DeepSeek erwägt Verdopplung der Finanzierungsrunde auf 15 Milliarden Dollar
Das chinesische KI-Startup DeepSeek könnte bis zu 100 Milliarden Yuan einsammeln – doppelt so viel wie ursprünglich geplant.

Das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek erwägt, seine laufende Finanzierungsrunde auf bis zu 100 Milliarden Yuan ($14,9 Milliarden) auszuweiten. Das entspricht dem Doppelten des ursprünglichen Ziels von 50 Milliarden Yuan. Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber CNBC berichteten, haben staatlich geförderte Fonds und Unternehmensinvestoren großes Interesse an einer Beteiligung signalisiert.
Der Finanzierungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Die endgültige Summe könne sich bis zum Abschluss der Gespräche noch ändern, hieß es von den Insidern, die aufgrund der Vertraulichkeit der Verhandlungen anonym bleiben wollten. Die Gespräche stünden jedoch kurz vor dem Abschluss.
Parallel berichtete Bloomberg am frühen Dienstag, dass DeepSeek kurz davor stehe, mindestens 80 Milliarden Yuan zu sichern – mit Tencent und dem Batteriehersteller CATL als größten Unterstützern. Ein Börsengang werde für Anfang 2027 angestrebt.
Die Details
DeepSeek verzeichnet laut den Insidern starkes Interesse von staatlich geförderten Fonds, Investmentarmen börsennotierter chinesischer Unternehmen sowie Risikokapitalgesellschaften. Das Unternehmen prüft potenzielle Investoren jedoch genau: Private Investmentfonds von Einzelanlegern werden abgewiesen, der Kreis der Geldgeber bleibt weitgehend auf staatliche und unternehmenseigene Fonds beschränkt.
Konkret haben CATL, Geely Auto sowie die Investmentmanager Monolith Management und Loyal Valley Capital Kapital für die aktuelle Runde zugesagt, wie eine der mit CNBC sprechenden Personen erklärte. DeepSeek, CATL, Geely Auto, Monolith Management und Loyal Valley Capital reagierten nicht auf Anfragen von CNBC zur Stellungnahme.
Die Runde, deren Abschluss ursprünglich für Ende August erwartet worden war, hat länger gedauert als geplant. Als Grund nannten Insider, dass einige potenzielle Investoren beim Preis gezögert hätten. DeepSeek strebt für diese Runde eine Bewertung von etwa 500 Milliarden Yuan bzw. $75 Milliarden an. Das neueste Modell des Unternehmens, V4, 1 Flash, wurde im September veröffentlicht und ist laut DeepSeek auf höhere Leistungsfähigkeit und schnellere Inferenz ausgelegt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 8. Mai 2026 berichtete aktien.news, dass DeepSeek in seiner ersten Finanzierungsrunde bis zu 50 Milliarden Yuan einsammeln wollte – damals als potenziell größte Finanzierungsrunde eines chinesischen KI-Unternehmens überhaupt eingestuft. Gründer Liang Wenfeng plante Insidern zufolge, selbst den größten Einzelbeitrag zu leisten.
Am 3. Juni 2026 meldete aktien.news, dass DeepSeek kurz vor dem Abschluss dieser ersten Runde stand. Zu den potenziellen Geldgebern zählten demnach bereits Tencent Holdings und CATL. Die Finanzierung sollte DeepSeek mit einem Wert zwischen 350 und 400 Milliarden Yuan bewerten. Die erste externe Finanzierungsrunde wurde im Juni abgeschlossen, wobei rund 50 Milliarden Yuan eingesammelt wurden. Ein Investorendokument im Zusammenhang mit dieser Runde deutete auf eine Bewertung von etwa 350 Milliarden Yuan hin.
Am 18. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass DeepSeek bereits eine weitere Finanzierungsrunde mit einer Bewertung von rund 500 Milliarden Yuan plane – im Vorfeld eines möglichen Börsengangs auf dem chinesischen Festland. Die nun bestätigten Gespräche über die aktuelle Runde fügen sich damit in eine Entwicklung ein, die DeepSeek in kurzer Zeit von einem unbekannten Startup zu einem der meistdiskutierten KI-Unternehmen weltweit gemacht hat.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist DeepSeek derzeit nicht direkt investierbar, da das Unternehmen noch nicht börsennotiert ist und die laufende Finanzierungsrunde ausdrücklich auf staatliche und unternehmenseigene Fonds beschränkt wird. Private Investmentfonds von Einzelanlegern werden aktiv abgewiesen.
Indirekt sind jedoch einige der beteiligten Unternehmen an westlichen Börsen oder über Zertifikate handelbar. CATL etwa ist an der Hongkonger Börse notiert und zählt zu den bestätigten Investoren der Runde. Tencent, das laut Bloomberg ebenfalls zu den größten Unterstützern gehört, ist ebenfalls in Hongkong gelistet.
Relevant für das Marktumfeld ist zudem, dass DeepSeek im Januar 2025 einen Ausverkauf bei US-Technologieaktien ausgelöst hatte, nachdem das Unternehmen KI-Modelle veröffentlicht hatte, die mit amerikanischen Konkurrenzprodukten bei weitaus geringeren Kosten konkurrierten. Die wachsende Stärke chinesischer KI-Unternehmen bleibt damit ein Faktor, den Anleger mit Positionen im globalen Technologiesektor im Blick behalten sollten.
Gründer Liang Wenfeng erklärte Investoren bei einem privaten Treffen im Juli, dass er der Entwicklung der Technologie hin zu einer künstlichen allgemeinen Intelligenz (AGI) Vorrang vor der Gewinnmaximierung einräume. Die Gespräche über die aktuelle Runde wurden kurzzeitig ausgesetzt, nachdem Liang Berichten zufolge in einem privaten Investorentreffen gesagt hatte, dass chinesische KI-Unternehmen noch weit hinter ihren US-Pendants zurücklägen und stark von Nvidia-Chips abhängig seien.
Ausblick
DeepSeek hat CITIC Securities beauftragt, einen möglichen Börsengang am STAR Market in Shanghai vorzubereiten, wie Reuters im September berichtete. Ein Börsengang wird für Anfang 2027 angestrebt. Damit würde DeepSeek an jenem Marktsegment notieren, das in China als Pendant zur US-amerikanischen Nasdaq gilt und auf technologieorientierte Wachstumsunternehmen ausgerichtet ist.
Auch der inländische Konkurrent Moonshot AI strebt laut Bloomberg-Berichten vom Dienstag einen Börsengang für Anfang 2027 an, nachdem das Unternehmen Kapital auf Basis einer Bewertung von $50 Milliarden aufgenommen hat. Der chinesische KI-Sektor bereitet sich damit auf eine Welle von Börsengängen vor, die das globale Investoreninteresse an der Branche weiter befeuern dürfte.
Kurz erklärt
- AGI (Künstliche Allgemeine Intelligenz): Ein theoretisches KI-System, das menschliche kognitive Fähigkeiten in allen Bereichen gleichwertig oder übertreffen kann.
- STAR Market: Chinesisches Börsensegment in Shanghai, das auf innovative Technologieunternehmen ausgerichtet ist und als chinesisches Pendant zur Nasdaq gilt.
- Inferenz: Der Prozess, bei dem ein trainiertes KI-Modell auf neue Eingaben angewendet wird, um Ergebnisse oder Antworten zu erzeugen.
