Cramer: Goldman-Kursziel für SpaceX signalisiert wachsende Zuversicht
CNBC-Moderator Jim Cramer deutet die Anhebung des Goldman-Sachs-Kursziels als Validierung des Bullenfalls für SpaceX.

Jim Cramer, Moderator der CNBC-Sendung „Mad Money“, sieht in der jüngsten Anhebung des Kursziels für SpaceX durch Goldman Sachs ein Signal dafür, dass die ehrgeizige Vision von Elon Musk für das Unternehmen schneller Wirklichkeit werden könnte, als die Anleger erwartet hatten. „Die Wall Street beginnt, den Bullenfall für SpaceX zu validieren“, sagte Cramer am Mittwoch. Für ihn ist die Entscheidung der Investmentbank ein Hinweis darauf, dass die ursprüngliche Bewertung zunehmend glaubwürdiger wird.
Goldman Sachs hatte in einem Bericht vom Dienstag sein Kursziel für die Aktie von 220 auf 230 US-Dollar pro Aktie angehoben und die Kaufempfehlung bekräftigt. Cramer griff die Nachricht in seiner Sendung auf: „Kursziel erhöht, Space Exploration Technologies. Machen Sie sich damit vertraut.“ Das neue Ziel impliziert eine Aufwärtsdynamik von etwa 37 Prozent gegenüber dem Schlusskurs am Mittwoch und liegt rund 5 US-Dollar pro Aktie über dem Allzeithoch von 225,64 US-Dollar, das am 16. Juni markiert wurde – nur wenige Tage nach dem rekordverdächtigen Börsengang.
Cramer betonte, die Bedeutung des Goldman-Aufrufs gehe über den zusätzlichen Wert von 10 US-Dollar pro Aktie hinaus. Kurz nach dem Rekordhoch geriet SpaceX in Schwierigkeiten. Als die Aktie Anfang August mit einem Tief von 104,83 US-Dollar notierte, schien das ursprüngliche Kursziel von 220 US-Dollar eher aspirational als analytisch begründet zu sein. Dass Goldman sein Ziel nun anpasst, obwohl der Kurs noch deutlich darunter liegt, wertet Cramer als Zeichen wachsender Substanz.
Die Details
Im Zentrum der jüngsten Debatte steht das Rechenzentrumsgeschäft von SpaceX. Das Unternehmen generiert Einnahmen, indem es überschüssige Rechenleistung an Firmen wie Anthropic und Google (Alphabet) vermietet. Dieses Geschäft scheint auf dem Weg zu sein, einen noch größeren Teil des Bullenfalls auszumachen. Medienberichten zufolge versucht SpaceX, zusätzliche 40 Milliarden US-Dollar aufzubringen, um mehr Nvidia-Chips zu kaufen und seine Operationen auszuweiten.
Die Financial Times, die zuerst über die Geschichte berichtete, schrieb, der Deal könnte 10 Milliarden US-Dollar an Bankdarlehen und zusätzliche 30 Milliarden US-Dollar an Investment-Grade-Anleihen umfassen. Cramer kommentierte: „Warum nicht? Musk kann diese Chips sofort monetarisieren. SpaceX könnte bei diesem Tempo zu Nvidias größtem Kunden werden. Das ist fantastische Neuigkeit für beide Seiten.“
Zur Bewertungseinordnung: Laut FactSet handelt die Aktie derzeit zum etwa 137-fachen der geschätzten Gewinne pro Aktie für die nächsten zwölf Monate. Cramer hat SpaceX wiederholt gegen Kritiker verteidigt, die sie als teure Aktie betrachten, die vor allem von Privatanlegern bevorzugt wird. Seiner Ansicht nach spiegelt die Bewertung ein Unternehmen wider, das mehrere Wachstumspfade bietet – vom Starlink-Satelliten-Internetnetzwerk und dem Geschäft mit wiederverwendbaren Raketen bis hin zu den langfristigen Ambitionen im Bereich der Rechenzentren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 27.05.2026 berichtete aktien.news, dass Cramer sich skeptisch zum bevorstehenden Börsengang von SpaceX geäußert hatte. Der Handelsstart war für den 12. Juni erwartet worden. Cramer zweifelte damals, ob die angestrebte Bewertung von 2 Billionen US-Dollar durch die aktuellen Finanzkennzahlen gedeckt sei. „Rein von den Zahlen her ist es sehr schwierig, eine Bewertung von 2 Billionen Dollar für SpaceX zu rechtfertigen“, sagte er. Der Börsenprospekt zeigte ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 20 Milliarden US-Dollar – bei gleichzeitig hohen Verlusten.
