Colorado scheitert mit Gesetz für THC-haltige Hanfgetränke
Der Gesetzentwurf Senate Bill 164 wurde wegen fehlender Stimmen und Widerstand der Marihuana-Industrie zurückgezogen.

Ein geplantes Gesetz zur Zulassung von Hanf-THC-Getränken in Bars und Restaurants ist im Parlament des US-Bundesstaates Colorado gescheitert. Die sogenannte „Senate Bill 164" hätte einen rechtlichen Rahmen für den Verkauf von aus Hanf gewonnenen THC-Getränken außerhalb lizenzierter Cannabis-Einzelhändler geschaffen. Aufgrund fehlender Stimmen zog die Hauptsponsorin des Entwurfs, Senatorin Julie Gonzalez, den Vorschlag zurück – angesichts massiven Widerstands aus der Marihuana-Industrie.
„Was hier fehlt, ist nicht das Interesse", sagte die demokratische Senatorin aus Denver gegenüber der „Denver Gazette". „Was fehlt, ist nicht die Fachkompetenz. Was fehlt, ist der politische Wille." Gonzalez hatte den Entwurf als Chance gesehen, Colorado beim Aufbau eines regulierten Marktes für Cannabis-Getränke zu positionieren – einem Segment mit wachsendem Verbraucherinteresse.
Aktuelle Regelung und geplante Änderungen
Derzeit dürfen Hanfgetränke mit einem THC-Gehalt von höchstens 1,75 Milligramm in Bars und Spirituosengeschäften in Colorado verkauft werden. Der Gesetzentwurf von Gonzalez hätte diesen Grenzwert auf 10 mg pro 12-Unzen-Portion (ca. 355 ml) angehoben. Lebensmittelgeschäfte und Kioske hätten zudem Produkte mit geringerer Potenz von bis zu 3 mg THC anbieten dürfen.
Befürworter des Entwurfs argumentierten, dass Cannabis-Getränke eine vielversprechende Kategorie für neue Konsumenten darstellen – insbesondere für jene, die nach Alternativen zum Rauchen oder Vaping suchen. Auch Getränkehersteller, die mit einem sinkenden Alkoholkonsum konfrontiert sind, zeigen wachsendes Interesse an solchen Produkten für gesundheitsbewusste Kunden.
Die Debatte legte jedoch tiefe Spannungen zwischen dem staatlich regulierten Cannabismarkt und der Konkurrenz durch Hanfprodukte offen. Adam Foster von der „Responsible Cannabis Coalition" bezeichnete den Vorstoß als „List" von Hanfunternehmen mit Sitz außerhalb Colorados, um THC-Produkte am regulierten Cannabismarkt vorbeizuschleusen. „Wir fordern Sie auf, an dem vernünftigen Grundsatz festzuhalten, dass alle berauschenden THC-Produkte nach dem Recht von Colorado gleich reguliert werden sollten", sagte er laut der Zeitung.
Farm Bill ohne Schutz für Hanf-THC
Parallel dazu spitzt sich die Lage auf Bundesebene zu. Fast alle Hanf-THC-Produkte werden im November ihren Schutz nach Bundesrecht verlieren. Bisherige Bemühungen in Washington, dieses Verbot zu verzögern oder zu stoppen, sind gescheitert. Der Entwurf der Farm Bill, der zuletzt das US-Repräsentantenhaus passierte, enthielt keinerlei Schutzbestimmungen für Hanf-THC – was die Unsicherheit für Unternehmen erhöht, deren Geschäftsmodell auf aus Hanf gewonnenem THC basiert.
Die republikanischen US-Abgeordneten James Comer und Andy Barr aus Kentucky hatten jeweils eigene Änderungsanträge eingebracht, um dem drohenden Bundeseingriff gegen nicht-industrielle Hanfprodukte entgegenzuwirken. Barr zog seinen Antrag, der einen Regulierungs- und Lizenzierungsrahmen geschaffen hätte, jedoch zurück. Comers Vorschlag, die Frist um ein Jahr zu verlängern, wurde nicht zur Abstimmung zugelassen.
Nun muss der US-Senat seine eigene Version der Farm Bill verabschieden. Ein parteiübergreifender Vorschlag, der es einzelnen Bundesstaaten ermöglichen würde, sich gegen das Hanf-THC-Verbot des Bundes zu entscheiden, wurde bisher noch nicht im Ausschuss angehört. Für die Branche bleibt die Rechtslage damit auf beiden Ebenen – staatlich wie bundesweit – weiterhin ungewiss.
