Chinas globale Champions: Die größte Bedrohung kommt von innen
Nicht US-Zölle oder EU-Politik gefährden Chinas stärkste Unternehmen – sondern ineffiziente Inlandskonkurrenten, die staatlich am Leben gehalten werden.

Chinas wettbewerbsfähigste Unternehmen stehen unter Druck – doch die eigentliche Gefahr kommt nicht aus Washington oder Brüssel. Laut einer Analyse von Alicia García-Herrero, Chefökonomin für den asiatisch-pazifischen Raum bei Natixis und Senior Research Fellow beim Brüsseler Thinktank Bruegel, ist es eine hausgemachte Schwäche, die Chinas globale Champions langfristig bedroht.
García-Herrero bedient sich dabei eines medizinischen Vergleichs: Ähnlich wie gutes und schlechtes Cholesterin durch dasselbe System zirkulieren, existieren in Chinas Unternehmenswelt zwei grundlegend verschiedene Typen von Firmen nebeneinander. Während die einen die Widerstandsfähigkeit des Systems stärken, verstopfen die anderen im Stillen die wirtschaftlichen Arterien des Landes.
Batterien und Elektroautos: Chinas globale Vorreiter
Zu den starken Unternehmen zählen jene, die auf den Weltmärkten reüssieren – etwa durch die Dominanz in der Batterietechnologie oder durch Pionierarbeit im Bereich Elektrofahrzeuge. Diese Firmen gewinnen globale Marktanteile und sind nach Einschätzung der Ökonomin weder durch US-Zölle noch durch die Handelspolitik der Europäischen Union in ihrer Existenz bedroht.
Das eigentliche Problem liegt tiefer: Eine Unterschicht weniger produktiver inländischer Konkurrenten wird durch die großzügige und oft fehlgeleitete Unterstützung von Lokalregierungen künstlich am Leben erhalten. Diese Unternehmen konkurrieren mit den Champions um Ressourcen, Kapital und Marktanteile – ohne deren Effizienz oder Innovationskraft zu besitzen.
Strukturwandel seit einem Jahrzehnt
García-Herrero betont, dass diese Analyse vor zehn Jahren noch weit hergeholt gewirkt hätte. Damals waren Chinas größte Unternehmen weitgehend Staatsbetriebe, die mehr an politischer Gunst als an Gewinnmargen interessiert waren. Seitdem hat sich die chinesische Unternehmenslandschaft grundlegend verändert – private, international wettbewerbsfähige Firmen haben an Bedeutung gewonnen.
Doch genau dieser Wandel macht die Verzerrungen durch staatlich gestützte Schwachunternehmen umso problematischer. Während die Champions auf globalen Märkten gegen internationale Konkurrenz bestehen müssen, kämpfen sie gleichzeitig im Inland gegen Wettbewerber, die nicht nach marktwirtschaftlichen Regeln spielen.
Das Bild des „schlechten Cholesterins" trifft den Kern des Problems: Die Gefahr ist nicht sofort sichtbar, wirkt aber schleichend und systemisch. Für deutsche Anleger und Beobachter der chinesischen Wirtschaft ist diese Einschätzung bedeutsam – sie verschiebt den Fokus weg von geopolitischen Handelsstreitigkeiten hin zu strukturellen Schwächen innerhalb Chinas selbst.
Die Analyse unterstreicht, dass die langfristige Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen weniger von externen Faktoren wie Donald Trumps Zollpolitik abhängt, sondern maßgeblich davon, ob China seine internen wirtschaftlichen Verzerrungen in den Griff bekommt.