Am 13.06.2026 meldete aktien.news, dass Cramer dem Börsendebüt zutraute, den Weg für eine neue Welle KI-bezogener Aktienemissionen zu ebnen. SpaceX beendete seinen ersten Handelstag bei 161 US-Dollar pro Aktie, was einen Marktwert von rund 2,1 Billionen US-Dollar ergab. „Noch nie hat ein Börsengang die Gemüter an der Wall Street und vielleicht auch in der breiten Öffentlichkeit so sehr gefesselt wie der von Elon Musks SpaceX“, sagte Cramer damals.
Am 06.08.2026 berichtete aktien.news, dass Cramer Anleger dazu aufrief, SpaceX nicht als gewöhnliche Aktie zu betrachten, sondern als Investition für kommende Generationen. „SpaceX könnte ein Wertpapier für 100 Jahre sein“, sagte er. Hintergrund war ein Kursverlust von 13,6 Prozent am Mittwoch, nachdem das Unternehmen seinen ersten Quartalsbericht seit dem Börsengang vorgelegt hatte. Zwar übertraf der Umsatz die Erwartungen der Analysten, doch das Unternehmen meldete deutlich höhere Investitionsausgaben.
Bereits am 21.05.2026 hatte aktien.news in Cramers Marktausblick berichtet, dass Nvidia erneut im Mittelpunkt des Geschehens stand. Der Chipkonzern übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich, woraufhin Cramers Investment-Club das Kursziel für die Aktie anhob.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht in mehrfacher Hinsicht relevant. Zum einen zeigt die Anhebung des Kursziels durch eine der größten Investmentbanken, dass die Analystengemeinde die Bewertung von SpaceX zunehmend auf eine breitere Basis stellt. Zum anderen verweist Cramer ausdrücklich darauf, dass SpaceX für seinen gemeinnützigen Trust, das vom CNBC Investing Club genutzte Portfolio, weiterhin zu spekulativ sei. Er trennt damit seine persönliche Einschätzung des Geschäftsmodells klar von einer konkreten Anlageempfehlung.
Interessant ist die Verbindung zu Nvidia. Cramer sagte zuvor während der Morgensitzung des Clubs, dass eine Kapitalerhöhung bei SpaceX auch ein Gewinn für Nvidia wäre. „Musk tut genau das, was [Nvidia-CEO Jensen Huang] skizziert hat, nämlich: ‚Kaufen Sie unsere Rechenkapazität und verleihen Sie sie dann, und Sie werden ein Vermögen machen‘“, fügte er hinzu. Nvidia war schon lange ein Bestandteil des Club-Portfolios. Anleger, die beide Werte im Depot halten, könnten von dieser Verflechtung profitieren – ohne dass daraus eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung abgeleitet werden sollte.
Zu beachten bleibt die hohe Bewertung: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 137 auf Basis der geschätzten Gewinne der nächsten zwölf Monate verdeutlicht, dass der Markt bereits viel Zukunftserfolg einpreist. Rückschläge wie der Kursrutsch Anfang August auf 104,83 US-Dollar zeigen, wie volatil die Aktie reagieren kann.
Ausblick
Cramer richtete sich zum Abschluss direkt an die Mitglieder des Investment-Clubs: „Mitglieder des Clubs, bleiben Sie dran, denn es wird immer wahrscheinlicher, dass SpaceX viel früher Früchte tragen könnte, als Tesla es je tat.“ Ob sich die berichteten Pläne zur Aufnahme von zusätzlichen 40 Milliarden US-Dollar bestätigen, hängt von den weiteren Meldungen ab. Die Financial Times hatte über die mögliche Struktur aus Bankdarlehen und Investment-Grade-Anleihen berichtet. Für Anleger bleibt der weitere Verlauf des Rechenzentrumsgeschäfts und der Ausbau der Nvidia-Kapazitäten der zentrale Beobachtungspunkt.
Kurz erklärt
- Kursziel: Die von Analysten erwartete Kurshöhe einer Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraums.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: Kennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt.
- Investment-Grade-Anleihe: Schuldverschreibung mit vergleichsweise guter Bonitätsbewertung des Emittenten.
