Chinas 7,5-Milliarden-Hybrid-Boom in der EU vor neuen Beschränkungen
Ein neues China-EU-Abkommen soll explodierende Hybridauto-Exporte begrenzen – und trifft Hersteller wie BYD, SAIC und Chery hart.

Chinas Exporte von Hybridfahrzeugen in die Europäische Union haben sich im ersten Halbjahr dieses Jahres auf 7,5 Milliarden US-Dollar verdreifacht – gegenüber 2,5 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2021 wurden lediglich 845 Millionen Dollar an Hybridfahrzeugen aus China in die EU exportiert. Nun droht diesem Boom ein jähes Ende durch ein neues Handelsabkommen zwischen Peking und Brüssel.
Hintergrund des rasanten Anstiegs ist die EU-Zollpolitik: Seit die Europäische Union im Jahr 2024 zusätzliche Zölle auf in China hergestellte Elektroautos erhoben hat, sind chinesische Automobilhersteller verstärkt auf Plug-in-Hybride umgestiegen. Diese Fahrzeugkategorie war bislang von den Sonderzöllen befreit – ein strategischer Ausweg, den die Hersteller angesichts des verlangsamten Absatzwachstums auf dem chinesischen Heimatmarkt intensiv nutzten. Zusätzlich stützte eine schwache Ladeinfrastruktur in Teilen Europas die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden, die mit hoher Reichweite und geringem Kraftstoffverbrauch beworben werden.
Auf die drei Hersteller SAIC, BYD und Chery entfielen laut der Investmentbank Jefferies mehr als 90 Prozent des chinesischen Hybrid-Absatzvolumens in der EU. Hybride machten dabei mehr als die Hälfte ihrer europäischen Verkäufe aus. Chinesische Marken sicherten sich im zweiten Quartal einen Rekordmarktanteil von 15 Prozent am europäischen Elektroautomarkt, nach 9,5 Prozent im ersten Quartal 2024. Chinesische Plug-in-Hybride machten zudem mehr als ein Viertel des entsprechenden Segments aus – ein steiler Anstieg gegenüber lediglich 1,7 Prozent zu Beginn des Jahres 2024, wie Schmidt Automotive Research ermittelte.
Reaktionen aus Industrie und Politik
EU-Handelskommissar Maros Sefcovic erklärte, dass das Abkommen die Importe um „mehrere Millionen Autos über vier Jahre" reduzieren werde. Wie die Vereinbarung konkret umgesetzt werden soll, haben Brüssel und Peking bislang jedoch nicht offengelegt. Das chinesische Handelsministerium teilte mit, dass die Vereinbarung ein weiteres Exportwachstum ermöglichen und China eine Quote garantieren werde, die nicht kleiner sei als jene, die anderen Importquellen gewährt wird.
Renault-CEO Francois Provost bezeichnete den Anstieg der chinesischen Hybridimporte als für Europa „nicht tragbar". Gleichzeitig räumte er ein, dass das Abkommen einem Handelskrieg vorzuziehen sei, und betonte die Notwendigkeit, die Handelsbeziehungen „vernünftig" zu gestalten. Branchenanalyst Felipe Munoz von Car Industry Analysis zeigte sich skeptisch gegenüber der Wirksamkeit der Maßnahme: „Es macht das Leben für die Chinesen etwas schwieriger, aber das wird sie nicht aufhalten, so wie es auch bei den Elektroautos der Fall war." Er fügte hinzu: „Europa gelangt an einen Punkt, an dem es entscheiden muss, ob es den Weg der USA einschlägt oder einfach zulässt, dass die gesamte Branche von den Chinesen aufgekauft wird."
Chinesische Hersteller reagieren gelassen
Changan-Präsident Zhao Fei zeigte sich auf dem Pariser Automobilsalon über das Abkommen „nicht sonderlich besorgt". Er betrachte es als Vorstufe zu „Made in Europe"-Local-Content-Regeln, denen man durch den Aufbau einer Produktion in der Region begegnen könne. „Dies bietet chinesischen Unternehmen wie Changan tatsächlich die Möglichkeit, in den europäischen Markt einzutreten", sagte er und fügte hinzu, dass das Unternehmen plane, seine ersten Autos in der Region Anfang nächsten Jahres zu produzieren.
An den Börsen reagierten die Anleger unterschiedlich: Die Aktien von BYD fielen um 1,8 Prozent, während Chery und SAIC um 1,4 beziehungsweise 0,5 Prozent stiegen. Investoren betrachteten die Vereinbarung weitgehend als Deeskalation der Handelsspannungen und als Signal, dass Zölle auf chinesische Hybride vorerst vom Tisch sein könnten. Die Analysten der Citibank kommentierten: „Insgesamt glauben wir, dass es sich um eine Risk-Relief-Rally handelt, da die Umsetzungsregeln, Volumenobergrenzen, Preisuntergrenzen und Ausnahmeregelungen noch Gegenstand technischer Verhandlungen sind."
Das schnelle Wachstum der chinesischen Hybridverkäufe fordert die europäischen Hersteller zunehmend heraus – darunter Volkswagen, den langjährigen Marktführer bei Plug-in-Hybriden in der Region. Für die europäische Automobilindustrie bleibt die Lage damit angespannt: Das Abkommen mag die unmittelbare Zollgefahr abwenden, doch das strukturelle Wettbewerbsproblem gegenüber chinesischen Herstellern bleibt bestehen.
