Chinas KI-Offensive: Alibaba und ByteDance stellen neue Modelle vor
Tech-Giganten aus China präsentieren fortschrittliche KI-Systeme für Robotik und Videogenerierung und holen damit gegenüber US-Konkurrenz auf.

Während US-Technologieunternehmen mit ihren KI-Tools die Märkte dominieren, haben chinesische Tech-Konzerne diese Woche eine beeindruckende Aufholjagd gestartet. Alibaba, ByteDance und Kuaishou stellten neue KI-Modelle vor, die zeigen, dass die Lücke zu westlichen Konkurrenten kleiner wird. Demis Hassabis, Chef von Google DeepMind, bestätigte gegenüber CNBC, dass chinesische KI-Modelle den westlichen Rivalen nur noch um "Monate" hinterherhinken.
Alibabas DAMO Academy präsentierte RynnBrain, ein KI-Modell für Roboter, das die physische Welt verstehen und Objekte identifizieren kann. In einer Videodemo zeigte ein Roboter mit Greifzangen, wie er Orangen zählte, aufhob und in einen Korb legte. Zudem holte er Milch aus einem Kühlschrank – scheinbar einfache Aufgaben, die in der Robotik jedoch erhebliche Herausforderungen darstellen. Mit RynnBrain tritt Alibaba nun in direkten Wettbewerb zu Nvidia und Google, die ebenfalls KI-Modelle für Roboter entwickeln.
Das langfristige Ziel von Alibaba ist es, eine "grundlegende Intelligenzschicht für verkörperte Systeme" zu etablieren. Dies würde bedeuten, dass Roboter nicht nur einzelne Aufgaben ausführen, sondern komplexe Interaktionen mit ihrer Umgebung meistern können. Die Technologie könnte weitreichende Anwendungen in Logistik, Fertigung und Haushaltsrobotik finden.
ByteDance mit Seedance 2.0 – und Kontroversen
ByteDance, der Mutterkonzern von TikTok, stellte Seedance 2.0 vor, ein KI-Modell zur Videogenerierung. Das System kann realistische Videos allein aus einer Texteingabe erstellen, wobei auch andere Videos und Bilder als Prompts dienen können. Billy Boman, der in Stockholm eine Kreativ-Werbeagentur für KI-generierte Inhalte leitet, lobte die erheblichen Fortschritte der letzten zwei Jahre: "Die Verbesserungen in der gesamten Branche sind rasant."
Doch ByteDance geriet schnell in Schwierigkeiten. Lokale chinesische Medien berichteten, dass das Unternehmen eine Funktion aussetzen musste, die Stimmen von Personen basierend auf hochgeladenen Bildern generieren konnte. Ein chinesischer Blogger hatte Bedenken geäußert, dass die Stimmen-Generierung ohne Zustimmung der Betroffenen erfolgte. ByteDance war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.
Kuaishou und weitere Wettbewerber
Kuaishou, eine chinesische Kurzvideo-Plattform, brachte mit Kling 3.0 ein weiteres Videogenerierungsmodell auf den Markt, das direkt mit ByteDances Seedance konkurriert. Kling 3.0 bietet laut Unternehmensangaben bedeutende Upgrades bei der Konsistenz, fotorealistischen Ausgabe und einer verlängerten Videodauer von bis zu 15 Sekunden. Zusätzlich verfügt das Modell über native Audiogenerierung in mehreren Sprachen, Dialekten und Akzenten. Der Erfolg mit den Kling-Modellen trieb den Aktienkurs von Kuaishou im vergangenen Jahr um mehr als 50 Prozent nach oben.
Zhipu AI, das in Hongkong als Knowledge Atlas Technology firmiert, verzeichnete am Donnerstag einen Kurssprung seiner Aktien nach der Veröffentlichung von GLM-5. Das quelloffene Large-Language-Modell verfügt über verbesserte Programmierfähigkeiten und kann langwierige Agenten-Aufgaben ausführen. Nach Unternehmensangaben erreicht GLM-5 in Programmier-Benchmarks fast das Niveau von Anthropics Claude Opus 4.5 und übertrifft Googles Gemini 3 Pro in einigen Tests sogar. Diese Angaben konnten von CNBC jedoch nicht unabhängig überprüft werden.
Agentische KI im Fokus
Auch MiniMax legte am Donnerstag an der Börse zu, nachdem das Unternehmen sein aktualisiertes Open-Source-Modell M2.5 mit verbesserten KI-Agenten-Tools vorgestellt hatte. Unter "Agenten" oder "agentischer KI" versteht man KI-Tools, die zur Automatisierung von Aufgaben entwickelt wurden – ein Bereich, der zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Die Entwicklungen zeigen, dass chinesische Tech-Unternehmen trotz US-Exportbeschränkungen bei Chips und Technologie aufholen. Die neuen Modelle stehen in direktem Wettbewerb mit Videogenerierungsmodellen wie Sora von OpenAI sowie Robotikmodellen von Nvidia und Google. Für Anleger bedeutet dies, dass der globale KI-Wettlauf intensiver wird und chinesische Unternehmen zunehmend als ernstzunehmende Konkurrenten auftreten.
