Conagra: Absatzmengen sinken, CEO Brase kämpft mit Inflationsdruck
Neuer Vorstandschef sieht Volumenrückgänge, hält aber an der Jahresprognose fest.

Conagra Brands hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen volumenbedingten Rückgang der organischen Nettoumsätze verzeichnet. Hohe Inflation und preissensible Verbraucher bremsen die Bemühungen des neuen CEO John Brase, den Hersteller von Verpackungslebensmitteln wieder auf Kurs zu bringen. Bereits im vorbörslichen Handel reagierte die Aktie des Unternehmens mit einem Minus von rund 4,5 Prozent auf die vorgelegten Zahlen.
Der Konzern, zu dessen Marken die Fleischstifte Slim Jim gehören, bestätigte zugleich seine Prognose für das Geschäftsjahr 2027. Danach erwartet Conagra einen Rückgang des organischen Nettoumsatzes um 1 Prozent bis 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ergebnisse des ersten Quartals lagen bei Umsatz und Gewinn über den Schätzungen der Wall Street, wie Daten des Anbieters LSEG zeigen. „Obwohl noch mehr Arbeit zu erledigen ist, bleiben wir auf Kurs, um das Jahr zu erreichen“, sagte Brase laut Mitteilung.
Der Manager hatte sein Amt im Juni angetreten. Nur einen Monat später, im Juli, halbierte Conagra seine jährliche Dividende und kündigte an, die nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerte zu überprüfen. Brase erklärte, dass Marken, die keine große strategische Rolle spielen, verkauft werden könnten – und dass im Gegenzug andere hinzukommen könnten.
Die Details
Im ersten Quartal erzielte Conagra gesamte Nettoumsätze von 2,60 Milliarden Dollar. Damit übertraf das Unternehmen die Analystenschätzungen von 2,59 Milliarden Dollar knapp. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie standen 41 Cent zu Buche, verglichen mit einer durchschnittlichen Erwartung der Analysten von 28 Cent.
Das Bild auf der operativen Ebene fällt differenzierter aus. Preisgestaltung und Produktmix trugen 1 Prozent zum gesamten organischen Nettoumsatz bei, während die Volumina um 2,1 Prozent zurückgingen. Der bereinigte Bruttogewinn sank um 3,9 Prozent auf 619 Millionen Dollar. Als Gründe nennt das Unternehmen den Rückgang der Absatzmengen, den Inflationsdruck und eine ungünstige operative Hebelwirkung. Teilweise ausgeglichen wurde der Rückgang durch 4 Millionen Dollar an Zollrückerstattungen.
Besonders das Geschäft mit gekühlten und tiefgefrorenen Produkten entwickelte sich schwach. Die quartalsweisen Nettoumsätze dieses Segments fielen um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Volumina gingen um 1 Prozent zurück, die Preise fielen um 1,5 Prozent.
CFO Dave Marberger äußerte sich in vorab aufgezeichneten Ausführungen zur weiteren Entwicklung: „Wir erwarten weiterhin einen vollständigen Jahresrückgang der Volumina im mittleren einstelligen Bereich, unter Berücksichtigung höherer als historischer Volumenelastizitäten, insbesondere in unserem Tiefkühlgeschäft.“ Die Formulierung deutet darauf hin, dass Verbraucher besonders empfindlich auf höhere Preise reagieren. Im Tiefkühlregal schlägt ein Preisanstieg offenbar stärker auf die nachgefragte Menge durch als in der Vergangenheit.
Die Analysten der RBC bewerteten die Lage in einer Notiz nüchtern: „Die Kernherausforderung bleibt unverändert: sechs aufeinanderfolgende Jahre von Volumenrückgängen, ein Portfolio, das das Management als zu groß und zu komplex anerkennt, sowie ein Konsumentenumfeld, das keine Preissetzungsfehler toleriert“, schrieben die Experten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Schwierigkeiten von Conagra stehen nicht isoliert da. Bereits am 26.02.2026 berichtete aktien.news über Hormel Foods, das im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025 die Umsatzerwartungen der Analysten verfehlte. Der Konzern, bekannt für Marken wie Skippy-Erdnussbutter und verpackte Fleischprodukte, erzielte einen Quartalsumsatz von 3,03 Milliarden US-Dollar und lag damit unter den von Analysten erwarteten 3,07 Milliarden Dollar. Als Hintergrund nannte der Bericht die zunehmende Sparsamkeit amerikanischer Verbraucher, die angesichts anhaltender Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit auf günstigere Alternativen ausweichen. Das Absatzvolumen im wichtigen Einzelhandelssegment sank im ersten Quartal um 6 Prozent.
In einem weiteren Bericht vom 26.02.2026 zum Geschäftsjahr 2026 hieß es, Hormel habe erneut die Umsatzerwartungen verfehlt: 3,03 Milliarden Dollar Umsatz standen Schätzungen von 3,07 Milliarden Dollar gegenüber, während das bereinigte Ergebnis je Aktie mit 34 Cent die Erwartungen von 32 Cent übertraf. Das Unternehmen hatte im Geschäftsjahr 2025 die Preise angehoben, um stark gestiegene Rohstoffkosten für Rind- und Schweinefleisch aufzufangen – Kostensteigerungen, die teilweise durch Unsicherheiten rund um US-Importzölle ausgelöst wurden.
