der Maßnahme bereits im Mai zugestimmt.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger ändert sich vor allem der Zugang: Wer Dax-Aktien außerhalb der klassischen Börsenzeiten kaufen oder verkaufen möchte, kann dies über seine Hausbank tun. Ein separater Zugang zu einer neuen Plattform ist nicht erforderlich. Das kombinierte Modell ist genau auf diese Gruppe zugeschnitten – also auf Anleger, die bislang keinen Nachtzugang hatten.
Zu beachten ist die Arbeitsteilung: In den europäischen Kernhandelszeiten kommt die Liquidität von Xetra, außerhalb dieser Zeiten übernimmt 360X die Ausführung. Wer außerhalb der Kernzeiten handelt, sollte sich bewusst sein, dass er es mit einem anderen Ausführungsweg zu tun hat als tagsüber. Die regulären Auktionszyklen auf Xetra bleiben bestehen, und die dortigen Eröffnungskurse werden durch Schlusskurse auf 360X außerhalb der Handelszeiten nicht beeinflusst.
Praktisch heißt das: Der vertraute Xetra-Mechanismus mit seinen Auktionen und Referenzkursen bleibt die Grundlage des Handels. Das 24/7-Angebot erweitert lediglich das Zeitfenster, in dem Order aufgegeben und ausgeführt werden können. Anleger, die ihre Strategie an den klassischen Handelszeiten ausrichten, müssen ihre Gewohnheiten daher nicht umstellen.
Ein Hinweis zur Einordnung: Die Deutsche Börse verweist in diesem Zusammenhang auf einen weiteren Artikel zu längeren Handelszeiten. Wer sich grundsätzlich mit dem Thema beschäftigt, findet dort zusätzliche Hintergründe zur Entwicklung der Handelszeiten.
Ausblick
Das erklärte Ziel der Deutschen Börse Group ist es, die erste europäische Finanzmarktinfrastruktur mit einem 24/7-Angebot für klassische Blue-Chip-Aktien zu sein. Mit dem heutigen Start für 40 Dax-Aktien ist ein erster Baustein dieses Vorhabens umgesetzt. Wie sich das Angebot darüber hinaus entwickelt, ist in den vorliegenden Informationen nicht festgehalten.
Kurz erklärt
- Blue-Chip-Aktien: Aktien großer, bekannter und stark gehandelter Unternehmen, die an einer führenden Börse notiert sind.
- Liquidität: Die Eigenschaft eines Marktes, Wertpapiere jederzeit in ausreichendem Umfang kaufen oder verkaufen zu können.
- Auktion: Ein Handelsverfahren, bei dem zu festgelegten Zeitpunkten ein einheitlicher Preis für ein Wertpapier ermittelt wird.
