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Chinas „weise Kamel“ als Gewinner des US-iranischen Konflikts

US-Sanktionen gegen Iran könnten China stärken und das Dollar-System schwächen.

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Chinas „weise Kamel“ als Gewinner des US-iranischen Konflikts

Die jüngste Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran könnte einen unerwarteten Gewinner hervorbringen: China. Mit massiven neuen Sanktionen will Washington Teheran wirtschaftlich lahmlegen, doch die Strategie birgt erhebliche Risiken für die USA selbst.

US-Finanzminister Scott Bessent kündigte am Montag einen „wirtschaftlichen D-Day“ gegen den Iran an. Er drohte mit „der größten finanziellen Offensive, die jemals gegen einen Gegner mobilisiert wurde“. Konkret sollen „sekundäre Sanktionen“ gegen jede Einheit verhängt werden, die Geldwäsche für den Iran betreibt oder Geschäfte mit digitalen Vermögenswerten, Technologie, Gold, Luftfahrt und Schifffahrt abwickelt.

Doch die Wirksamkeit dieser Maßnahmen ist fraglich. Wie ein Bericht des US-Kongresses festhält, ist China „der größte Handelspartner des Irans … trotz US- und multilateraler Sanktionen gegen Teheran“. Peking hat Investitionen in Höhe von 400 Milliarden US-Dollar im Iran zugesagt und kauft 90 Prozent der iranischen Ölexporte.

Die strategische Falle, die Obama voraussah

Bereits vor einem Jahrzehnt warnte der damalige US-Präsident Barack Obama vor genau dieser Situation. Bei der Aushandlung des Iran-Abkommens räumte er ein, dass Sanktionen gegen chinesische Banken ein Eigentor sein könnten. „Um den Iran wirklich zu schädigen, müssten wir Länder wie China vom amerikanischen Finanzsystem ausschließen“, sagte Obama. „Da sie aber wichtige Käufer unserer Staatsanleihen sind, könnten solche Maßnahmen schwere Störungen in unserer eigenen Wirtschaft auslösen und international Fragen zur Rolle des Dollars als Weltreservewährung aufwerfen.“

Genau diese Dynamik zeigt sich nun. Obwohl Kongressmitglieder wie der Republikaner Darin LaHood Sanktionen gegen große chinesische Banken forderten, um „eine klare Botschaft an China zu senden“, blieben diese bislang aus. Bisher wurden nur einige kleine Hongkonger Unternehmen sanktioniert.

Warum die USA zögern

Der wahre Grund für die Zurückhaltung Washingtons liegt auf der Hand: Finanzminister Bessent möchte offenbar ein geplantes Gipfeltreffen zwischen Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping im nächsten Monat nicht gefährden. Dieses Treffen soll Handelsabkommen hervorbringen.

Daniel Tannebaum, Partner bei Oliver Wyman und Sanktionsexperte, bringt es auf den Punkt: „Solange sie keine chinesische Bank sanktionieren, von der jeder gehört hat, wird dies ins Leere laufen.“

Die neue Weltordnung

Ökonomen der Stanford University, der Yale University und der Columbia University argumentieren in einem IMF-Essay, dass der Schlüssel zum Verständnis der heutigen Geopolitik darin liegt, dass die USA und China jeweils hegemoniale Macht ausüben wollen. China kontrolliert demnach Schlüsselknotenpunkte industrieller Lieferketten wie Seltene Erden und pharmazeutische Vorprodukte, während Amerika das dollarbasierte globale Finanzsystem kontrolliert.

Energie- und Technologiehegemonie sind hingegen weiterhin umkämpft. Derzeit versuchen beide Seiten, die hegemoniale Macht des anderen zu brechen, doch ein schneller Erfolg ist unwahrscheinlich. Dies führt zu einer zermürbenden Instabilität, bei der Stellvertreter wie der Iran hineingezogen werden.

Zweifel an der Wirksamkeit

Während einige Ökonomen wie Robin Brooks die Sanktionen angesichts des „wirtschaftlichen Zusammenbruchs“ im Iran als „einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung“ betrachten, gibt es auch erhebliche Zweifel. Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, bislang ein entscheidender Handelspartner und Bankenzentrum für den Iran, haben sich dem US-Embargo angeschlossen. Die Türkei, ein weiterer wichtiger Akteur, könnte möglicherweise folgen.

Doch solange China nicht mitzieht, bleiben die Sanktionen ein stumpfes Schwert. Die Ironie der Geschichte: Trumps scharfe Kritik an Obamas Iran-Abkommen könnte nun genau jene Konsequenzen beschleunigen, vor denen Obama warnte – eine Schwächung des Dollar-Systems und eine Stärkung Chinas als globaler Akteur.

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