Citroën belebt den 2CV als Elektroauto für 2028 neu
Auf dem Pariser Automobilsalon präsentiert Citroën ein elektrisches Retro-Stadtauto – als Antwort auf chinesische Konkurrenz.

Citroën lässt eine Legende wieder auferstehen: Der französische Automobilhersteller hat auf dem Pariser Automobilsalon ein neu interpretiertes Modell des legendären 2CV vorgestellt. Das Fahrzeug soll als elektrischer Stadtwagen im Retro-Design die Marke in einer schwierigen Phase des Elektroauto-Marktes neu positionieren. Citroën-Chef Xavier Chardon bezeichnete das neue Auto als „eine moderne, geniale und erfrischende Antwort auf die Mobilitätsherausforderungen von morgen".
Das Fahrzeug ist derzeit noch ein Concept Car und damit nicht unmittelbar kaufbereit. Es zeigt jedoch die künftige Ausrichtung der Marke und soll bis 2028 in einer verkaufsfähigen Version in den Ausstellungsräumen stehen. Der geplante Preis liegt bei rund 13.000 Britischen Pfund – ein klares Bekenntnis zur Erschwinglichkeit, die schon den Ur-2CV auszeichnete.
Die Details
Das Design des neuen 2CV greift bewusst auf die Formensprache des Originals zurück: hohe, ausgestellte Radkästen, ein gewölbtes hohes Dach und augenähnliche Scheinwerfer erinnern unmittelbar an die sogenannte „Ente" (französisch: deux chevaux). Citroën weist jedoch darauf hin, dass sich das Erscheinungsbild im Zuge der weiteren Designentwicklung noch verändern könnte.
Der ursprüngliche Citroën 2CV kam 1948 auf den Markt – in einer Zeit, als Europa sich von den Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs erholte. Er war als preiswertes, robustes Fortbewegungsmittel für die französische Landbevölkerung konzipiert. Hohe Radkästen und eine weiche Federung ermöglichten es, über gepflügte Felder und unebene Straßen zu fahren – der Legende nach, ohne dass eine Palette Enteneier zerbrach. Das hohe Dach erlaubte es Fahrern sogar, am Steuer einen Hut zu tragen.
Das Auto war leicht zu fahren und einfach zu reparieren. Diese Eigenschaften machten es so populär, dass es mehr als 40 Jahre lang produziert wurde. Im Laufe der Zeit wandelte sich der 2CV vom Nutzfahrzeug für die Landbevölkerung zum Kultklassiker – einem Favoriten von Hippies und Vertretern der Gegenkultur weltweit.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der Kontext, in dem Citroën diesen Schritt unternimmt, ist für die gesamte europäische Automobilbranche bedeutsam. Bereits am 4. Juni 2026 berichtete aktien.news, dass der britische Automobilmarkt im Mai einen deutlichen Aufschwung verzeichnete – die Neuwagenverkäufe stiegen um 7,1 Prozent auf 160.662 Fahrzeuge, das stärkste Ergebnis für diesen Monat seit 2019. Batterieelektrische Fahrzeuge verzeichneten dabei den größten Zuwachs unter allen Fahrzeugkategorien.
Am 19. Mai 2026 berichtete aktien.news zudem über den Kapitalmarkttag von Stellantis – dem Konzern, zu dem Citroën gehört. CEO Antonio Filosa stellte Investoren in Auburn Hills, Michigan, eine neue langfristige Strategie vor, die unter anderem eine Straffung des Markenportfolios und den Ausbau von Kooperationen mit chinesischen Automobilherstellern umfasst. Stellantis hatte zuletzt erheblich an Boden verloren, sowohl in den USA als auch in Europa, und die Aktie hatte im März ein Allzeittief erreicht. Die Neuausrichtung des Konzerns bildet damit den strategischen Rahmen, in dem auch die 2CV-Wiederbelebung zu verstehen ist.
Retro als Strategie: Was das für Anleger bedeutet
Citroën ist mit der Retro-Strategie nicht allein. Europäische Hersteller setzen zunehmend auf ihr historisches Erbe, um Elektroautos an skeptische Verbraucher zu verkaufen. Renault macht es mit dem Renault 5 E-Tech vor, der optisch an das kastenförmige Original anknüpft, das einst das französische Straßenbild prägte. Inzwischen wurden auch die Marken Renault 4 und Twingo wiederbelebt. Volkswagen bietet mit dem ID. Buzz eine Reminiszenz an den klassischen T2 Transporter an, und Ford arbeitet an einem neuen Elektrofahrzeug, von dem allgemein erwartet wird, dass es den Namen Fiesta tragen wird.
Rachel Burgess, leitende Redakteurin des Magazins Autocar, hält diese Strategie für absolut sinnvoll: „Es ist ein hervorragendes Alleinstellungsmerkmal gegenüber völlig neuen Automarken. Ein älteres Publikum erinnert sich vielleicht an die Originale und bringt ihnen Sympathie entgegen, während ein jüngeres Publikum den Retro-Aspekt ansprechend finden könnte."
Der Hintergrund dieser Entwicklung ist der wachsende Druck durch chinesische Hersteller. „Viele in der Branche glauben, dass die großen europäischen Automobilhersteller einer sehr ernsten existenziellen Bedrohung durch aggressive chinesische Produzenten gegenüberstehen", sagt David Leggett, Automobil-Redakteur bei Global Data. Für Anleger, die in europäische Automobilwerte investiert sind, ist diese Einschätzung relevant: Die Fähigkeit etablierter Marken, sich durch Markenerbe und Nostalgie zu differenzieren, könnte ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein.
Automobilforscher und Autor Dr. Paul Nieuwenhuis bringt es auf den Punkt: „In einer Welt, in der eine Welle glaubwürdiger chinesischer Elektroautos von ordentlicher Qualität nach Europa schwappt, ist die Verknüpfung europäischer Designs mit ihrer Geschichte bei gleichzeitiger Nutzung modernster Antriebstechnik etwas, das die Chinesen nicht leisten können. Die Chinesen können neue Designtrends setzen, aber die historische Tiefe fehlt dort."
Ausblick
Citroën plant, eine verkaufsfähige Version des neuen 2CV bis 2028 in den Handel zu bringen. Das aktuelle Concept Car auf dem Pariser Automobilsalon ist der erste öffentliche Schritt in diese Richtung. Das endgültige Design könnte sich bis zur Markteinführung noch verändern.
Leggett mahnt jedoch zur Nüchternheit: „Ein neu interpretierter Citroën 2CV sollte eine deutliche Verbeugung vor seinem Vorfahren sein – insbesondere beim Preis und der Einfachheit des Designs sowie bei den optischen Merkmalen. Er muss aber auch als modernes Elektroauto in Bezug auf Funktionalität und Ausstattung überzeugen und eine breite Anziehungskraft besitzen." Ob Citroën diesen Spagat gelingt, wird sich spätestens 2028 zeigen.
Kurz erklärt
- Concept Car: Ein Fahrzeugprototyp, der auf Messen gezeigt wird, um die zukünftige Designrichtung eines Herstellers zu demonstrieren, aber noch nicht serienreif ist.
- Deux Chevaux: Französischer Begriff für „zwei Pferdestärken", der Spitzname des originalen Citroën 2CV, der auf seine geringe Motorleistung anspielt.
- Retro-Design: Gestaltungsansatz, bei dem moderne Produkte bewusst an historische Vorbilder angelehnt werden, um Nostalgie und Markenbindung zu erzeugen.
