China verbietet automatisierte Programme für Bahnticket-Buchungen auf Reiseplattformen
Chinas Cyberspace-Behörde untersagt Online-Reiseplattformen den Einsatz von Bots beim Kauf begehrter Bahntickets.

Die chinesische Cyberspace-Verwaltung hat am Freitag ein klares Verbot ausgesprochen: Online-Reiseplattformen dürfen keine automatisierten Programme mehr einsetzen, um massenhaft und hochfrequent Bahntickets zu ergattern. Das Verbot richtet sich gegen Software, die Sicherheitsüberprüfungsmaßnahmen des offiziellen Ticketverkaufssystems umgeht und dessen normalen Betrieb beeinträchtigt.
Konkret betrifft die Regelung das staatliche Buchungsportal „12306", über das Reisende in China offiziell Bahntickets erwerben. Unternehmen ist es laut der Erklärung der Behörde „untersagt, automatisierte Programme einzusetzen, um großflächige, hochfrequente Ticket-Snatching-Operationen durchzuführen, die die Sicherheitsüberprüfungsmaßnahmen" und den normalen Betrieb des Systems beeinträchtigen.
Enormes Volumen im chinesischen Bahnverkehr
Der Hintergrund des Verbots wird deutlich, wenn man die schiere Größe des chinesischen Eisenbahnsystems betrachtet. Im Jahr 2025 verzeichnete Chinas Eisenbahn über 4,6 Milliarden Passagierfahrten – eine Zahl, die das enorme Aufkommen und den damit verbundenen Druck auf das Buchungssystem verdeutlicht.
Besonders während der Hauptreisezeiten spitzt sich die Lage zu. Das bekannteste Beispiel ist das Mondneujahr, das als weltweit größte jährliche Migrationsbewegung gilt. In dieser Zeit versuchen Hunderte Millionen Menschen gleichzeitig, Tickets für ihre Heimreise zu sichern – was das offizielle System an seine Grenzen bringt.
Ticket-Bots als lukratives Geschäftsmodell
Genau in dieser Situation greifen viele Reisende auf Drittanbieter-Software zurück, die verspricht, ihre Chancen auf begehrte Tickets zu erhöhen, wenn eine Buchung über den offiziellen Kanal fehlschlägt. Diese sogenannten „Ticket-Snatching"-Programme automatisieren den Buchungsvorgang und versuchen, schneller als menschliche Nutzer Tickets zu reservieren.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist das Vorgehen der chinesischen Behörden ein weiteres Beispiel für die zunehmende Regulierung digitaler Plattformen in China. Die Cyberspace-Verwaltung greift regelmäßig in den Betrieb von Online-Diensten ein, um staatliche Infrastruktur und Systeme zu schützen. Das Verbot zeigt, wie ernst die Behörden die Integrität des nationalen Buchungssystems nehmen – und welche wirtschaftliche Bedeutung ein reibungsloser Bahnbetrieb für das bevölkerungsreichste Land der Welt hat.
