Deutsche Bank stuft Interactive Brokers mit Kaufempfehlung und 102-Dollar-Kursziel ein
Die Deutsche Bank sieht bei Interactive Brokers rund 18% Aufwärtspotenzial und lobt die globale Marktstellung des Online-Brokers.

Die Deutsche Bank hat die Beobachtung von Interactive Brokers (IBKR) mit einer Kaufempfehlung („Buy") und einem Kursziel von 102 US-Dollar aufgenommen. Das geht aus einer Mitteilung vom Montag hervor. Das Kursziel impliziert ein Aufwärtspotenzial von rund 18% gegenüber dem aktuellen Kurs. Analyst Brian Bedell begründet die positive Einschätzung mit der starken Wettbewerbsposition des Unternehmens im globalen Brokerage-Markt.
„Wir betrachten IBKR als eine der am besten positionierten Brokerage-Plattformen, um vom anhaltenden globalen Trend hin zu eigenverantwortlichem und professionellem Investieren zu profitieren", erklärte Bedell. Er verwies dabei auf das kostengünstige Angebot, die breite Multi-Asset-Produktpalette, den globalen Marktzugang sowie die hochautomatisierte Technologieplattform. Diese Faktoren hätten ein branchenführendes Wachstum bei den Konten und dem Kundenvermögen unterstützt.
Die Details
Bedell hob mehrere konkrete Wettbewerbsvorteile hervor. Rund 40% des Umsatzes von Interactive Brokers stammt aus dem Ausland, wobei das Unternehmen Zugang zu 170 Märkten weltweit bietet. Der Kundenstamm setzt sich vorwiegend aus aktiven und anspruchsvollen Tradern zusammen – eine Gruppe, die den Handel auch in Marktphasen mit fallenden Kursen fortsetzen dürfte und damit eine stabilere Einnahmebasis als bei reinen Privatanleger-Plattformen bildet.
Besonders hervor sticht der Automatisierungsgrad des Unternehmens: Dieser ist laut Bedell schneller gewachsen als bei der Konkurrenz und unterstützt operative Margen im Bereich von 75% bis 80%. Solche Margen sind im Finanzdienstleistungssektor außergewöhnlich hoch und zeugen von einer effizienten Kostenstruktur. Darüber hinaus sieht der Analyst Interactive Brokers als einen der am besten positionierten Online-Broker, um vom aufkommenden Wachstum in Prognosemärkten zu profitieren.
Ein weiteres zentrales Argument der Deutschen Bank ist die Gewinnwachstumshistorie von Interactive Brokers. Das Unternehmen habe die beständigste Gewinnwachstumshistorie innerhalb der von der Deutschen Bank beobachteten Online-Broker erzielt – mit sechs aufeinanderfolgenden Jahren zweistelligen Wachstums von durchschnittlich mehr als 25% pro Jahr. Bedell erwartet, dass dieses Tempo bis 2027 anhält. Für 2028 und 2029 sieht sein Modell zwar eine Verlangsamung auf einen niedrigen zweistelligen Bereich vor, doch selbst das würde ein volles Jahrzehnt mit zweistelligem jährlichem Gewinnwachstum bedeuten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 14. Mai 2026 berichtete aktien.news, dass Interactive Brokers eine neue Plattform für Prognosemärkte gestartet hat, über die Nutzer Ja-Nein-Wetten auf Ereignisse in den Bereichen Wahlen, Klima und Wirtschaft platzieren können. Der Broker greift dabei auf Angebote von Kalshi, der CME Group und der hauseigenen Tochter ForecastEx zurück. Dieses Engagement in Prognosemärkten ist ein Bereich, den auch die Deutsche Bank nun als Wachstumstreiber hervorhebt.
Am 27. Mai 2026 ordnete aktien.news die Strategie von Interactive Brokers im Vergleich zu Wettbewerbern wie Robinhood und Coinbase ein. Der Bericht betonte, dass IBKR über Jahrzehnte ein Ökosystem rund um aktive Trader, professionelle Berater, Institutionen, Hedgefonds, Margin-Lending und globale Kapitalströme aufgebaut habe – eine Kombination, die schwer zu replizieren sei.
Am 18. September 2026 berichtete aktien.news zudem, dass eine Leitzinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve um einen Viertelpunkt Interactive Brokers jährlich rund 81 Millionen US-Dollar zusätzliches Nettozinsergebnis einbringt. Dies verdeutlicht, wie stark das Geschäftsmodell von IBKR auch von makroökonomischen Faktoren wie dem Zinsniveau profitiert.
Am 4. Oktober 2026 berichtete aktien.news im Vorfeld der Q3-Zahlen, dass die Interactive-Brokers-Aktie zu diesem Zeitpunkt bei rund 88 US-Dollar notierte und damit etwa 11% unter dem 52-Wochen-Hoch von 98,75 US-Dollar lag. Das nun von der Deutschen Bank ausgegebene Kursziel von 102 US-Dollar läge damit deutlich über diesem früheren Höchststand.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Einschätzung der Deutschen Bank aus mehreren Gründen relevant. Interactive Brokers ist zwar ein US-amerikanisches Unternehmen, aber mit Zugang zu 170 Märkten und einem internationalen Kundenstamm auch für europäische Anleger ein bekannter Name. Die Aktie ist an US-Börsen gelistet und für deutsche Anleger über entsprechende Depots handelbar.
Die operative Marge von 75% bis 80% ist ein Qualitätsmerkmal, das Interactive Brokers von vielen Wettbewerbern abhebt. Kombiniert mit dem globalen Wachstumstrend hin zu eigenverantwortlichem Investieren – ein Trend, der auch in Deutschland durch den Boom bei Neobroker und ETF-Sparplänen sichtbar ist – erscheint die Wachstumsstory strukturell untermauert. Anleger sollten jedoch beachten, dass Analysteneinschätzungen keine Garantie für künftige Kursentwicklungen darstellen und eigene Recherche unerlässlich bleibt.
Ausblick
Analyst Brian Bedell erwartet, dass das zweistellige Gewinnwachstum von Interactive Brokers bis 2027 anhält. Für die Jahre 2028 und 2029 prognostiziert sein Modell eine Verlangsamung auf einen niedrigen zweistelligen Bereich. Bedell betonte zudem, dass das Tempo der Produktinnovationen hoch bleibe und das Management weiterhin fortschrittlichere Funktionen für die Kunden entwickle. Das Engagement in Prognosemärkten gilt dabei als einer der aufkommenden Wachstumsbereiche, den das Unternehmen aktiv erschließt.
Kurz erklärt
- Kursziel: Eine von Analysten berechnete Preismarke, die angibt, welchen Kurs eine Aktie in einem bestimmten Zeitraum erreichen könnte.
- Operative Marge: Das Verhältnis des operativen Gewinns zum Umsatz, das zeigt, wie effizient ein Unternehmen wirtschaftet.
- Prognosemärkte: Handelsplattformen, auf denen Teilnehmer auf den Ausgang zukünftiger Ereignisse wetten und so Wahrscheinlichkeiten abbilden.
