Delta Air Lines senkt Jahresprognose wegen explodierender Kerosinkosten drastisch
Trotz Rekordumsätzen von 17,6 Milliarden Dollar im dritten Quartal drücken explodierende Treibstoffpreise Delta Air Lines in die Knie.

Delta Air Lines hat seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr drastisch gesenkt. Der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Preisanstieg bei Kerosin wird die US-Fluggesellschaft in diesem Jahr zusätzliche 6 Milliarden US-Dollar kosten. Damit steht die Airline trotz glänzender Umsatzzahlen vor einer massiven Ergebnisbelastung.
Die Umsätze stiegen bis Ende September im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 17,6 Milliarden US-Dollar. Zahlungskräftige Konsumenten und Geschäftsreisende ignorierten höhere Flugpreise und fragten stattdessen Zusatzleistungen wie modernisierte Lounges und Premium-Sitzplätze nach. Dennoch sank der Nettogewinn im gleichen Zeitraum um fast die Hälfte, weil die Treibstoffkosten um 69 Prozent in die Höhe schnellten.
Die Details
Delta hat seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr um fast ein Viertel gesenkt. Die neue Spanne beim Gewinn pro Aktie liegt bei 5,10 bis 5,60 US-Dollar – gegenüber einem Ausblick von 6,50 bis 7,50 US-Dollar, der noch vor drei Monaten ausgegeben worden war. Das entspricht einer erheblichen Korrektur nach unten in kürzester Zeit.
US-Kerosin erreichte am Donnerstag einen Preis von 4,71 US-Dollar pro Gallone – den höchsten Stand seit April. Dieser Anstieg geschah vor dem Hintergrund von Anzeichen, dass eine kurze Erholung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus wieder abebbt. Für das vierte Quartal rechnet Delta mit einem durchschnittlichen Kerosinpreis von 4,25 US-Dollar pro Gallone. Unmittelbar vor dem Beginn des Militärschlags der USA und Israels gegen den Iran Ende Februar hatte der Preis noch bei etwa 2,50 US-Dollar pro Gallone gelegen.
Finanzvorstand Erik Snell erklärte, die herabgesetzte Prognose sei ausschließlich auf die Treibstoffpreise zurückzuführen, die höher ausfielen, als der Markt im Juli erwartet hatte. Er sieht zudem „Grund zu der Annahme, dass [die Preise] über einen gewissen Zeitraum hinweg längerfristig höher bleiben würden". Snell betonte jedoch auch, dass Delta seine Treibstoffkosten in diesem Jahr um rund 700 Millionen US-Dollar abgemildert habe, da das Unternehmen eine eigene Ölraffinerie besitzt. Dies verringere die Abhängigkeit von Käufen auf dem freien Markt. Zusätzlich habe Delta Verluste durch Kapazitätsreduzierungen und Preiserhöhungen begrenzt sowie sein Premium-Angebot ausgeweitet. „Dass wir das Ergebnis des Vorjahres trotz einer um 60 Prozent höheren Treibstoffrechnung erreichen, ist wirklich unglaublich", sagte Snell.
Im Gegensatz zu europäischen Fluggesellschaften betreiben US-Airlines kein Hedging für Kerosin. Dadurch waren sie in diesem Jahr den stark steigenden Preisen stärker ausgesetzt als ihre europäischen Wettbewerber, die sich durch Absicherungsgeschäfte zumindest teilweise vor Preissprüngen schützen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Prognosesenkung ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die sich seit Monaten abzeichnet. Bereits am 8. und 9. April 2026 berichtete aktien.news, dass Delta seinen ersten Quartalsverlust seit fast drei Jahren gemeldet hatte. Damals stiegen die Treibstoffausgaben im abgelaufenen Quartal um 330 Millionen US-Dollar. Für das folgende Quartal rechnete die Airline bereits mit einem weiteren Anstieg der Treibstoffkosten um insgesamt 2 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Delta kündigte damals höhere Flugpreise und ein reduziertes Flugangebot an.
Am 10. April 2026 ordnete aktien.news ein, dass die großen Fluggesellschaften heute strukturell robuster aufgestellt sind als noch vor einigen Jahrzehnten. Delta reagierte gemeinsam mit der Konkurrenz auf den gestiegenen Kostendruck: Gepäckgebühren und Flugpreise wurden erhöht, weniger profitable Strecken gestrichen.
Am 10. Juli 2026 meldete aktien.news dann eine zwischenzeitliche Entspannung: Delta bestätigte seine Jahresprognose und gab einen über den Erwartungen liegenden Ausblick für das dritte Quartal. Finanzvorstand Snell erklärte damals, die Fluggesellschaft habe im zweiten Quartal etwa 60 Prozent des Anstiegs der Treibstoffkosten durch Preiserhöhungen ausgeglichen. Diese Zuversicht hat sich nun als verfrüht erwiesen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die Delta-Aktien halten oder beobachten, verdeutlicht die aktuelle Entwicklung das strukturelle Risiko von Airline-Investments: Selbst bei Rekordumsätzen können explodierende Rohstoffkosten den Gewinn halbieren. Delta ist zwar durch die eigene Ölraffinerie besser abgesichert als viele Wettbewerber, doch auch dieser Puffer reicht bei einem Kerosinpreisanstieg dieser Größenordnung nicht aus.
Die Tatsache, dass US-Airlines grundsätzlich kein Kerosin-Hedging betreiben, unterscheidet sie strukturell von europäischen Konkurrenten wie Lufthansa oder Ryanair. Europäische Gesellschaften können sich durch Termingeschäfte zumindest für einen begrenzten Zeitraum gegen Preissprünge absichern. US-Airlines tragen das volle Marktpreisrisiko – was in Phasen steigender Energiepreise zu deutlich stärkeren Ergebnisschwankungen führt.
Die Prognosesenkung um fast ein Viertel innerhalb von nur drei Monaten zeigt zudem, wie schnell sich das Umfeld für Fluggesellschaften verändern kann. Anleger sollten die geopolitische Lage im Nahen Osten und die Entwicklung der Kerosinpreise als wesentliche Einflussfaktoren für die Branche im Blick behalten.
Ausblick
Delta rechnet für das vierte Quartal mit einem durchschnittlichen Kerosinpreis von 4,25 US-Dollar pro Gallone. Finanzvorstand Snell geht davon aus, dass die Treibstoffpreise über einen gewissen Zeitraum hinweg längerfristig höher bleiben werden. Konkrete Termine für weitere Unternehmensmitteilungen oder Quartalsergebnisse wurden im Quelltext nicht genannt.
Kurz erklärt
- Kerosin-Hedging: Absicherungsstrategie, bei der Fluggesellschaften Treibstoff über Termingeschäfte zu einem festgelegten Preis für die Zukunft einkaufen, um sich vor Preisschwankungen zu schützen.
- Gewinn pro Aktie (EPS): Kennzahl, die den auf eine einzelne Aktie entfallenden Unternehmensgewinn angibt und als wichtiger Maßstab für die Profitabilität eines Unternehmens gilt.
- Straße von Hormus: Meerenge zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports verläuft und deren Sicherheitslage die Energiepreise beeinflusst.
