Chinesische Autos erobern Großbritannien: Der Temu-Range-Rover-Effekt
Britische Käufer greifen begeistert zu chinesischen SUVs – der Jaecoo 7 kostet nur halb so viel wie ein Range Rover.

Großbritannien entwickelt sich zur überraschenden Hochburg für chinesische Automobile. Keine andere große Industrienation hat Fahrzeuge aus China so enthusiastisch aufgenommen wie das Vereinigte Königreich – und ein Modell steht dabei besonders im Mittelpunkt: der Jaecoo 7, ein chinesischer SUV, der optisch und haptisch an einen Range Rover erinnert, aber nur die Hälfte kostet.
Mark Thewlis, 33 Jahre alt und an der englischen Südküste wohnhaft, suchte in diesem Sommer nach einem neuen Familienauto. Dabei stieß er auf den Jaecoo 7 und war sofort überrascht: Seine bevorzugte Version des chinesischen SUV schlug mit umgerechnet rund 50.000 US-Dollar zu Buche – verglichen mit einem optisch ähnlichen Range-Rover-Modell, das etwa doppelt so teuer ist. „Meine erste Reaktion war: Wo ist der Haken?", beschreibt Thewlis seinen ersten Eindruck.
Eine Probefahrt zerstreute seine Zweifel. Thewlis entschied sich schließlich klar für den Kauf des Jaecoo – überzeugt von der Kombination aus erschwinglichem Preis, statusbetontem Design und moderner Technologie.
Der „Temu-Range-Rover" – ein zweischneidiger Spitzname
Die auffällige optische Ähnlichkeit des Jaecoo 7 mit der 56 Jahre alten britischen Luxusmarke Range Rover hat dem chinesischen Fahrzeug einen treffenden, wenn auch nicht unumstrittenen Spitznamen eingebracht: „Temu-Range-Rover". Der Vergleich mit der bekannten Discount-Plattform Temu spielt dabei auf das Preis-Leistungs-Verhältnis an – viel Optik für deutlich weniger Geld.
Für viele britische Käufer ist genau das der entscheidende Reiz. Chinesische Hersteller verbinden in ihren Modellen ein Design, das an etablierte Luxusmarken erinnert, mit moderner Fahrzeugtechnologie und einem Preis, der für eine deutlich breitere Käuferschicht erschwinglich ist. Dieses Konzept trifft in Großbritannien offenbar einen Nerv.
Großbritannien als Vorreiter in Europa
Dass ausgerechnet das Vereinigte Königreich zur führenden Nation beim Absatz chinesischer Autos unter den großen Industrieländern geworden ist, ist bemerkenswert. Während andere europäische Märkte chinesischen Fahrzeugen noch zurückhaltender gegenüberstehen, haben britische Verbraucher die neue Konkurrenz aus Fernost offenbar bereitwillig angenommen.
Die Gründe dafür dürften vielfältig sein: Britische Käufer wie Thewlis lassen sich von konkreten Vorteilen überzeugen – günstige Anschaffungskosten, ansprechendes Design und technische Ausstattung auf modernem Niveau. Markenloyalität tritt dabei zunehmend in den Hintergrund, wenn die Preisdifferenz so deutlich ausfällt wie beim Vergleich zwischen Jaecoo 7 und Range Rover.
Für die etablierte britische Automobilindustrie, zu der auch die Luxusmarke Range Rover gehört, ist diese Entwicklung eine ernste Herausforderung. Ob der Trend anhält oder ob Qualitätsbedenken und mögliche politische Maßnahmen den Vormarsch chinesischer Hersteller bremsen werden, bleibt abzuwarten.
