CSN startet verbindliche Gebotsphase für Zementsparte in Kürze
Brasiliens Stahlriese CSN erwartet verbindliche Angebote für seine Zementsparte – ein Milliardendeal mit globalen Bietern zeichnet sich ab.

Der brasilianische Stahlhersteller CSN (Companhia Siderúrgica Nacional) steht kurz davor, verbindliche Angebote für seine Zementsparte entgegenzunehmen. Finanzvorstand Marco Rabello bestätigte gegenüber Reuters, dass die Phase der verbindlichen Gebote in etwas mehr als einem Monat beginnen soll – unmittelbar nach dem Eingang der unverbindlichen Angebote und der Auswahl der Kandidaten für die nächste Runde. Der Prozess ist Teil einer umfassenden Strategie des Unternehmens zum Schuldenabbau.
Laut zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen könnte CSN mit dem Verkauf seiner Zementsparte mehr als 10 Milliarden Reais – umgerechnet rund 2 Milliarden US-Dollar – erzielen. Unverbindliche Angebote werden demnach Ende April erwartet, während verbindliche Angebote bis Ende Juni vorliegen sollen. Rabello erklärte zudem, dass der Abschluss der Transaktion und die Auszahlung der Mittel noch bis zum Jahresende erfolgen könnten – vorbehaltlich der Genehmigung durch die brasilianische Wettbewerbsbehörde.
Breites internationales Bieterfeld
Der Verkaufsprozess zieht sowohl lokale als auch internationale Interessenten an. Auf brasilianischer Seite sind dem Vernehmen nach Votorantim und J&F S.A. – das Konglomerat, das auch den Fleischverarbeiter JBS kontrolliert – in die Gespräche eingebunden. Eine der Quellen gab an, dass J&F ein potenzielles Angebot von 10 Milliarden Reais für den Vermögenswert diskutiere. Votorantim könnte dabei entweder allein oder gemeinsam mit einem Partner bieten.
Aus China sollen gleich drei namhafte Zementkonzerne Interesse bekundet haben: Anhui Conch Cement, Huaxin Cement – das 2024 bereits ein brasilianisches Unternehmen erwarb – sowie Sinoma International. Das Interesse der chinesischen Unternehmen wurde zunächst von der brasilianischen Zeitung Valor Econômico berichtet und anschließend von Reuters unabhängig bestätigt. Darüber hinaus sollen auch Bieter aus Italien und Mexiko am Prozess beteiligt sein, was den Wettbewerb um die Zementsparte weiter verschärft.
Alle genannten Quellen lehnten es ab, namentlich zitiert zu werden, da die Informationen vertraulich seien. Votorantim und J&F lehnten eine offizielle Stellungnahme ab. Anhui Conch, Huaxin und Sinoma reagierten nicht auf Anfragen.
CSN setzt auf Schuldenabbau durch Verkäufe
Der Verkauf der Zementsparte ist nicht die einzige Transaktion, die CSN derzeit vorantreibt. Anfang des Jahres hatte Finanzvorstand Rabello bereits bekanntgegeben, dass das Unternehmen Morgan Stanley mit der Beratung beim Verkauf der Mehrheit an CSN Cimentos beauftragt hat. Für den Verkaufsprozess rund um das konzerneigene Logistikunternehmen wurden Bradesco und Citibank mandatiert.
CSN ist einer der größten integrierten Stahlhersteller Lateinamerikas und in verschiedenen Sektoren aktiv, darunter Stahl, Bergbau, Zement, Energie und Logistik. Der geplante Zementverkauf verdeutlicht den Trend unter brasilianischen Industriekonzernen, sich auf Kerngeschäfte zu konzentrieren und durch den Abbau von Schulden die Bilanz zu stärken. Für internationale Investoren – insbesondere aus China – bietet der brasilianische Zementmarkt attraktive Wachstumsperspektiven in einer der größten Volkswirtschaften Lateinamerikas.
