Commerzbank lehnt UniCredit-Übernahmeangebot als unterbewertet formell ab
Aufsichtsrat und Vorstand empfehlen Aktionären einstimmig, das 39-Milliarden-Euro-Angebot der italienischen Großbank abzulehnen.

Die Commerzbank hat am Montag das Übernahmeangebot der italienischen UniCredit förmlich zurückgewiesen. Aufsichtsrat und Vorstand empfehlen den Aktionären gemeinsam, das unaufgeforderte Angebot nicht anzunehmen. Dies geht aus einer Zusammenfassung einer 137-seitigen Analyse der Transaktion hervor, die die Bank veröffentlichte.
Das Angebot bewertet die Commerzbank mit knapp 39 Milliarden Euro – und liegt damit unter dem aktuellen Marktwert des Frankfurter Geldhauses. Laut Commerzbank spiegele das Angebot „den fundamentalen Wert der Commerzbank nicht wider" und sei zudem „vage und mit erheblichen Risiken verbunden". Die Bank hatte das Angebot zuletzt bereits als Offerte mit einer „Quasi-Null-Prämie" bezeichnet.
Orlopp: „Restrukturierungsvorschlag statt Zusammenschluss"
Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp ließ keinen Zweifel an der ablehnenden Haltung des Hauses. „Das Übernahmeangebot der UniCredit bietet unseren Aktionären keine angemessene Prämie. Was als Zusammenschluss beschrieben wird, ist in Wahrheit ein Restrukturierungsvorschlag, der unser bewährtes und profitables Geschäftsmodell massiv beeinträchtigen würde", sagte Orlopp. Mit dieser klaren Aussage bekräftigt die Bankchefin den seit Monaten andauernden Widerstand gegen die Übernahmeambitionen des italienischen Instituts.
Die UniCredit ist mittlerweile zum größten Einzelaktionär der Commerzbank aufgestiegen und hält einen Anteil von knapp 30 Prozent. Den Einstieg begann das Mailänder Institut im Jahr 2024, als es begann, seinen Anteil am deutschen Wettbewerber schrittweise auszubauen. Anfang Mai legte UniCredit dann ein formelles, unaufgefordertes Kaufangebot für Commerzbank-Aktien vor.
Der Widerstand gegen die Übernahme kommt nicht nur vom Management. Auch die Bundesregierung und die Belegschaft der Commerzbank haben den Annäherungsversuch von Beginn an als feindselig kritisiert. Die Commerzbank ist teilweise in staatlichem Besitz, was dem Vorgang eine besondere politische Dimension verleiht.
Risiken durch Russland-Engagement und italienische Staatsanleihen
In ihrer umfangreichen Analyse warnt die Commerzbank auch vor konkreten Risiken für Aktionäre, die das Angebot annehmen würden. So würden sich diese den Geschäftsrisiken der UniCredit in Russland sowie deren hohen Beständen an italienischen Staatsanleihen aussetzen. Darüber hinaus könnte eine Übernahme durch UniCredit zum Abbau von bis zu 11.000 Vollzeitstellen führen – ein Argument, das auch für die Gewerkschaften und die Belegschaft von zentraler Bedeutung ist.
UniCredit-Chef Andrea Orcel sieht die Lage naturgemäß anders. Er argumentiert, die Commerzbank bleibe hinter ihrem Potenzial zurück und Europa würde in einer Welt chaotischer Geopolitik von größeren Banken profitieren. Im vergangenen Monat warnte Orcel gar, der „derzeitige Kurs der Commerzbank wird ihr Überleben mittelfristig gefährden". In einer kurzen Stellungnahme am Montag widersprach die UniCredit vielen Aussagen der Commerzbank und bezeichnete diese als „unbegründet oder nicht belegt". Eine detailliertere Antwort werde „zu gegebener Zeit" folgen.
Jahreshauptversammlung als nächster Schauplatz
Die formelle Ablehnung dürfte den Kampf um die Kontrolle über eine der bedeutendsten deutschen Banken weiter verlängern. Bereits am Mittwoch steht die Jahreshauptversammlung der Commerzbank an – und sie verspricht, spannungsgeladen zu werden. Dort könnten Aktionäre und Investoren ihre Positionen öffentlich darlegen und der Druck auf alle Beteiligten weiter steigen.
Der Fall Commerzbank-UniCredit gilt als einer der bedeutendsten grenzüberschreitenden Bankübernahmeversuche in Europa seit Jahren. Er wirft grundlegende Fragen über die Zukunft des europäischen Bankensektors, nationale Interessen und die Konsolidierung des Finanzmarkts auf – Themen, die weit über Frankfurt und Mailand hinaus Relevanz haben.
