China erobert den globalen Markt für Dienstleistungsexporte
Nach der Dominanz im Warenhandel drängt China nun mit wissensintensiven Dienstleistungen auf den Weltmarkt.

Kein Land der Welt exportiert so viele Waren wie China. Doch das Reich der Mitte hat eine neue Handelsfront eröffnet: den Export wissensintensiver Dienstleistungen. Laut Daten der Welthandelsorganisation (WTO) ist China bereits der weltweit sechstgrößte Exporteur digital erbrachter Dienstleistungen – 2005 belegte das Land noch den 17. Platz.
Der Aufstieg ist bemerkenswert. China verdient heute mehr mit dem Export von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) als mit klassischen Exportgütern wie Spielzeug oder Schuhen. Die IKT-Dienstleistungsexporte beliefen sich 2024 auf 100 Milliarden US-Dollar, während Spielzeugexporte 82 Milliarden und Schuhexporte 51 Milliarden US-Dollar einbrachten.
Dienstleistungen überholen traditionelle Exportgüter
Noch deutlicher wird der Wandel bei den sogenannten „sonstigen Unternehmensdienstleistungen" – einer Kombination aus Beratungsleistungen, Forschung und Entwicklung sowie technischen Aktivitäten. Diese Kategorie erzielte 2024 Exporterlöse von 113 Milliarden US-Dollar und überflügelte damit klar die Exporte von Eisen und Stahl (71 Milliarden US-Dollar) sowie Bekleidung (85 Milliarden US-Dollar). Auch die Baudienstleistungsexporte (34 Milliarden US-Dollar) übertrafen die Glaswarenexporte mit 25,5 Milliarden US-Dollar.
Zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählt Chinas „One Belt, One Road"-Initiative (Neue Seidenstraße). Im Rahmen dieses Megaprojekts flossen Milliarden von Dollar in Infrastrukturvorhaben weltweit – Häfen, Eisenbahnen und Kraftwerke entstanden in Asien, Afrika und Lateinamerika. Diese Investitionen kurbelten nicht nur den Export von Stahl, Zement und schwerem Gerät an, sondern schufen auch einen dauerhaften Bedarf an begleitenden Dienstleistungen.
Denn wenn ein chinesisches Unternehmen eine Infrastruktur errichtet, folgen in der Regel mehrjährige Serviceverträge. Diese umfassen technischen Support, Netzwerkwartung, digitale Überwachungssysteme, technische Schulungen, Software-Upgrades und Cloud-Computing-Kapazitäten. Das einmalige Baugeschäft wird so zur langfristigen Dienstleistungsbeziehung.
Elektrofahrzeuge, Roboter und Drohnen als neue Treiber
Ein weiterer Wachstumsmotor ist Chinas Aufstieg in der Wertschöpfungskette bei Hightech-Produkten. Der Export von Elektrofahrzeugen, Robotern, Drohnen, Solarmodulen und Windturbinen zieht automatisch wissensintensive Dienstleistungsexporte nach sich. Jedes dieser Produkte ist hochgradig digitalisiert und erfordert wiederkehrende Serviceleistungen: Elektrofahrzeuge benötigen Software-Upgrades, Roboter und Drohnen laufende technische Betreuung.
Das Muster ist klar: Chinesische Unternehmen liefern nicht mehr nur das Produkt, sondern das gesamte Ökosystem drumherum. Installiert ein führendes chinesisches Telekommunikationsunternehmen ein Netz in Pakistan oder baut ein chinesischer Tech-Konzern ein Rechenzentrum in Brasilien, entstehen daraus langfristige Serviceverträge mit wiederkehrenden Einnahmen.
Für deutsche Anleger und Unternehmen ist diese Entwicklung von erheblicher Bedeutung. China tritt damit zunehmend in Märkte ein, die bislang von westlichen Technologie- und Beratungskonzernen dominiert wurden. Der Wettbewerb um globale Dienstleistungsaufträge – von IT-Infrastruktur bis hin zu Ingenieurdienstleistungen – dürfte in den kommenden Jahren deutlich intensiver werden.