Am 03.02.2026 berichtete aktien.news, dass PepsiCo im vierten Quartal die Erwartungen der Analysten übertraf, sich aber weiterhin mit einer schwachen Nachfrage nach Snacks konfrontiert sah. Der US-Konzern reagierte mit einer Preissenkungsstrategie für sein nordamerikanisches Lebensmittelgeschäft. Die Aktie gab im vorbörslichen Handel dennoch um mehr als ein Prozent nach. PepsiCo meldete für das Schlussquartal einen Nettogewinn von 2,54 Milliarden Dollar oder 1,85 Dollar je Aktie nach 1,52 Milliarden Dollar im Vorjahr; der Nettoumsatz kletterte um 5,6 Prozent auf 29,34 Milliarden Dollar.
Und am 16.09.2026 widmete sich aktien.news dem Preiskampf bei Kraft Heinz. Die jahrelang hohen Inflationsraten hätten die Haushaltsbudgets in den gesamten Vereinigten Staaten unter Druck gesetzt, hieß es dort. Steigende Kosten für Grundbedürfnisse wie Benzin und Lebensmittel hätten zu einem Wandel in der Wahrnehmung von Wertigkeit durch Verbraucher im Supermarkt beigetragen. Untersuchungen von McKinsey zeigten, dass sich immer mehr Amerikaner von Markenprodukten abwenden und stattdessen zu günstigeren Eigenmarken oder Hausmarken greifen. Kraft-Heinz-CEO Steve Cahillane sagte dazu: „Wir können uns nicht einfach darauf verlassen, über eine starke Marke zu verfügen und anzunehmen, dass das ausreicht.“
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in US-Lebensmittelwerte investiert sind oder ein Investment erwägen, liefert der Quartalsbericht ein gemischtes Bild. Positiv ist, dass Conagra bei Umsatz und bereinigtem Ergebnis je Aktie die Markterwartungen übertroffen hat und an der Prognose für das Geschäftsjahr 2027 festhält. Negativ sind die strukturellen Signale: sinkende Absatzmengen, ein rückläufiger bereinigter Bruttogewinn und ein Tiefkühlgeschäft, in dem Preissenkungen offenbar nötig sind, um Mengen zu stabilisieren.
Die RBC-Analysten benennen mit dem Verweis auf sechs aufeinanderfolgende Jahre sinkender Volumina und ein aus Managementsicht zu großes und zu komplexes Portfolio die zentralen Belastungsfaktoren. Hinzu kommt ein Konsumentenumfeld, das nach Einschätzung der Analysten keine Preissetzungsfehler toleriert. Die vom neuen CEO Brase angekündigte Portfolioprüfung und die mögliche Veräußerung von Marken ohne große strategische Rolle sind damit die wesentlichen Hebel, auf die der Markt schauen dürfte. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Auch der breitere Sektor zeigt ähnliche Muster: Bei Hormel sank das Absatzvolumen im Einzelhandel deutlich, PepsiCo senkte Preise im nordamerikanischen Lebensmittelgeschäft, und Kraft Heinz verweist auf den Wandel hin zu Eigenmarken. Der Preisdruck betrifft damit nicht nur einen einzelnen Anbieter, sondern mehrere Hersteller von Verpackungslebensmitteln in den USA.
Ein weiterer Faktor, der die Branche beschäftigt, ist die rasante Verbreitung von GLP-1-Gewichtsabnahmeprodukten. Sie zwingt Hersteller von Verpackungslebensmitteln dazu, ihre Produkte neu zu formulieren, um der Nachfrage nach gesünderen Lebensmitteln gerecht zu werden.
Ausblick
Conagra bestätigte seine Prognose für das Geschäftsjahr 2027 mit einem Rückgang des organischen Nettoumsatzes von 1 Prozent bis 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die Volumina erwartet CFO Marberger weiterhin einen Rückgang im mittleren einstelligen Bereich über das Gesamtjahr. Begründet wird dies mit höheren als historischen Volumenelastizitäten, insbesondere im Tiefkühlgeschäft.
CEO Brase erklärte mit Blick auf das weitere Jahr: „Obwohl noch mehr Arbeit zu erledigen ist, bleiben wir auf Kurs, um das Jahr zu erreichen.“ Darüber hinaus steht die angekündigte Überprüfung der nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerte im Raum, verbunden mit der Möglichkeit, Marken ohne große strategische Rolle zu verkaufen und andere hinzuzufügen. Weitere konkrete Termine oder Zielgrößen nannte das Unternehmen im vorliegenden Bericht nicht.
Kurz erklärt
- Organischer Nettoumsatz: Umsatzentwicklung ohne Effekte aus Wechselkursen und Übernahmen oder Verkäufen.
- Volumenelastizität: Maß dafür, wie stark die nachgefragte Menge auf eine Preisänderung reagiert.
- Bereinigter Bruttogewinn: Gewinn nach Abzug der Herstellungskosten, bereinigt um Sondereinflüsse.
- Eigenmarken: Handelsmarken des Einzelhandels, die meist günstiger sind als Herstellermarken.
