Chinas Gold-Kaufrausch treibt Internationalisierung des Yuan voran
Fast zwei Jahre lang kauft China jeden Monat Gold – und nutzt diesen Trend, um den Yuan global zu stärken.

China kauft seit fast zwei Jahren jeden Monat Gold und verfolgt damit eine doppelte Strategie: Die Volksrepublik will einerseits die Lücke zu den USA bei den Goldbeständen schließen und andererseits die internationale Nutzung des Yuan ausweiten. Hongkong spielt dabei eine Schlüsselrolle – die Sonderverwaltungszone soll zu einem globalen Goldhandelszentrum werden, in dem Transaktionen in der chinesischen Währung abgewickelt werden.
Der chinesische Yuan, auch bekannt als Renminbi (RMB), macht derzeit nur einen Bruchteil der internationalen Transaktionen aus. Das globale Finanzsystem wird nach wie vor vom US-Dollar dominiert. Pekings Goldkäufe und die geplante Handelsplattform in Hongkong sind die jüngsten Schritte, um diese Abhängigkeit vom Dollar schrittweise zu reduzieren – auch wenn Analysten in absehbarer Zeit keine grundlegende Verschiebung dieser Dynamik erwarten.
Die Details
Charles Chang, Managing Director und Greater China Country Lead für Unternehmensratings bei S&P Global Ratings, erklärt den Mechanismus hinter der Strategie: „Mit zunehmendem Handelsvolumen würde ein wachsender Teil des physischen Goldhandels in RMB denominiert und nicht an den US-Dollar gekoppelt sein." Das bedeutet: Je mehr Gold über Hongkong in Yuan gehandelt wird, desto mehr Gewicht erhält die chinesische Währung im globalen Rohstoffhandel.
Chang benennt dabei auch die zentrale Herausforderung für die Yuan-Internationalisierung: „Die Herausforderung bei der Internationalisierung des RMB besteht darin, dass es etwas schwieriger ist, Orte zu finden, an denen man den RMB verwenden kann. Insbesondere in Bezug auf Gold: Wenn der RMB, den der Käufer erhält, in Gold umgetauscht werden kann, ergeben sich mehr" Verwendungsmöglichkeiten. Gold fungiert in diesem Konzept also als Brücke – es macht den Yuan für internationale Handelspartner attraktiver, weil er direkt in einen weltweit anerkannten Sachwert umgewandelt werden kann.
Die Goldkäufe Chinas erreichten in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres eine Rekordsumme von 158,8 Milliarden US-Dollar für mehr als 1.000 Tonnen Gold. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 gab China 96,5 Milliarden US-Dollar für 886 Tonnen Gold aus. Die People's Bank of China hatte ihre Goldeinkäufe bereits im März auf 17 aufeinanderfolgende Monate ausgeweitet und dabei 160.000 Feinunzen zugekauft, womit die Gesamtreserven auf 74,38 Millionen Feinunzen stiegen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass Hongkong seinen ersten Fünfjahresplan veröffentlicht hat, der die Stadt als „Einstiegspunkt" für den Rohstoffhandel und die Ausweitung der Yuan-Nutzung auf Weltmärkten positioniert. Das Regierungsdokument sieht vor, die „Rolle von Gold als strategischem Vermögenswert voll auszuschöpfen", indem ein zentrales Gateway für Lagerung, Handel und Clearing des Edelmetalls entwickelt wird. Hongkong tritt damit in direkte Konkurrenz zu etablierten Handelsplätzen wie London.
Am 06.10.2026 meldete aktien.news, dass Hongkong in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres rekordverdächtige 112,7 Tonnen russisches Gold importiert hat – mehr als im gesamten Jahr 2025, als 92,1 Tonnen eingeführt wurden. Zum Vergleich: Im Jahr 2021, vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine, importierte Hongkong lediglich 3,3 Tonnen russisches Gold. Diese Zahlen verdeutlichen, wie stark sich die Handelsströme verschoben haben und wie Hongkong zunehmend als Drehscheibe für Gold außerhalb westlicher Sanktionsregimes fungiert.
Am 07.04.2026 hatte aktien.news bereits über die damals 17-monatige ununterbrochene Kaufserie der People's Bank of China berichtet. Der in US-Dollar gemessene Wert der chinesischen Goldreserven war im März trotz steigender physischer Bestände von 387,59 Milliarden US-Dollar auf 342,76 Milliarden US-Dollar gesunken – nicht wegen eines Rückgangs der Bestände, sondern aufgrund eines erheblichen Preisrückgangs beim Gold.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung aus mehreren Blickwinkeln relevant. Erstens signalisiert Chinas anhaltende Goldnachfrage eine strukturelle Unterstützung für den Goldpreis. Wenn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt monatlich und in Rekordmengen Gold kauft, ist das ein bedeutender Nachfragefaktor auf dem globalen Markt.
Zweitens verändert die Strategie langfristig die Architektur des globalen Finanzsystems. Eine stärkere Rolle des Yuan im Goldhandel könnte mittelfristig den Anteil des US-Dollars an internationalen Rohstofftransaktionen verringern. Analysten, die CNBC befragt hat, erwarten zwar in absehbarer Zeit keine dramatischen Verschiebungen – doch die Richtung ist klar: Peking arbeitet systematisch und geduldig an einer Welt, in der der Dollar weniger unverzichtbar ist.
Drittens zeigt die Entwicklung in Hongkong, dass Gold zunehmend nicht nur als Inflationsschutz, sondern auch als geopolitisches Instrument eingesetzt wird. Wer in Gold investiert, sollte diese geopolitische Dimension im Blick behalten.
Ausblick
Hongkong verfolgt laut seinem ersten Fünfjahresplan konkrete Schritte, um sich als globales Goldhandelszentrum zu etablieren. Der Plan sieht den Aufbau eines gegenseitigen Marktzugangs sowie die Unterstützung für auf Yuan lautende Transaktionen vor. Ziel ist es, Gold als strategischen Vermögenswert zu nutzen und ein zentrales Gateway für Lagerung, Handel und Clearing zu schaffen.
Ob und wie schnell sich der Yuan im globalen Goldhandel durchsetzt, hängt laut den befragten Analysten davon ab, wie viele internationale Handelspartner bereit sind, den RMB als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Die Infrastruktur in Hongkong soll genau diese Hürde senken – indem sie Gold als universell akzeptierten Gegenwert für den Yuan anbietet.
Kurz erklärt
- Renminbi (RMB): Die offizielle Währung der Volksrepublik China, deren international gebräuchliche Bezeichnung Yuan ist.
- Denominierung: Die Festlegung, in welcher Währung ein Finanzprodukt oder ein Handelsgeschäft abgerechnet wird.
- Goldreserven: Physische Goldbestände, die eine Zentralbank hält, um die eigene Währung zu stützen und Risiken im Finanzsystem abzufedern.
